Hannas Reise ist eine deutsch-israelische Tragikomödie von Julia von Heinz aus dem Jahr 2013. Karoline Schuch spielt in ihrer ersten Kinohauptrolle eine ehrgeizige Berliner BWL-Studentin, die einen Freiwilligendienst in Israel vor allem als Pluspunkt für ihren Lebenslauf betrachtet. An ihrer Seite stehen der israelische Schauspieler Doron Amit, Max Mauff, Lore Richter, Trystan Pütter, Suzanne von Borsody und die israelische Bühnenschauspielerin Lia Koenig. Das Drehbuch schrieb von Heinz gemeinsam mit John Quester, lose angelehnt an den Roman Das war der gute Teil des Tages von Theresa Bäuerlein. Uraufgeführt wurde der Film im August 2013 beim World Film Festival in Montreal, in Deutschland lief er im Herbst desselben Jahres bei den Hofer Filmtagen und kam am 23. Januar 2014 in die Kinos. Interessant ist er, weil er ein schweres Thema, das Nachwirken der Shoah in der Generation der Enkel, mit leichtem Ton und ohne Belehrung angeht.
| Originaltitel | Hannas Reise |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland, Israel |
| Jahr | 2013 |
| Regie | Julia von Heinz |
| Drehbuch | John Quester, Julia von Heinz; frei nach dem Roman von Theresa Bäuerlein |
| Darsteller | Karoline Schuch, Doron Amit, Max Mauff, Lore Richter, Trystan Pütter, Lia Koenig, Suzanne von Borsody |
| Laufzeit | 100 Minuten |
| FSK | ohne Altersbeschränkung |
| Kinostart Deutschland | 23. Januar 2014 |
| Genre | Tragikomödie, Liebesfilm |
| Bewertungen | IMDb 6,3/10 (Stand: Oktober 2026) |
Eine Karrierestudentin im Behindertendorf in Tel Aviv
Hanna steht kurz vor dem Abschluss ihres Studiums und hat ein Ziel: die Karriere. Um in einem Bewerbungsgespräch mit sozialem Engagement zu punkten, behauptet sie, demnächst in Israel mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten. Ihre Mutter Uta, die in einer Organisation für Freiwilligendienste eine leitende Funktion hat, soll ihr dafür eine Bescheinigung ausstellen. Die Mutter weigert sich, und so landet Hanna tatsächlich für mehrere Monate in Tel Aviv, in einer Wohngemeinschaft mit den beiden anderen Freiwilligen Maja und Carsten, die sie insgeheim belächelt.
In der Einrichtung, in der sie arbeitet, trifft sie auf den Betreuer Itay. Er provoziert die deutsche Besucherin mit sarkastischen Holocaust-Witzen und flirtet zugleich unverhohlen mit ihr. Zu Hannas Pflichten gehören außerdem regelmäßige Besuche bei der Holocaust-Überlebenden Gertraud Nussbaum, die sie zunächst als lästigen Termin abhakt. Aus diesen Begegnungen erfährt Hanna nach und nach mehr über ihre eigene Familie, als ihr lieb ist. Der Film lässt offen, wohin die Beziehung zu Itay führt, und auch Hannas Wandlung bleibt eher ein Anfang als ein Abschluss.
Von „Hanni & Nanni 2“ zu einem persönlicheren Stoff
Julia von Heinz hatte 2007 mit dem Jugenddrama Was am Ende zählt debütiert, das mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde, und zuletzt die Kinderbuchverfilmung Hanni & Nanni 2 inszeniert. Mit Hannas Reise wandte sie sich, wie filmportal.de festhält, bewusst erwachseneren Themen zu: der Frage, welche Verantwortung junge Deutsche tragen, die lange nach dem Holocaust geboren wurden. Der Arbeitstitel lautete Love Israel, ein Wortspiel, das auch als „Love is real“ gelesen werden kann.
Produziert wurde der Film von der Kölner Firma 2 Pilots Filmproduction gemeinsam mit Kings & Queens Filmproduktion aus München, der israelischen Black Sheep aus Tel Aviv sowie dem Bayerischen und dem Westdeutschen Rundfunk. Die Dreharbeiten fanden laut filmportal.de von Anfang Oktober bis Anfang Dezember 2012 statt, vor allem in Tel Aviv und an weiteren Orten in Israel, dazu in Jordanien und München. Hinter der Kamera stand Daniela Knapp, die Musik komponierte Matthias Petsche. Den Verleih übernahm Zorro Film.
