Google-Algorithmus-Updates: von Florida bis zu den Core Updates

Google-Algorithmus-Updates: von Florida bis zu den Core Updates

Wenn die Besucherzahlen einbrechen, ist der erste Verdacht fast immer ein Google-Update. Manchmal stimmt das, oft aber auch nicht: Ein vergessenes noindex, ein Tracking-Fehler oder ein neues Element in den Suchergebnissen sehen in der Kurve genauso aus. Dieser Artikel ordnet die großen Updates seit 2003 ein und zeigt, wie man einen Rückgang in der Search Console sauber einem Update zuordnet oder eben nicht.

Die Updates, die SEO verändert haben

Google ändert seine Systeme laufend, bestätigt aber nur einen Bruchteil. Die folgende Auswahl beschränkt sich auf Änderungen, nach denen die Branche ihre Arbeit tatsächlich umstellen musste.

JahrUpdateWas es änderteStatus heute
2003Florida (ab 16. November)Viele Händler- und Affiliate-Seiten verloren kurz vor dem Weihnachtsgeschäft ihre Rankings. Google hat das Ziel nie erklärt, in der Branche gilt es als erster großer Schlag gegen Linkmanipulation und Keyword-Stuffing.Historisch
2011PandaAbwertung dünner, kopierter und minderwertiger Inhalte, und zwar für die ganze Website, nicht nur für einzelne Seiten. Seit August 2011 auch auf Deutsch.Seit 2015 Teil der Kernsysteme
2012Penguin (24. April)Gegen Linkspam: gekaufte Links, Linknetzwerke, überoptimierte AnkertexteSeit 2016 in Echtzeit, Teil der Kernsysteme
2013Hummingbird (August)Grundlegender Umbau der Suche hin zum Verstehen ganzer Suchanfragen statt einzelner WörterLaut Google weiterentwickelt, kein eigenes System mehr
2018–2024Mobile-First-IndexierungGoogle indexiert und bewertet die Smartphone-Version einer Seite. Seiten, die mobil gar nicht erreichbar sind, fliegen seit Juli 2024 aus dem Index.Abgeschlossen
2019BERT (25. Oktober)Sprachmodell für das Verständnis von Suchanfragen. Zum Start betraf es laut Google etwa jede zehnte englischsprachige Suche in den USA.Aktives Rankingsystem
2022Helpful Content Update (ab 25. August)Abwertung von Websites, deren Inhalte vor allem für Suchmaschinen geschrieben sindSeit März 2024 Teil der Kernsysteme
2024Neue Spam-RichtlinienScaled Content Abuse, Site Reputation Abuse und Expired Domain Abuse werden ausdrücklich als Spam eingestuftGilt, Durchsetzung über Spam-Updates und manuelle Maßnahmen

Die Zahlen von damals zeigen, wie groß die Ausschläge waren: Panda veränderte in den meisten Sprachen beim internationalen Start rund 6 bis 9 Prozent der Suchergebnisse deutlich, Penguin betraf auf Deutsch etwa 3 Prozent der Suchanfragen. Das Wichtigste an beiden ist aber ihr Ende als Einzel-Update. Seit sie in die Kernsysteme eingegangen sind, gibt es keinen „Panda-Tag“ mehr, an dem eine Strafe verhängt oder aufgehoben wird. Wer heute noch mit „Penguin-Recovery“ wirbt, verkauft Geschichte.

Google Instant und das Webspam-Team: die Debatten von 2010 bis 2012

Im September 2010 führte Google „Google Instant“ ein: Ergebnisse erschienen schon während der Eingabe. Viele SEOs fürchteten damals das Ende des Longtails, weil Nutzer auf halbem Weg ein vorgeschlagenes Ergebnis anklicken würden. Eingetreten ist das nicht in der befürchteten Form, und im Juli 2017 schaltete Google die Funktion ab, mit der Begründung, dass auf dem Smartphone andere Eingabe- und Bildschirmbedingungen gelten. Geblieben sind die Suchvorschläge (Autocomplete).

Das Webspam-Team war in jener Zeit vor allem mit einem Gesicht verbunden: Matt Cutts erklärte über Jahre Googles Haltung zu Links, Spam und Updates. Er ging 2014 in eine Auszeit und verließ Google Ende 2016 endgültig. Heute laufen offizielle Aussagen über das Search Central Blog, die Dokumentation und das Search Status Dashboard. Für die Praxis ist das ein Gewinn: Start und Ende jedes bestätigten Updates stehen dort mit Datum, statt in Konferenz-Zitaten.

Ein Missverständnis aus jener Zeit hält sich bis heute: Die Menschen, die Google nach den Search Quality Rater Guidelines Suchergebnisse bewerten lässt, stufen keine einzelnen Websites ab. Ihre Bewertungen dienen dazu, Änderungen an den Systemen zu testen. Abwertungen durch Menschen gibt es nur als manuelle Maßnahme, und die steht dann in der Search Console.

Core Updates und Spam-Updates 2024 bis Oktober 2026

Seit 2024 bestätigt Google im Wesentlichen zwei Arten von Updates: Core Updates, die die Bewertung von Qualität und Relevanz breit verschieben, und Spam-Updates, die die automatische Spam-Erkennung verbessern. Die Daten stammen aus dem Search Status Dashboard (Stand 13. Oktober 2026).

