So was von da ist die Verfilmung des gleichnamigen Debütromans von Tino Hanekamp, inszeniert von Jakob Lass, der zuvor mit „Love Steaks“ und „Tiger Girl“ für improvisiertes deutsches Kino stand. Die Tragikomödie spielt in einer einzigen Silvesternacht auf St. Pauli: Clubbetreiber Oskar Wrobel feiert eine letzte Party, bevor sein Laden schließen muss. Niklas Bruhn spielt die Hauptrolle, daneben sind Mathias Bloech, Tinka Fürst, Martina Schöne-Radunski, David Schütter, Corinna Harfouch und Bela B. Felsenheimer zu sehen. Der Film hatte am 1. Juli 2018 beim Filmfest München Weltpremiere und kam am 16. August 2018 über DCM in die deutschen Kinos. Das Besondere: Die Handlung ist erfunden, die Party, auf der gedreht wurde, war echt.
| Originaltitel | So was von da |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Jahr | 2018 |
| Regie | Jakob Lass |
| Drehbuch | Jakob Lass, Hannah Schopf, nach dem Roman von Tino Hanekamp |
| Darsteller | Niklas Bruhn, Mathias Bloech, Tinka Fürst, Martina Schöne-Radunski, David Schütter, Corinna Harfouch, Bela B. Felsenheimer, Lana Cooper |
| Laufzeit | 91 Minuten |
| FSK | ab 16 Jahren |
| Kinostart Deutschland | 16. August 2018 |
| Genre | Tragikomödie, Musikfilm |
| Bewertungen | IMDb 5,4/10 (Stand: Oktober 2026) |
Silvester auf St. Pauli: Oskars letzte Party
Oskar Wrobel betreibt einen Musikclub am Ende der Reeperbahn, untergebracht in einem alten Krankenhausgebäude. Am Silvesterabend ist Schluss: Das Haus soll abgerissen werden, der Club ist pleite, und Oskar hat Schulden bei Leuten, die keinen Aufschub gewähren. Statt still abzuschließen, lädt er zu einer letzten großen Nacht ein.
Im Lauf der Party stolpert Oskar von einer Begegnung in die nächste. Sein bester Freund Rocky ist dabei, ebenso seine Ex-Freundin Mathilda, über die er nicht hinwegkommt. Ein aufgebrachter ehemaliger Zuhälter, Kiez-Kalle genannt, will sein Geld. Die Hamburger Innensenatorin, gespielt von Corinna Harfouch, taucht ebenso auf wie ein toter Elvis, den Bela B. von den Ärzten verkörpert. Dazwischen laufen kleinere Geschichten über Freundschaft, Ruhm und das Gefühl, dass eine Lebensphase zu Ende geht. Eine klassische Dramaturgie mit Spannungsbogen sucht man vergeblich: Der Film folgt dem Rhythmus der Nacht.
Vom Popliteratur-Roman zum improvisierten Partyfilm
Tino Hanekamp, Jahrgang 1979, kennt das Milieu aus eigener Erfahrung. Er arbeitete als Musikjournalist und war selbst Clubbetreiber in Hamburg: Nach dem Aus der Weltbühne gründete er den Club Uebel & Gefährlich mit. Sein Roman „So was von da“ erschien 2011 bei Kiepenheuer & Witsch und brachte ihm 2012 den Förderpreis Komische Literatur ein. Die Kritik war geteilt: In der taz lobte Julian Weber das Buch als gelungene Popliteratur mit Tempo, in der Süddeutschen Zeitung blieb Florian Kessler deutlich zurückhaltender.
Jakob Lass, geboren 1981, studierte Regie an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Für „Love Steaks“ erhielt er 2014 unter anderem den Max-Ophüls-Preis, „Tiger Girl“ folgte 2017. Seine Methode beruht auf einem stark reduzierten Drehbuch, aus dem die Darstellerinnen und Darsteller vor der Kamera spontan Szenen entwickeln. So was von da war seine erste Romanverfilmung nach diesem Prinzip. Das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit Hannah Schopf.
Gedreht wurde laut filmportal.de vom 17. Oktober bis 9. Dezember 2016 in Hamburg. Statt Komparsen gab es echte Partygäste, die tanzten und feierten, während die Schauspieler sich unter sie mischten und ihre Szenen improvisierten. Kameramann Timon Schäppi arbeitete im Breitbildformat mit beweglicher Handkamera, Gesa Jäger montierte das Material, die Musik verantwortet Greatest Kidz. Produziert hat C-Films aus Hamburg in Koproduktion mit DCM und Tatami Film, gefördert von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und nordmedia.
Zwischen Coolness-Lob und Katerstimmung
Die Reaktionen gingen weit auseinander. Pia Reiser vom österreichischen Sender FM4 sah in dem Film eine Lektion in Sachen Coolness für das deutsche Kino. Das Schweizer Portal OutNow vergab dreieinhalb von fünf Sternen, hob die echten Partygäste als prägendes Merkmal hervor und lobte das Ensemble, besonders Bela B. als Elvis. Zugleich bemerkte die Kritik, dass tiefere Dialoge rar seien und das Gedränge manchmal das Bild verstopfe. Bei KinoCritics lobte die Rezensentin die Authentizität, die Improvisation, Schnitt und Ton erzeugen, fand Oskars Erzählerstimme aber stellenweise schlicht.
Deutlich kritischer urteilte Alexandra Seitz in epd Film. Wackelige Weitwinkelbilder, Split-Screen und Jump Cuts erzeugten ihrer Ansicht nach eher Unordnung als Dringlichkeit, die prominenten Gastauftritte wirkten wie Fremdkörper, und am Ende springe kein Funke über. Ron Jäger von BEnow beschrieb den Film als laute Stimmungsaufnahme, die nicht reflektiere, sondern aufzeichne.
Für wen sich die Nacht im Club lohnt
So was von da ist weniger eine Erzählung als ein Zustand. Wer selbst einmal das Ende eines Lieblingsclubs miterlebt hat, wird die Mischung aus Euphorie, Erschöpfung und Wehmut wiedererkennen. In den besten Momenten fängt der Film genau das ein: das Gefühl, dass eine Nacht gleichzeitig ein Fest und ein Abschied ist. Niklas Bruhn trägt den Film mit einer Mischung aus Lässigkeit und Verlorenheit, die gut zur Figur passt.
Der Preis für diese Unmittelbarkeit ist hoch. Die Nebenfiguren bleiben skizzenhaft, die Gastauftritte von Harfouch und Bela B. wirken wie Pointen aus einem anderen Film, und das Thema, das Hanekamp im Roman mitführt, nämlich die Verdrängung von Freiräumen in einer teurer werdenden Stadt, geht im Lärm weitgehend unter. Wer klassisches Erzählkino erwartet, wird ungeduldig. Wer sich auf 91 Minuten Clubnacht einlassen will und Lass' frühere Filme mochte, findet hier ein eigenwilliges, energiegeladenes Experiment, das im deutschen Kino ziemlich allein dasteht.
Quellen
- filmportal.de: So was von da (Credits, FSK, Drehzeit, Premiere)
- Filmfest München 2018: So was von da
- epd Film: Kritik von Alexandra Seitz
- OutNow: Filmkritik
- KinoCritics: So was von da
- Wikipedia: So was von da (Film)
- Perlentaucher: Tino Hanekamp, So was von da (Roman)
- MOIN Filmförderung: Hanekamp und Lass zur Hamburger Clubszene
- Wikipedia: Jakob Lass








