Elysium (2013): Matt Damon im Kampf um die Raumstation der Reichen

Elysium (2013): Matt Damon im Kampf um die Raumstation der Reichen

Elysium ist ein amerikanischer Science-Fiction-Actionfilm von 2013, geschrieben und inszeniert vom Südafrikaner Neill Blomkamp. Nach seinem Überraschungserfolg District 9 (2009) bekam Blomkamp für seinen zweiten Spielfilm ein Budget von rund 115 Millionen US-Dollar und mit Matt Damon und Jodie Foster zwei große Namen. Dazu kommen Sharlto Copley, Alice Braga, Diego Luna, Wagner Moura und William Fichtner. Der Film entwirft eine Zukunft, in der die Reichen die verseuchte Erde verlassen haben und in einer Raumstation im Orbit leben, und übersetzt Fragen von Klassengegensätzen, Migration und Gesundheitsversorgung in ein Actionszenario. Sony brachte Elysium im August 2013 weltweit in die Kinos, in Deutschland am 15. August 2013.

OriginaltitelElysium
ProduktionslandUSA
Jahr2013
RegieNeill Blomkamp
DrehbuchNeill Blomkamp
DarstellerMatt Damon, Jodie Foster, Sharlto Copley, Alice Braga, Diego Luna, Wagner Moura, William Fichtner
Laufzeit109 Minuten
FSKab 16 Jahren
Kinostart Deutschland15. August 2013
GenreScience-Fiction, Action
BewertungenIMDb 6,6/10 · Rotten Tomatoes 64 % · Metacritic 61/100 (Stand: Oktober 2026)
Trailer (YouTube-Kanal: SonyPicturesGermany)

Los Angeles im Jahr 2154: Slum unten, Luxus im Orbit

Im Jahr 2154 ist die Erde übervölkert, verschmutzt und arm. Los Angeles hat sich in eine endlose Barackenstadt verwandelt, in der Roboter Streife fahren, Festnahmen vornehmen und sogar über Strafen entscheiden. Die Wohlhabenden leben auf Elysium, einem riesigen ringförmigen Habitat im Orbit, mit Gärten, Villen und Medizinkapseln, die jede Krankheit in Sekunden heilen. Wer ohne Bürgerstatus dorthin fliegt, wird abgeschossen oder abgeschoben.

Max Da Costa (Matt Damon), ein ehemaliger Autodieb auf Bewährung, arbeitet in einer Fabrik, die Roboter für genau dieses System baut. Nach einem Arbeitsunfall ist er tödlich verstrahlt und hat nur noch wenige Tage zu leben. Seine einzige Chance ist eine Medizinkapsel auf Elysium. Der Schleuser Spider (Wagner Moura) verspricht ihm einen Platz auf einem illegalen Shuttle, verlangt dafür aber einen Coup: Max soll mit einem an den Körper geschraubten Exoskelett den Fabrikchef John Carlyle (William Fichtner) überfallen und Daten aus dessen Kopf stehlen. Was Max dabei erbeutet, interessiert auch die Verteidigungsministerin von Elysium, Delacourt (Jodie Foster), die eigene Machtpläne verfolgt. Sie hetzt den brutalen Söldner Kruger (Sharlto Copley) auf ihn. Zwischen die Fronten gerät Max' Jugendfreundin Frey (Alice Braga), eine Krankenschwester, deren Tochter an Leukämie erkrankt ist.

Mülldeponie in Mexiko-Stadt, Design mit Syd-Mead-Anklängen

Blomkamp drehte ab Juli 2011, im Oktober 2012 folgten Nachdrehs. Die Szenen auf der Erde entstanden auf einer Müllhalde im Bezirk Iztapalapa am Rand von Mexiko-Stadt, die Welt von Elysium in Vancouver und im wohlhabenden Vorort Huixquilucan-Interlomas. Dieser harte Kontrast zwischen echten Elendsvierteln und gepflegten Rasenflächen prägt die Bildsprache stärker als jeder Spezialeffekt. Kameramann Trent Opaloch, schon bei District 9 dabei, filmt die Erde staubig und körnig, Elysium dagegen hell und klar.

