The Broken Circle, im Original The Broken Circle Breakdown, ist ein belgisches Drama von Felix van Groeningen aus dem Jahr 2012, koproduziert mit den Niederlanden. Johan Heldenbergh und Veerle Baetens spielen ein Paar aus Gent, das sich über die Liebe zur amerikanischen Bluegrass-Musik findet und dessen Beziehung an der Krankheit der gemeinsamen Tochter zerbricht. Die Vorlage ist ein Theaterstück, das Heldenbergh zusammen mit Mieke Dobbels geschrieben hatte. Nach dem Kinostart in Belgien im Herbst 2012 gewann der Film im Februar 2013 den Publikumspreis der Panorama-Sektion der Berlinale und kam am 25. April 2013 in die deutschen Kinos. Später wurde er für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert und gewann unter anderem den LUX-Filmpreis des Europäischen Parlaments.
| Originaltitel | The Broken Circle Breakdown |
|---|---|
| Produktionsland | Belgien, Niederlande |
| Jahr | 2012 |
| Regie | Felix van Groeningen |
| Drehbuch | Carl Joos, Felix van Groeningen, nach dem Bühnenstück von Johan Heldenbergh und Mieke Dobbels |
| Darsteller | Veerle Baetens, Johan Heldenbergh, Nell Cattrysse, Geert Van Rampelberg, Nils De Caster |
| Laufzeit | 107 Minuten |
| FSK | ab 12 Jahren |
| Kinostart Deutschland | 25. April 2013 |
| Genre | Drama, Musikfilm |
| Bewertungen | IMDb 7,7/10 · Rotten Tomatoes 83 % · Metacritic 70/100 (Stand: Oktober 2026) |
Didier, Elise und die Tochter Maybelle
Didier spielt Banjo in einer Bluegrass-Band, lebt auf einem ländlichen Anwesen mit Tieren, das an eine Ranch erinnert, und schwärmt für Amerika, das Land von Cowboys, Countrymusik und Freiheit. Er ist Atheist und Rationalist. Elise betreibt ein Tattoostudio, ihr eigener Körper ist dicht tätowiert, und sie trägt ein Kreuz um den Hals. Die beiden verlieben sich schnell und heftig, Elise steigt als Sängerin in die Band ein, und bald ist sie schwanger. Die Tochter Maybelle, deren Name an die Countrysängerin Maybelle Carter erinnert, wächst zwischen Tieren und Bandproben auf.
Als Maybelle sechs Jahre alt ist, erkrankt sie an Leukämie. Der Film setzt mit diesem Einschnitt ein, in einem Krankenhaus in Gent im Jahr 2006, und springt von dort immer wieder zurück zum Kennenlernen, zur Schwangerschaft und zu den glücklichen Jahren und nach vorn in die Zeit danach. Je länger die Krankheit dauert, desto weiter driften die Eltern auseinander: Didier sucht Halt in der Wissenschaft und wütet gegen die Religion und gegen George W. Bush, der die Forschung an embryonalen Stammzellen blockierte. Elise dagegen sucht Trost in Spiritualität und dem Gedanken an Wiedergeburt. Wie es mit dem Paar ausgeht, sollte man selbst sehen.
Vom Bühnenstück zum Film mit Live-Musik
Johan Heldenbergh hatte das Stück mit dem langen Titel The Broken Circle Breakdown featuring the Cover-Ups of Alabama gemeinsam mit Mieke Dobbels für die Bühne entwickelt, mit Live-Bluegrass als festem Bestandteil. Van Groeningen und Co-Autor Carl Joos lösten die Geschichte für das Kino in eine Abfolge von Kapiteln auf, die nicht chronologisch geordnet sind. So stehen das Glück des Anfangs und der Schmerz der Krankheit unmittelbar nebeneinander, und das Publikum weiß oft mehr als die Figuren in der jeweiligen Szene.
Alle Songs in den Bandszenen spielen und singen die Darsteller selbst, Baetens und Heldenbergh inklusive. Bjorn Eriksson schrieb die Originalmusik und arrangierte die traditionellen Stücke. Der Titel spielt auf den Gospel- und Countryklassiker Will the Circle Be Unbroken an, dessen Frage nach einem Wiedersehen nach dem Tod im Film eine bittere Doppelbedeutung bekommt. Gedreht wurde vom 18. Juli bis 8. September 2011 in Belgien, hinter der Kamera stand Ruben Impens, der mit warmen Bildern viel Nähe zu Gesichtern und Händen sucht. Produziert hat Dirk Impens mit seiner Firma Menuet, niederländischer Partner war Topkapi Films.
