In Search of Oil and Sand (2012): Der verlorene Film der Royals

In Search of Oil and Sand (2012): Der verlorene Film der Royals

In Search of Oil and Sand ist ein ägyptischer Dokumentarfilm von Wael Omar und Philippe Dib aus dem Jahr 2012. Er erzählt eine Geschichte, die fast zu gut klingt, um wahr zu sein: Im Frühjahr 1952 begannen Mitglieder der ägyptischen Königsfamilie und ihres Umfelds, als privates Projekt einen eigenen Spielfilm zu drehen. Er handelte von einem König, der von seinem eigenen Militär gestürzt wird. Kurz darauf, im Juli 1952, wurde König Faruq tatsächlich abgesetzt. Der historische Laienfilm „Oil and Sand“ ging verloren, erhalten blieben nur Aufnahmen von den Dreharbeiten. Mit ihnen begibt sich der Historiker Mahmoud Sabit auf Spurensuche. Die knapp einstündige Dokumentation lief im Oktober 2012 beim Abu Dhabi Film Festival und gewann dort einen Regiepreis. In Deutschland war sie 2013 beim Filmfest Hamburg zu sehen, einen regulären Kinostart gab es nicht.

OriginaltitelIn Search of Oil and Sand
ProduktionslandÄgypten
Jahr2012
RegieWael Omar, Philippe Dib
DrehbuchRasha El Gammal
DarstellerMahmoud Sabit, Prinzessin Nevine Abbas Halim (als Zeitzeugen)
Laufzeit58 Minuten
GenreDokumentarfilm
BewertungenIMDb 7,6/10 (Stand: Oktober 2026)
Trailer (YouTube-Kanal: MAD Solutions)

Ein Königsfilm, den die Geschichte überholte

Der Ausgangspunkt ist eine Familiengeschichte. Mahmoud Sabit, Sohn eines Cousins von König Faruq, wuchs in einer Villa im Kairoer Viertel Garden City auf. Dort lagerten jahrzehntelang Filmrollen in einem Überseekoffer auf dem Dachboden. Anfang der 1970er Jahre wurden sie einmal vorgeführt, dann wegen ihres empfindlichen Zustands wieder weggepackt. Erst rund 30 Jahre später kamen sie erneut zum Vorschein, als Sabit den Filmemachern davon erzählte.

Auf den Rollen ist nicht der eigentliche Film zu sehen, sondern eine Art Making-of, das mit einer zweiten Kamera aufgenommen wurde. Das Projekt „Oil and Sand“ war ein aufwendiges historisches Drama. Die Idee zum Drehbuch ging auf Sabits Vater Adel Sabit zurück, einen Diplomaten bei der Arabischen Liga. Im Zentrum stand ein Herrscher, der inmitten eines Machtkampfs ausländischer Mächte von seinen eigenen Offizieren abgesetzt wird. Die Rollen übernahmen Angehörige der Königsfamilie, Aristokraten und Botschaftspersonal. Treibende Kraft war Bulent Raouf, der Ehemann von Prinzessin Faiza, einer Schwester des Königs.

Gedreht wurde ab dem Frühjahr 1952, zunächst bei den Pyramiden von Sakkara südlich von Kairo, später in den Ballsälen des Zohreya-Palasts, wo Faiza und Raouf lebten. Fertig wurde der Film nie. Im Juli 1952 stürzten die Freien Offiziere den König, Faruq ging ins Exil. Raouf soll die Originalrollen anschließend verbrannt haben, aus Sorge, das neue Regime könne sie zu Propagandazwecken nutzen.

Mahmoud Sabit und die letzte Zeitzeugin

Wael Omar, der den Film auch produzierte, und Philippe Dib begleiten Sabit bei der Rekonstruktion. Er trägt seit Jahren Dokumente, Tagebücher und Fotos zusammen, lässt das fragile Material restaurieren und versucht, die Entstehung des verlorenen Films zu rekonstruieren. Eine zentrale Gesprächspartnerin ist Prinzessin Nevine Abbas Halim, zum Zeitpunkt der Dreharbeiten etwa 80 Jahre alt und die letzte Überlebende des damaligen Ensembles.

Dazu kommt die Geschichte der Familie Sabit selbst. Adel Sabit wurde nach der Revolution beschuldigt, mit Frankreich gegen die neue Führung konspiriert zu haben, die Familie verließ Ägypten und lebte eine Zeit lang in Bonn. Mahmoud Sabit kam erst einige Jahre nach dem Umsturz zur Welt und lebt bis heute in der Villa, in der die Filmrollen lagerten.

Entstanden im Schatten der Revolution von 2011

Die Arbeit an der Dokumentation wurde durch die ägyptische Revolution von 2011 unterbrochen. Nach Angaben der Filmemacher machte gerade dieser Umbruch das Projekt dringlicher: Ein Film über das Ende einer Herrschaft und über die Frage, wer Geschichte schreibt, bekam vor dem Hintergrund des Tahrir-Platzes neue Bedeutung. Erklärtes Ziel war es, die offizielle Erzählung über die Königsfamilie und die Revolution von 1952 zu hinterfragen.

Produziert wurde der Film von Middle West Films und Sarakene Ltd. Hinter der Kamera stand David Golia, die Musik schrieb Omar Fadel, geschnitten haben Omar Khodeir und Wael Omar. Den Weltvertrieb übernahm laut Filmfest Hamburg PBS International.

Preis in Abu Dhabi, Festivaltour bis Hamburg

Die Weltpremiere fand im Oktober 2012 beim Abu Dhabi Film Festival statt. Wael Omar und Philippe Dib erhielten dort den Black Pearl Award als beste Regisseure aus der arabischen Welt im Dokumentarfilmwettbewerb. 2013 folgten weitere Festivals, darunter CinemAfrica in Stockholm, das Twin Cities Arab Film Festival in Minnesota, das DokuFest im kosovarischen Prizren mit einem Schwerpunkt zur arabischen Welt sowie das Filmfest Hamburg in der Reihe Agenda 13. In Kairo zeigte das Niederländisch-Flämische Institut den Film mehrfach mit anschließenden Gesprächen.

Das britische Branchenblatt Screen International nannte den Film unterhaltsam und fesselnd, lobte den Einblick in die Kairoer Oberschicht kurz vor dem Putsch und sah ihn als historische Recherche ebenso wie als politische Analyse gelungen. Wegen seiner Länge hielt die Kritik ihn für besonders geeignet für das Fernsehen.

Was die Spurensuche sehenswert macht

Die Stärke von In Search of Oil and Sand liegt in seiner Prämisse. Eine Elite, die sich in Kostümen selbst als bedrohte Herrscher inszeniert, während draußen der eigene Sturz vorbereitet wird: Das ist eine Ironie der Geschichte, die kaum Kommentar braucht. Die erhaltenen Aufnahmen dokumentieren eine Welt, die wenige Wochen später verschwunden war, und bieten einen seltenen Blick in das Umfeld des ägyptischen Hofes.

Zugleich ist der Film nah an seinem Protagonisten. Sabit ist Historiker und Familienmitglied zugleich, und die Dokumentation übernimmt erkennbar seine Perspektive auf die Monarchie. Wer eine ausgewogene Darstellung der Revolution von 1952 sucht, sollte andere Quellen hinzuziehen. Für alle, die sich für die Geschichte Ägyptens, für verlorene Filme oder für das Verhältnis von Bildern und Macht interessieren, ist diese knappe Stunde dennoch ein lohnender Fund.

Quellen