Lucy ist ein französischer Science-Fiction-Actionfilm von Luc Besson aus dem Jahr 2014, gedreht auf Englisch und produziert von Bessons Firma EuropaCorp. Scarlett Johansson spielt eine junge Frau, der eine synthetische Droge Zugang zu immer größeren Teilen ihrer Gehirnleistung verschafft, Morgan Freeman einen Hirnforscher, der das Geschehen erklärt. Mit 89 Minuten ist der Film kurz, seine Mischung aus Verfolgungsjagden und Evolutionsphilosophie spaltete die Kritik. An den Kinokassen wurde Lucy dagegen ein Welterfolg. In den USA startete er am 25. Juli 2014, in Deutschland am 14. August 2014 mit einer Freigabe ab 12 Jahren.
| Originaltitel | Lucy |
|---|---|
| Produktionsland | Frankreich |
| Jahr | 2014 |
| Regie | Luc Besson |
| Drehbuch | Luc Besson |
| Darsteller | Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Choi Min-sik, Amr Waked, Pilou Asbæk, Analeigh Tipton |
| Laufzeit | 89 Minuten |
| FSK | ab 12 |
| Kinostart Deutschland | 14. August 2014 |
| Genre | Science-Fiction, Action |
| Bewertungen | IMDb 6,4/10 · Rotten Tomatoes 67 % · Metacritic 62/100 (Stand: Oktober 2026) |
Worum es geht: Eine Droge entfesselt Lucys Gehirn
Lucy, eine US-amerikanische Studentin in Taipeh, wird von ihrem neuen Freund Richard gedrängt, einen Koffer an den koreanischen Gangsterboss Jang zu übergeben. Darin liegt die neue synthetische Droge CPH4. Jangs Leute operieren Lucy ein Päckchen davon in den Bauch, damit sie es als Kurierin nach Europa schmuggelt. Als ein Wärter sie misshandelt, platzt der Beutel, und die Substanz gelangt in ihren Blutkreislauf.
Statt zu sterben, wird Lucy stetig leistungsfähiger. Sie spürt keinen Schmerz mehr, beherrscht Sprachen in Minuten, erinnert sich an ihre früheste Kindheit und kann bald Menschen, Maschinen und Materie mit bloßen Gedanken lenken. Weil ihr Körper dabei zu zerfallen droht, jagt sie den übrigen Drogenpaketen hinterher. In Paris hilft ihr der Polizist Pierre Del Rio, während sie Kontakt zu dem Neurowissenschaftler Samuel Norman aufnimmt, der seit Jahren über die ungenutzten Möglichkeiten des Gehirns forscht.
Spoiler: Im Finale nimmt Lucy die gesamte restliche Droge auf und erreicht hundert Prozent. Sie reist durch die Zeit, begegnet dem frühen Vormenschen „Lucy“ und löst sich schließlich aus ihrem Körper. Zurück bleibt ein Speicherstick mit ihrem gesammelten Wissen für Professor Norman.
Dreharbeiten in Paris, Taipeh und New York
Luc Besson, bekannt durch „Léon – Der Profi“ (1994) und „Das fünfte Element“ (1997), schrieb das Drehbuch selbst und führte Regie. Die Dreharbeiten begannen im September 2013 in Bessons Studiokomplex Cité du Cinéma bei Paris. Im Oktober 2013 folgten rund elf Drehtage in Taipeh, unter anderem am Wolkenkratzer Taipei 101, dazu Aufnahmen an den Klippen von Étretat und in New York. Das Budget lag bei etwa 40 Millionen US-Dollar. Den Verleih übernahm in Frankreich EuropaCorp, international Universal Pictures.
Die Grundidee beruht auf der populären Behauptung, der Mensch nutze nur zehn Prozent seines Gehirns. Die Neurowissenschaft hält diese Vorstellung für widerlegt: Bildgebende Verfahren zeigen, dass im Lauf eines Tages praktisch alle Hirnregionen aktiv sind. Die Cambridge-Neuropsychologin Barbara Sahakian betonte anlässlich des Films, der genutzte Anteil lasse sich zwar nicht exakt beziffern, liege aber weit über zehn Prozent. Besson verwendet den Mythos als Erzählmotor, nicht als wissenschaftliche These.
Johansson, Freeman und Bessons Stammteam
Scarlett Johansson trägt den Film fast allein. Ihre Lucy wandelt sich von einer verängstigten jungen Frau zu einem kühlen, beinahe allwissenden Wesen, das kaum noch Gefühle zeigt. Morgan Freeman liefert als Professor Norman in Vorlesungsszenen die Theorie hinter dem Geschehen. Der Südkoreaner Choi Min-sik, bekannt aus „Oldboy“, spielt den brutalen Mr. Jang. Amr Waked ist als Pariser Polizist Pierre Del Rio zu sehen, Pilou Asbæk als Richard und Julian Rhind-Tutt als höflicher britischer Mittelsmann.