Für van Groeningen war es der vierte Spielfilm nach De helaasheid der dingen (2009), der in der Quinzaine des Réalisateurs in Cannes gelaufen war. Später drehte er mit Beautiful Boy (2018) seinen ersten englischsprachigen Film und gewann zusammen mit Charlotte Vandermeersch für Le otto montagne 2022 den Preis der Jury in Cannes.
Von der Berlinale bis zur Oscar-Nominierung
Bei der Berlinale 2013 stimmten die Zuschauer der Panorama-Sektion für The Broken Circle, zusätzlich erhielt der Film dort das Label Europa Cinemas. Beim Tribeca Film Festival in New York gewannen Veerle Baetens den Preis als beste Darstellerin sowie Carl Joos und Felix van Groeningen den Drehbuchpreis. Es folgten der Europäische Filmpreis für Baetens als beste Darstellerin, der LUX-Preis 2013 und der César als bester ausländischer Film. Bei der Oscarverleihung 2014 war der Film als belgischer Beitrag unter den fünf Nominierten für den besten fremdsprachigen Film.
Die Kritik war überwiegend begeistert, mit Einwänden im Detail. David Rooney beschrieb den Film im Hollywood Reporter als emotionale Achterbahnfahrt. Cristina Nord bemängelte in der taz, dass das flämische Landleben im Westernstil eher Kulisse als gelebte Welt sei, lobte aber die Energie der Konzertszenen, und sie hielt die Zuspitzung in der zweiten Hälfte für mechanisch. Mehrere deutsche Rezensenten stießen sich zudem an Didiers Wutrede über die Stammzellpolitik, die den Film für einen Moment zum Thesenstück macht.
Warum der Film trotz seiner Härte nicht erdrückt
Filme über ein sterbendes Kind laufen schnell Gefahr, das Publikum emotional zu erpressen. The Broken Circle entgeht dem weitgehend durch seine Form. Die Zeitsprünge verhindern, dass sich das Leid linear aufstaut, und die Musik ist nicht Untermalung, sondern Handlung: Auf der Bühne finden Didier und Elise immer wieder zueinander, auch wenn sie sich im Alltag nichts mehr zu sagen haben. Veerle Baetens trägt den Film mit einer Mischung aus Härte und Verletzlichkeit, Heldenbergh gibt dem sturen Didier genug Wärme, damit seine Ausbrüche nachvollziehbar bleiben, und Nell Cattrysse spielt die Tochter bemerkenswert unverstellt.
Schwächer wird der Film, wo er Positionen gegeneinanderstellt, Vernunft gegen Glaube, Amerika als Traum gegen Amerika als Enttäuschung. Hier spürt man die Herkunft vom Theater, und das letzte Drittel häuft Schicksalsschläge an, statt sie zu verarbeiten. Wer bereit ist, sich auf knapp zwei Stunden großer Gefühle einzulassen, und Bluegrass zumindest nicht verabscheut, erlebt eines der eindringlichsten europäischen Liebesdramen der 2010er Jahre. Für Eltern, die selbst einen Verlust erlebt haben, kann er sehr schwer zu ertragen sein. Wer danach ein stilleres Drama aus dem niederländischsprachigen Raum sucht, findet es in Oben ist es still von Nanouk Leopold.
Quellen
- Berlinale 2013: The Broken Circle Breakdown (Panorama)
- DH Les Sports+: Publikumspreis der Berlinale für den belgischen Film
- Cineuropa: The Broken Circle Breakdown (Produktion, Starttermine)
- kinofenster.de: Filmheft The Broken Circle
- kino.de: The Broken Circle (Kinostart, FSK)
- Wikipedia (englisch): The Broken Circle Breakdown
- Wikipedia (deutsch): The Broken Circle
- FIPRESCI: Will the Circle Be Unbroken (Stephen Locke)
- taz: Kritik von Cristina Nord
- Wikipedia (englisch): Felix van Groeningen