JahrCore UpdatesSpam- und sonstige Updates
2024März (5. März bis 19. April), August, November, DezemberSpam: März, Juni, Dezember
2025März, Juni (30. Juni bis 16. Juli), Dezember (11. bis 29. Dezember)Spam: August (26. August bis 21. September)
2026März (27. März bis 8. April), Mai (21. Mai bis 1. Juni)Discover: Februar; Spam: März, Juni, August, September (24. September bis 7. Oktober)

Das März-Update 2024 lief mit rund sechs Wochen ungewöhnlich lange, weil damit das Helpful-Content-System in die Kernsysteme wanderte. Seitdem gibt es keine separaten Helpful Content Updates mehr. Wer 2023 von einem solchen Update getroffen wurde, wartet also nicht mehr auf dessen nächste Runde, sondern auf das nächste Core Update.

Einen Rückgang nach einem Update diagnostizieren

Googles eigene Anleitung zu Core Updates ist hier nüchterner als viele SEO-Blogs. Die Reihenfolge, die sich in der Praxis bewährt:

  1. Im Search Status Dashboard prüfen, ob ein Update lief und ob es abgeschlossen ist. Während des Rollouts schwanken Rankings, Analysen in dieser Phase sind wertlos.
  2. Mindestens eine Woche nach dem Ende des Rollouts warten und im Leistungsbericht der Search Console diese Woche mit der Woche vor dem Start vergleichen.
  3. Den Suchtyp umstellen: Web, Bilder, Video und News getrennt ansehen. Discover hat einen eigenen Bericht und eigene Updates.
  4. Nach Seiten und Suchanfragen filtern. Ein Verlust von zwei, drei Positionen bei einzelnen Begriffen ist normales Rauschen, ein Einbruch ganzer Verzeichnisse ist ein Befund.
  5. Andere Ursachen ausschließen (siehe Tabelle unten), dann erst die Inhalte bewerten.

Wenn es gar kein Update war

SymptomWahrscheinliche UrsacheWo prüfen
Klicks fallen, Impressionen und Positionen bleiben stabilÄnderung der Suchergebnisseite, etwa AI Overviews oder neue ModuleLeistungsbericht, Klickrate nach Suchanfrage
Absturz an einem einzigen Tag, ohne bestätigtes UpdateTechnischer Fehler: noindex, robots.txt, Relaunch ohne WeiterleitungenBericht „Seitenindexierung“, URL-Prüftool
Rückgang nur in Analytics, nicht in der Search ConsoleTracking oder Consent-BannerSearch Console mit Analytics vergleichen
Rückgang zur gleichen Zeit wie im VorjahrSaisonalitätVergleich mit dem Vorjahreszeitraum, Google Trends
Seiten verschwinden komplett aus der SucheManuelle Maßnahme oder SicherheitsproblemBerichte „Manuelle Maßnahmen“ und „Sicherheitsprobleme“

Was nach einem Core Update hilft und was nicht

Ein Beispiel, frei erfunden, aber typisch: Ein Online-Ratgeber für Heimwerker verliert nach einem Core Update 35 Prozent der Klicks. Die Analyse zeigt, dass fast der gesamte Verlust auf 60 Artikel entfällt, die vor drei Jahren schnell für Suchbegriffe geschrieben wurden, ohne eigene Fotos, Messwerte oder Erfahrung. Die 40 Anleitungen mit eigenen Projekten haben kaum verloren. Der sinnvolle Weg ist hier, die schwachen Artikel zusammenzulegen und mit echtem Material neu zu schreiben, nicht, die starken umzubauen.

Google empfiehlt genau das: Inhalte ehrlich anhand der Fragen zu hilfreichen Inhalten prüfen, am besten mit jemandem von außen, und sich die Seiten ansehen, die jetzt vorne stehen. Löschen ist laut Google der letzte Ausweg, kann aber sinnvoll sein, wenn ganze Bereiche nur für Suchmaschinen gebaut wurden.

Was man lassen sollte:

  • Hektische Änderungen während des Rollouts. Man misst danach nicht mehr, was das Update getan hat und was die eigene Änderung.
  • Kosmetik wie neue Veröffentlichungsdaten, Autorenkästen ohne echte Expertise oder umformulierte Überschriften. Das adressiert keine Qualitätsfrage.
  • Disavow-Dateien aus Panik. Seit Penguin in Echtzeit läuft, werden Spamlinks in der Regel einfach ignoriert. Sinnvoll ist Disavow vor allem, wenn eine manuelle Maßnahme wegen unnatürlicher Links vorliegt.
  • Auf schnelle Erholung zu hoffen. Google schreibt, dass die Systeme mehrere Monate brauchen können, um Verbesserungen zu erkennen. Oft zeigt erst das nächste Core Update, ob die Arbeit gewirkt hat.

Wie man Inhalte von Anfang an so plant, dass sie Updates gut überstehen, beschreibt der Leitfaden zur Suchmaschinenoptimierung, und für die Auswahl der Themen hilft die Keyword-Recherche.

Spam-Updates und manuelle Maßnahmen unterscheiden

Ein Spam-Update trifft Websites, die gegen Googles Spam-Richtlinien verstoßen, etwa durch massenhaft erzeugte Seiten ohne eigenen Wert, gekaufte Links, gekaperte abgelaufene Domains oder fremde Inhalte unter dem Dach einer starken Domain. Die Abwertung ist algorithmisch, eine Nachricht gibt es nicht. Sie verschwindet erst, wenn der Verstoß beseitigt ist und die Systeme das über Monate bemerken.

Eine manuelle Maßnahme dagegen steht in der Search Console, mit Grund und betroffenen Bereichen. Hier gibt es einen klaren Weg: Problem beheben, Antrag auf erneute Überprüfung stellen. Für Websites im EWR hat Google ein eigenes Prüfverfahren mit kürzeren Antwortzeiten und ausführlicherer Begründung eingeführt. Wer fremde Inhalte kopiert, landet übrigens schneller in diesen Kategorien als gedacht. Mehr dazu im Artikel über Content-Klau und Scraper-Seiten.

Quellen