Die fürchterliche Furcht vor dem Fürchterlichen ist der deutsche Titel der britischen Komödie A Fantastic Fear of Everything aus dem Jahr 2012. Simon Pegg spielt darin Jack, einen Kinderbuchautor, der sich bei Recherchen über viktorianische Serienmörder in eine lähmende Angst vor der Außenwelt hineinsteigert. Regie führte Crispian Mills, bekannt als Sänger der Band Kula Shaker, gemeinsam mit dem Musikvideo-Regisseur Chris Hopewell. Grundlage ist eine Novelle von Bruce Robinson, dem Autor und Regisseur von Withnail und ich. In Großbritannien kam der Film im Juni 2012 über Universal in die Kinos, in Deutschland erschien er ohne Kinoauswertung im Oktober 2012 auf DVD und Blu-ray. Reizvoll ist er als Ein-Mann-Show für Pegg und als sehr britisches Experiment zwischen Slapstick, Gruselstimmung und Trickfilm.
| Originaltitel | A Fantastic Fear of Everything |
|---|---|
| Produktionsland | Großbritannien |
| Jahr | 2012 |
| Regie | Crispian Mills, Co-Regie: Chris Hopewell |
| Drehbuch | Crispian Mills, nach der Novelle „Paranoia in the Launderette“ von Bruce Robinson |
| Darsteller | Simon Pegg, Clare Higgins, Amara Karan, Paul Freeman, Kerry Shale, Sheridan Smith, Alan Drake |
| Laufzeit | 100 Minuten |
| FSK | ab 16 (DVD-Ausgabe von Universal) |
| Kinostart Deutschland | kein Kinostart; DVD und Blu-ray am 4. Oktober 2012 |
| Genre | Komödie, schwarze Komödie |
| Bewertungen | IMDb 5,8/10 · Rotten Tomatoes 34 % · Metacritic 31/100 (Stand: Oktober 2026) |
Ein Kinderbuchautor zwischen Mördern und Waschmaschinen
Jack hat bisher Kinderbücher um einen Igel namens Harold geschrieben. Nun will er ernsthafter schreiben und arbeitet an einem Drehbuch über Mörder des viktorianischen Londons. Die Recherche bekommt ihm schlecht: Er verschanzt sich in seiner Wohnung und ist zunehmend überzeugt, dass ihm jemand nach dem Leben trachtet. Die erste Hälfte des Films spielt fast ausschließlich zwischen diesen vier Wänden, Pegg ist über weite Strecken allein im Bild.
Dann ruft seine Agentin Clair an. Ein Hollywood-Produzent, Harvey Humphries, interessiert sich für Jacks Projekt und will ihn kurzfristig treffen. Jack braucht dafür ein sauberes Hemd, und damit beginnt das eigentliche Problem. Nach gescheiterten Versuchen in Spüle und Backofen bleibt nur der Waschsalon, ein Ort, vor dem er sich seit seiner Kindheit fürchtet. Der zweite Teil verlagert das Geschehen nach draußen und in genau diese Waschküche. Was dort passiert, soll hier nicht verraten werden.
Kula Shaker, Radiohead-Videos und eine Novelle von Bruce Robinson
Crispian Mills, Jahrgang 1973, ist der Sohn der Schauspielerin Hayley Mills und des Regisseurs Roy Boulting. Bekannt wurde er in den Neunzigern als Frontmann von Kula Shaker. Mit A Fantastic Fear of Everything gab er sein Debüt als Spielfilmregisseur und schrieb auch das Drehbuch. Als Co-Regisseur holte er Chris Hopewell dazu, der unter anderem das Video zu Radioheads „There There“ (2003) und Clips für Franz Ferdinand und The Killers gedreht hat. Seine Handschrift ist besonders in einer längeren Stop-Motion-Sequenz um den Igel Harold zu erkennen.
