Der Exorzismus der Emma Evans ist ein englischsprachiger Horrorfilm aus Spanien, den Manuel Carballo 2010 für das Studio Filmax in Szene gesetzt hat. Im Original heißt er schlicht Exorcismus, in Spanien lief er als La posesión de Emma Evans, in den USA als The Possession of Emma Evans. Die Irin Sophie Vavasseur spielt eine Fünfzehnjährige, die sich für besessen hält, Stephen Billington ihren Onkel, einen Priester, und Horror-Veteran Doug Bradley hat einen kurzen Auftritt. Uraufgeführt wurde der Film im Oktober 2010 beim Festival in Sitges, nach Deutschland kam er nicht ins Kino, sondern im März 2012 direkt auf DVD und Blu-ray. Interessant ist er weniger als Neuerfindung des Genres denn als Beispiel dafür, wie konsequent ein kleiner europäischer Genrefilm dem großen Vorbild Der Exorzist folgt.
| Originaltitel | Exorcismus (spanischer Verleihtitel: La posesión de Emma Evans) |
|---|---|
| Produktionsland | Spanien |
| Jahr | 2010 |
| Regie | Manuel Carballo |
| Drehbuch | David Muñoz |
| Darsteller | Sophie Vavasseur, Stephen Billington, Richard Felix, Jo-Anne Stockham, Doug Bradley, Tommy Bastow |
| Laufzeit | 98 Minuten (Festivalangabe Sitges) |
| Kinostart Deutschland | kein Kinostart; DVD und Blu-ray am 30. März 2012 |
| Genre | Horror, Mystery |
| Bewertungen | IMDb 4,9/10 (Stand: Oktober 2026) |
Ein Teenager zwischen Hausunterricht und Heimsuchung
Emma Evans lebt mit Eltern und Bruder in einem Haus in England und wird seit Jahren zu Hause unterrichtet. Sie möchte endlich auf eine normale Schule gehen und mit ihren Freunden Rose und Alex Zeit verbringen. Ihr Vater John hätte nichts dagegen, die Mutter Lucy dagegen hält die Zügel straff. Ein Streit um eine Konzertfahrt nach London eskaliert, kurz darauf bricht Emma mit einem Krampfanfall zusammen. Die Ärzte im Krankenhaus finden keine körperliche Ursache.
Lucy schickt die Tochter zu einem Psychoanalytiker, doch eine Sitzung unter Hypnose nimmt einen verstörenden Verlauf. Emma selbst kommt zu dem Schluss, dass etwas von ihr Besitz ergriffen hat, und verlangt nach einem Exorzismus. Dafür käme ihr Onkel Christopher in Frage, ein katholischer Priester. Ausgerechnet Lucy, die als Einzige mehr über seine Vergangenheit weiß, sträubt sich, denn Christopher war schon einmal an einer Teufelsaustreibung beteiligt, die tödlich endete. Erst als sich die Vorfälle im Haus nicht mehr wegerklären lassen, holt die Familie ihn doch. Was danach geschieht, läuft auf eine Wendung kurz vor dem Finale zu, die hier nicht verraten wird.
Filmax, David Muñoz und ein Drehbeginn im Herbst 2009
Produziert hat Julio Fernández, dessen katalanische Firma Filmax seit Jahren mit Horrorfilmen für den Weltmarkt arbeitet und auch hinter [Rec] steht. Die Dialoge wurden bewusst auf Englisch geschrieben, um den Film leichter in viele Länder verkaufen zu können; die Handlung spielt entsprechend in England. Ursprünglich sollte Luis de la Madrid Regie führen, im September 2009 übernahm Manuel Carballo, der zuvor mit El último justo (2007) debütiert hatte und bei Exorcismus auch den Schnitt verantwortete. Die Dreharbeiten begannen am 5. Oktober 2009 in den Studios von Filmax.
Das Drehbuch stammt von David Muñoz, der gemeinsam mit Guillermo del Toro und Antonio Trashorras an The Devil’s Backbone (El espinazo del diablo) geschrieben hatte. Die Kamera führte Javier Salmones, die Musik komponierte Zacarías M. de la Riva. Formal setzt Carballo stark auf eine unruhige Handkamera, außerdem spielen Videoaufnahmen innerhalb der Handlung eine Rolle, etwa bei der Hypnosesitzung. Dazu kommt eine Erzählweise mit Rückblenden, die das Geschehen nicht strikt chronologisch aufrollt.