Produktionsdesigner Philip Ivey nannte den Zukunftsdesigner Syd Mead, bekannt durch Blade Runner, als wichtigen Einfluss für die Raumstation. Die Exoskelette baute Weta Workshop aus Neuseeland, die visuellen Effekte verantwortete vor allem das kanadische Studio Image Engine. Die Musik komponierte Ryan Amon, aufgenommen mit dem Philharmonia Orchestra in den Abbey Road Studios. Für die Hauptrolle hatte Blomkamp zunächst andere Kandidaten im Blick: Der südafrikanische Musiker Ninja von Die Antwoord lehnte ab, Eminem ebenfalls, Berichten zufolge, weil er in Detroit drehen wollte. Matt Damon trainierte für die Rolle täglich und rasierte sich den Kopf.

Kassenerfolg mit Einschränkungen und Blomkamps Selbstkritik

Elysium startete in den USA am 9. August 2013 auf Platz eins der Kinocharts und spielte weltweit rund 286 Millionen US-Dollar ein. Gemessen an Budget und Marketingkosten blieb der Gewinn überschaubar. Die Kritik fiel freundlich, aber verhalten aus: Bei Rotten Tomatoes liegt die Zustimmung bei 64 Prozent, Metacritic weist 61 von 100 Punkten aus. Viele Rezensenten sahen den Film als Rückschritt gegenüber District 9.

Ben Kenigsberg lobte auf RogerEbert.com die schmutzige Optik und Sharlto Copley als denkwürdig grausamen Schurken, bemängelte aber Logiklöcher und dass der Film Gesundheitsversorgung und Ungleichheit zwar anspreche, aber wenig darüber zu sagen habe. Carsten Baumgardt vergab bei Filmstarts drei von fünf Sternen, lobte das Design der Raumstation und fand Handlung und Figuren schwächer. Florian Koch würdigte in der Münchner Abendzeitung die zugespitzte Sozialkritik und die Rolle von Jodie Foster als kalt kalkulierender Machtpolitikerin, empfand den Showdown aber als überzogen. Bemerkenswert offen äußerte sich Blomkamp selbst: Im Februar 2015 sagte er in einem Interview mit Uproxx, er habe den Film verbockt, weil die Geschichte nicht ausgereift gewesen sei. Die Grundidee hielt er weiterhin für tragfähig.

Starke Bilder, schlichte Allegorie

Mehr als zehn Jahre später wirkt Elysium wie ein Film, dessen Bilder klüger sind als sein Drehbuch. Die Ausgangsidee, Klassengesellschaft als vertikale Ordnung mit Grenzzaun im All, ist einprägsam, und die Drehorte in Mexiko-Stadt verleihen der Dystopie eine Wucht, die reine Studiokulissen nicht erreicht hätten. Auch das Handwerk überzeugt: Das klobige, sichtbar verschraubte Exoskelett und die zerkratzte Technik der Erde wirken greifbar, die Actionszenen sind hart und körperlich.

Erzählerisch dagegen nimmt der Film den einfachsten Weg. Delacourt bleibt eine eindimensionale Gegenspielerin, Frey vor allem Motivation für den Helden, und der zweite Teil verlagert sich ganz auf Verfolgungsjagden und Zweikämpfe. Die politische Allegorie wird dadurch eher plakatiert als durchdacht. Sharlto Copleys überdrehter Kruger ist das Glanzlicht, Matt Damon gibt einen soliden, aber wenig überraschenden Helden. Wer handgemachte Science-Fiction mit sozialem Unterbau mag, kommt auf seine Kosten, wer eine stimmige Gesellschaftsanalyse erwartet, eher nicht. Wer danach Lust auf weitere Genrekino-Experimente mit großer Idee und Actionkörper hat, kann Luc Bessons Lucy (2014) danebenstellen.

Quellen