Die Vorlage liefert Bruce Robinsons Novelle Paranoia in the Launderette. Robinson hatte mit Withnail und ich (1987) einen der großen britischen Kultfilme geschrieben und inszeniert; seine Lust an überspannten, sich selbst zerfleischenden Figuren ist auch in Jack wiederzuerkennen. Gedreht wurde ab dem 6. Juli 2011 in den Shepperton Studios. Der Film war das erste Projekt einer Initiative von Pinewood, mit der das Studio britische Produktionen mit kleinem Budget fördern wollte. Produzentin war Geraldine Patten, die Kamera führte Simon Chaudoir, die Musik schrieb Michael Price.
Fischauge und lange Flure: die Bildsprache
Mills und Hopewell übersetzen Jacks Panik in eine überdrehte Optik. Fischaugen-Objektive verzerren die Wohnung, Gänge scheinen sich endlos in die Länge zu ziehen, sodass der Alltag eines Londoner Schriftstellers wie eine Geisterbahnfahrt aussieht. Diese Gestaltung erinnert an Hopewells Arbeiten im Musikvideo, wo eine einzelne visuelle Idee oft wichtiger ist als eine stringente Geschichte.
Verrisse, Wohlwollen und eine kleine US-Auswertung
Die Kritik reagierte überwiegend negativ. Auf Rotten Tomatoes kommt der Film auf 34 Prozent positive Besprechungen bei 32 Kritiken, Metacritic weist einen Durchschnitt von 31 von 100 Punkten aus. Olly Richards lobte im britischen Magazin Empire Peggs Spiel und die starken ersten Szenen, bemängelte aber, dass der Film nach Jacks Aufbruch aus der Wohnung an Schwung verliere und weder eine echte Bedrohung noch ein überzeugendes Ende finde. Brian Eggert von Deep Focus Review gab zwei von fünf Sternen und kritisierte den unentschlossenen Tonfall; die Igel-Animation hielt er allerdings für so gelungen, dass sie auch als eigenständiger Kurzfilm funktionieren würde.
Freundlicher fiel die Rezension von Shelagh Rowan-Legg für ScreenAnarchy aus. Sie sah eine skurrile kleine Perle mit viel Herz und einem starken Hauptdarsteller, fand nur den Erzählerkommentar zu Beginn überflüssig. In den USA kam der Film erst im Februar 2014 über Indomina Releasing in wenige Kinos und wurde vor allem über Video-on-Demand ausgewertet. Mills inszenierte später mit Slaughterhouse Rulez (2018) einen weiteren Film mit Simon Pegg, der ebenfalls gemischte Kritiken erhielt.
Unsere Einschätzung: Peggs Solo trägt länger als die Geschichte
Die beste halbe Stunde liegt am Anfang. Pegg spielt die Paranoia mit vollem Körpereinsatz, und die verzerrten Bilder machen aus einer Mietwohnung ein Spukhaus. Wer Pegg aus Shaun of the Dead kennt, sieht hier eine düsterere, einsamere Version seiner Leinwandfigur.
Das Problem ist die Dramaturgie. Sobald Jack die Wohnung verlässt, häufen sich Einfälle, ohne dass sie zu einer Geschichte zusammenfinden; der Waschsalon-Showdown wirkt eher wie ein angehängter Thriller als wie der Höhepunkt einer Figurenentwicklung. Die Stop-Motion-Episode ist dagegen ein echtes Highlight. Empfehlenswert ist der Film für Pegg-Fans, Liebhaber britischer Exzentrik und alle, die visuelle Experimente einer runden Handlung vorziehen. Wer eine Komödie mit durchgehendem Tempo erwartet, wird ungeduldig werden.
Quellen
- OFDb: Die fürchterliche Furcht vor dem Fürchterlichen (2012)
- Wikipedia: Die fürchterliche Furcht vor dem Fürchterlichen
- Wikipedia (englisch): A Fantastic Fear of Everything
- Moviepilot: Die fürchterliche Furcht vor dem Fürchterlichen
- Empire: A Fantastic Fear of Everything Review
- ScreenAnarchy: Review – A Fantastic Fear of Everything
- Deep Focus Review: A Fantastic Fear of Everything
- Wikipedia (englisch): Crispian Mills
- Wikipedia (englisch): Chris Hopewell


![Video: A Fantastic Fear of Everything - Official Trailer [HD]](../../de/wp-content/uploads/yt/pNBQLpy9cM8.webp)