Sophie Vavasseur und eine Besetzung mit Genre-Bezug
Sophie Vavasseur, 1992 in Dublin geboren, war als Kind in Evelyn (2002) an der Seite von Pierce Brosnan und in Resident Evil: Apocalypse (2004) zu sehen. Stephen Billington kannte das Genrepublikum ebenfalls aus dem ersten Resident Evil-Film (2002), Richard Felix hatte zuvor in Das Parfum und im spanischen Gruselfilm Frágiles mitgewirkt. Doug Bradley, für Horrorfans untrennbar mit der Rolle des Pinhead aus Hellraiser verbunden, spielt einen weiteren Geistlichen. Seine wenigen Minuten wirken wie ein augenzwinkernder Gruß an das Publikum, das solche Namen im Abspann sucht.
Wie Festival und Presse den Film aufnahmen
Nach der Premiere in Sitges am 13. Oktober 2010 verkaufte Filmax den Film an Verleiher in Großbritannien, Australien, Italien, Brasilien, Portugal und weiteren Ländern. Die Reaktionen blieben verhalten. Der Filmdienst sah einen konventionellen Genrebeitrag mit wenigen Überraschungen, der sich eng an die Regeln des Exorzismus-Films hält. Ähnlich urteilte die US-Seite DVD Talk: Der Film folge in großen Teilen dem Muster von William Friedkins Klassiker, und Emmas Ausbrüche erinnerten stark an Linda Blair. Für Fans des Subgenres biete er dennoch solide Unterhaltung, zum Kaufen reiche es aber nicht.
Das britische Portal Flickering Myth lobte die Ambition und eine gelungene Wendung vor dem Höhepunkt, kritisierte aber hölzerne Nebendarsteller, steife Dialoge und die verwackelte Kamera, die anders als bei [Rec] kaum Spannung erzeuge. Die spanische Filmzeitschrift Decine21 hob die zurückhaltenden Effekte, den wirkungsvollen Ton und die Hauptdarstellerin hervor, hielt das Ende aber für erzwungen und vergab 4 von 10 Punkten.
Unsere Einschätzung: solide Hauptrolle, bekanntes Ritual
Die größte Stärke des Films ist Sophie Vavasseur. Sie spielt Emma nicht als bloße Hülle für Spezialeffekte, sondern als gereizte, eingesperrte Jugendliche, deren Wut auf die Mutter lange glaubwürdiger wirkt als jede übernatürliche Erklärung. Gerade in der ersten Hälfte, wenn offen bleibt, ob Pubertät, Krankheit oder etwas Dunkleres hinter den Anfällen steckt, entsteht eine unangenehme, familiäre Spannung.
Sobald das Ritual beginnt, verliert der Film jedoch an Eigenständigkeit. Erbrechen, Beschimpfungen, verzerrte Stimmen und schwebende Körper hat man in dieser Reihenfolge schon oft gesehen, und die Wendung im letzten Drittel rettet nicht alles, was davor vorhersehbar geworden ist. Wer Exorzismus-Filme sammelt, findet hier eine ordentlich produzierte, ernsthaft gemeinte Variante mit europäischem Kolorit. Wer dagegen etwas Neues sucht, ist mit dem Original von 1973 besser bedient. Thematisch verwandt ist der deutsche Psychohorror Zimmer 205, in dem ebenfalls eine junge Frau an ihrer Wahrnehmung zu zweifeln beginnt.
Quellen
- Sitges Film Festival: Exorcismus (2010)
- Filmdienst: Der Exorzismus der Emma Evans
- Filmstarts: Der Exorzismus der Emma Evans
- OFDb: Der Exorzismus der Emma Evans (2010)
- Espinof: Manuel Carballo dirige el film de terror ‚La posesión de Emma Evans‘
- Decine21: La posesión de Emma Evans
- DVD Talk: Exorcismus (Rezension)
- Flickering Myth: DVD Review – Exorcismus (2010)
- Wikipedia (englisch): Exorcismus