Die visuellen Effekte entstanden hauptsächlich bei Industrial Light & Magic; Rodeo FX aus Montreal steuerte unter anderem die Autoverfolgungsjagd durch Paris bei. Die Bilder reichen von Datenströmen, die Lucy wahrnimmt, bis zu einer Reise durch Jahrmillionen Erdgeschichte. Zwischen die Handlung schneidet Besson Naturdokumentarbilder, etwa von Raubtieren auf der Jagd, als ironische Kommentare. Die Kamera führte Thierry Arbogast, die Musik schrieb Éric Serra, beide langjährige Partner Bessons.
Gespaltene Kritik, Rekord im Ausland
Das Echo fiel gemischt aus. Bei Rotten Tomatoes sind rund 67 Prozent der Rezensionen positiv, Metacritic kommt auf 62 von 100 Punkten, das US-Publikum vergab bei CinemaScore nur ein C+. Variety beschrieb den Film als grell und uneben, aber getragen von seiner Unberechenbarkeit. Im Guardian nannte Jordan Hoffman ihn wirr und doch unterhaltsam und sah darin Bessons beste Arbeit seit „Das fünfte Element“. Richard Roeper von der Chicago Sun-Times hielt ihn dagegen für einen der am schönsten fotografierten und zugleich schwächsten Filme des Jahres, und der Hollywood Reporter sah eher einen schlichten Superheldenfilm als kluge Science-Fiction. Im Wiener Standard lobte Bert Rebhandl die Besetzung mit Johansson, fand den Film aber dünn und weit entfernt von seinen Vorbildern Kubrick und Malick.
In Deutschland vergab die Deutsche Film- und Medienbewertung das Prädikat „besonders wertvoll“. Weil am Startwochenende mehr als 1.000 Zuschauer pro Kopie kamen, erhielt Lucy zudem den Branchenpreis Bogey.
In den USA eroberte Lucy mit knapp 44 Millionen Dollar am Startwochenende Platz 1 vor Brett Ratners „Hercules“; laut Vorverkaufsdaten lag er sogar vor Science-Fiction-Titeln wie Neill Blomkamps „Elysium“. Weltweit spielte der Film laut Box Office Mojo rund 469 Millionen US-Dollar ein, mehr als das Zehnfache seines Budgets. Nach der Statistik von Unifrance wurde Lucy im November 2014 mit über 52 Millionen Kinobesuchen außerhalb Frankreichs zum erfolgreichsten französischen Film im Ausland seit Beginn der Zählung 1994 und überholte „96 Hours – Taken 2“.
Wissen ohne Mitgefühl: Die philosophische Ebene
Hinter der Action verhandelt der Film die Frage, was Wissen ohne Mitgefühl bedeutet und wohin Evolution führen könnte. Der Name der Heldin verweist auf das berühmte Australopithecus-Fossil „Lucy“, das 1974 in Äthiopien gefunden wurde. So spannt Besson einen Bogen vom frühen Menschen zu einem Wesen jenseits des Körpers. Je mächtiger Lucy wird, desto weniger menschlich wirkt sie. Ob das als Warnung oder als Verheißung gemeint ist, lässt der Film offen.
Unsere Einschätzung: Lohnt sich Lucy heute noch?
Lucys größte Stärke ist ihre Konsequenz. Besson erzählt in knapp anderthalb Stunden eine Geschichte, die als Gangsterthriller beginnt und als kosmischer Bilderrausch endet, und er verweigert dabei jede Absicherung durch Plausibilität. Das macht den Film angreifbar: Die Prämisse beruht auf einem widerlegten Mythos, Freemans Erklärszenen bremsen das Tempo, und die Nebenfiguren bleiben Funktionsträger. Amr Wakeds Polizist etwa hat kaum mehr zu tun, als Lucy hinterherzufahren.
Johansson gleicht vieles aus. Ihre zunehmend ausdruckslose Lucy wirkt wie eine Fortsetzung ihrer fremden Wesen aus „Her“ und „Under the Skin“ (beide 2013), nur im Gewand eines Actionfilms. Und kaum ein Blockbuster dieser Jahre traute sich ein derart abstraktes Finale. Wer wissenschaftliche Stimmigkeit erwartet, wird sich über den Film ärgern. Wer den Zehn-Prozent-Mythos als Gedankenspiel akzeptiert und Bessons Lust an Überhöhung mag, bekommt 89 Minuten Tempo, eine starke Hauptdarstellerin und einen Schluss, der länger im Kopf bleibt als die Schießereien davor.
Eine Fortsetzung wurde 2015 als in Entwicklung gemeldet, Besson dementierte später jedoch, an einem zweiten Teil zu arbeiten. 2022 kündigten EuropaCorp und Village Roadshow eine Serienadaption an, für die Morgan Freeman im Gespräch war.
Quellen
- Filmstarts: Lucy (Filmdaten, FSK, Kinostart)
- Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW): Lucy
- Box Office Mojo: Lucy (Einspielergebnisse)
- Ozap: Lucy wird größter Auslandserfolg des französischen Kinos
- Filmstarts: Pressespiegel zu Lucy
- Perlentaucher Efeu vom 12. August 2014 (Kritikenrundschau)
- Wikipedia (englisch): Lucy (2014 film)
- kino.de: Lucy 2 – wie stehen die Chancen auf eine Fortsetzung?