Ein deutsch-israelisches Ensemble
Karoline Schuch war vor allem aus dem Fernsehen bekannt, unter anderem aus mehreren Tatort-Folgen. Ihre Hanna ist anfangs bewusst unsympathisch angelegt: forsch, berechnend, mit einer Abwehrhaltung gegen alles, was nach Betroffenheit riecht. Doron Amit gibt Itay als charmanten, aber verletzten Gegenspieler, dessen eigene Pläne durch einen Todesfall in der Familie durchkreuzt wurden. Eine wichtige Nebenrolle hat die 1929 in Łódź geborene Lia Koenig als Gertraud Nussbaum, die Hanna nicht als Mahnmal begegnet, sondern als eigenwillige, humorvolle alte Frau. Suzanne von Borsody spielt Hannas Mutter, deren eigene Vergangenheit als Freiwillige im Laufe des Films eine Rolle spielt.
Zwischen Lob für den Ton und Vorwurf der Oberflächlichkeit
In der deutschen Presse wurde der Film überwiegend freundlich aufgenommen. Kirsten Rießelmann räumte im Spiegel ein, dass ein Israel-Aufenthalt als Läuterungsgeschichte keine originelle Idee sei, lobte aber, wie geschickt und witzig von Heinz die Vorurteile und Projektionen zwischen Deutschen und Israelis auffächere. Julia Teichmann nannte den Film im Filmdienst eine erfrischende Komödie und hob hervor, dass sich die anfangs schablonenhaften Figuren zu vielschichtigen Menschen entwickelten. Martin Schwarz bezeichnete Doron Amit in der Zitty als echte Entdeckung, und das Magazin Cinema würdigte die unaufdringliche Inszenierung und Schuchs Spiel.
Es gab auch Einwände. Cornelia Geissler kritisierte in der Frankfurter Rundschau, der Film öffne zu viele Themen zu schnell, die deutschen Nebenfiguren gerieten zu Karikaturen, und der Film schwanke unentschieden zwischen politischem Drama, Liebesgeschichte und Mutter-Tochter-Konflikt. Die Welt stellte ihre Besprechung unter die Frage, ob man über den Holocaust Witze machen dürfe. In Israel fiel das Echo gespalten aus: Hannah Brown beschrieb den Film in der Jerusalem Post als gelungene Mischung aus Komödie, politischem Kommentar und Liebesfilm, während Uri Klein in Haaretz ihm Tiefgang absprach und ihn mit einem Werbefilm verglich.
Was den Film sehenswert macht und wo er stolpert
Die größte Leistung von Hannas Reise ist der Ton. Der Film verweigert die Pose der Ehrfurcht, mit der deutsche Produktionen dieses Thema oft angehen, und lässt seine israelischen Figuren respektlos, selbstironisch und auch ungerecht sein. Itays Witze sind ein Test, den Hanna anfangs nicht besteht, und das Publikum gleich mit. Dass die Hauptfigur am Ende keine Bekehrung durchläuft, sondern nur ein Stück weit aus ihrer Selbstgewissheit gerissen wird, ist ehrlicher als viele Läuterungsdramen.
Die Schwächen liegen in der Dramaturgie. Die Enthüllungen über Hannas Familie wirken stellenweise eingebaut, damit die Geschichte ihr Gewicht bekommt, und die Berliner Figuren um Hannas Freund Alex sind eher Pointenlieferanten als Menschen. Wer eine romantische Komödie mit Israel-Kulisse erwartet, bekommt mehr Reibung als erwartet; wer ein ernstes Geschichtsdrama sucht, wird den lockeren Ton womöglich als unangemessen empfinden. Für alle dazwischen, gerade für ein jüngeres Publikum, ist der Film ein guter Einstieg in die Frage, was die deutsche Vergangenheit mit der Gegenwart zu tun hat. Als Kontrast lohnt Phoenix von Christian Petzold, der dieselbe Geschichte vom anderen Ende her erzählt, aus dem Berlin des Jahres 1945. Bei den Hofer Filmtagen 2025 war der Film erneut zu sehen, verbunden mit einer Masterclass der Regisseurin. Sie selbst kehrte 2024 mit Treasure – Familie ist ein fremdes Land zu einem verwandten Thema zurück, einer Vater-Tochter-Reise mit Lena Dunham und Stephen Fry nach der Vorlage von Lily Brett.
Quellen
- filmportal.de: Hannas Reise (Credits, Drehzeit, FSK, Uraufführung, Kinostart)
- filmportal.de: Biografie und Filmografie von Julia von Heinz
- Wikipedia: Hannas Reise, mit Kritikenspiegel und Einzelnachweisen
- Cineuropa: Hanna's Journey (Produktion, Förderung, Verleih)
- Internationale Hofer Filmtage 2025: Hannas Reise








