SEIN – gesund, bewusst, lebendig ist ein deutscher Dokumentarfilm von Bernhard Koch, der am 6. August 2020 in die Kinos kam. Koch begleitet fünf Menschen, die mit teils schweren Erkrankungen leben und ihren Alltag grundlegend umgestellt haben: mit Yoga, Wildkräutern, veganer Ernährung, Sport und Meditation. Ergänzt werden ihre Geschichten durch Gespräche mit Ärzten und Fachleuten aus Naturheilkunde, Fastenmedizin und Mind-Body-Medizin. Die Weltpremiere fand am 2. August 2020 im Hamburger Zeise-Kino statt. Der Film versteht sich nicht als Gegenentwurf zur Schulmedizin, sondern fragt, was Menschen selbst zu ihrem Wohlbefinden beitragen können.
| Originaltitel | SEIN – gesund, bewusst, lebendig |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Jahr | 2019/2020 |
| Regie | Bernhard Koch |
| Drehbuch | Bernhard Koch, Käte Schaeffer |
| Darsteller | Mitwirkende: Ranja, Stephan, Mona, Dominique, Chris; Andreas Michalsen, Tobias Esch, Françoise Wilhelmi de Toledo, Elke Jäger, Patrick Broome u. a. |
| Laufzeit | 106 Minuten |
| FSK | ohne Altersbeschränkung |
| Kinostart Deutschland | 6. August 2020 |
| Genre | Dokumentarfilm |
Anliegen und Entstehung des Films
Im Kern kreist der Film um die Frage, was ein gutes Leben ausmacht. Koch und seine Ko-Autorin Käte Schaeffer interessieren sich für Menschen, die nach einer Diagnose nicht nur auf Behandlung warten, sondern Verantwortung für ihren Körper übernehmen wollen. Jede Hauptfigur geht einen eigenen Weg, und keiner davon wird zum Königsweg erklärt. In einem Interview, das die Fastenklinik Buchinger Wilhelmi veröffentlicht hat, beschreibt Koch die Arbeitsweise: Zuerst standen Themen wie Ernährung, Yoga und Meditation fest, dann suchte das Team Fachleute, und erst über Recherche und erste Drehs fand es die Protagonisten.
Thematisch knüpft Koch an seinen Film „Stopping – Wie man die Welt anhält“ (2015) an, der sich mit Meditation beschäftigte. Produziert hat die Reutlinger Firma Schwarzer Panther Film, gefördert wurde das Projekt von der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg. Koch führte Regie und übernahm den Schnitt, hinter der Kamera stand Hubert Märkl. Den Verleih übernahm Spuren Pfade Filme aus Tübingen. Zum Start stellte Koch den Film im August 2020 bei rund 20 Vorführungen persönlich vor, unter anderem in Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt, Stuttgart und München.
Fünf Protagonisten und ihre Wege
Im Mittelpunkt stehen fünf Menschen, die mit Vornamen vorgestellt werden. Die Angaben zu ihren Erkrankungen folgen den Begleitmaterialien zum Film:
- Ranja erkrankte an einem Darmtumor und hat für sich das Yoga entdeckt.
- Stephan lebt mit Arthritis und beschäftigt sich intensiv mit Heil- und Wildkräutern.
- Mona hat eine starke Schuppenflechte und setzt auf vegane Ernährung.
- Dominique ist an Krebs erkrankt und sucht Halt in Sport und Bewegung.
- Chris leidet nach einem Autounfall unter Ischiasschmerzen und hat in Achtsamkeit und Meditation einen neuen Umgang damit gefunden.
Die Protagonisten berichten, wie sich ihr Befinden durch die Umstellung verändert hat. Mona etwa schildert, dass ihr die pflanzliche Ernährung Linderung verschafft habe, Stephan berichtet, dass ihm Wildkräuter neue Freude am Essen gebracht hätten und er sich besser fühle. Wie film-rezensionen.de hervorhob, macht der Film dabei auch die Grenzen solcher Selbstbeobachtung sichtbar: Eine an Krebs erkrankte Protagonistin räumt ein, nicht sagen zu können, wie viel ihres stabilen Zustands auf die Chemotherapie und wie viel auf die Bewegung zurückgeht.
Ärzte und Fachleute im Film
Die fachliche Einordnung liefern unter anderem der Berliner Naturheilkundler Andreas Michalsen, der Mind-Body-Mediziner Tobias Esch von der Universität Witten/Herdecke, die Fastenärztin Françoise Wilhelmi de Toledo, die sich mit der Wirkung des Fastens auf den Stoffwechsel befasst, die Onkologin Elke Jäger, die sich für Bewegung in der Krebstherapie einsetzt, und der Münchner Yogalehrer Patrick Broome. Sie vertreten Ansätze einer integrativen Medizin, die Methoden wie Fasten, Bewegung oder Meditation ergänzend zur ärztlichen Behandlung sehen. Dazu kommen Stimmen aus Ernährung, Psychologie und Religion.
Wichtig für die Einordnung: Was die Fachleute im Film über Ernährung, Fasten oder Achtsamkeit sagen, sind Positionen der Interviewten, keine im Film überprüften Ergebnisse. Die Protagonisten wiederum schildern persönliche Erfahrungen. Ob eine Methode bei einer bestimmten Erkrankung wirkt, lässt sich daraus nicht ableiten, und der Film behauptet das auch nicht ausdrücklich.
Ruhige Bilder und Musik von The Hans
Koch erzählt ruhig und ohne erhobenen Zeigefinger. Die fünf Geschichten wechseln sich ab, dazwischen kommen die Fachleute zu Wort. Viele Szenen spielen draußen, Landschaftsbilder geben dem Film Raum zum Atmen. Achtsamkeit ist das verbindende Motiv: Ob beim Yoga, beim Essen oder in der Meditation geht es darum, Signale des eigenen Körpers wahrzunehmen und Gewohnheiten zu hinterfragen. Auch die Klangschalentherapie taucht als eine der Methoden auf.
Die Filmmusik stammt von der Band The Hans. Sie begleitet die Bilder zurückhaltend und trägt zum gelassenen Grundton bei. Wer Kochs Interesse an Stille und Innehalten teilt, findet ein verwandtes Thema in der Kloster-Dokumentation Zen for Nothing, die Meditation ebenfalls als Alltagspraxis zeigt.
Kinostart in der Pandemie und Echo der Kritik
Der Film startete mitten in der Corona-Pandemie, als viele Kinos nur eingeschränkt spielen durften. Laut filmportal.de, das sich auf Zahlen der Filmförderungsanstalt stützt, sahen ihn bis September 2020 knapp 5.900 Menschen im Kino. Für einen kleinen Dokumentarfilm unter diesen Bedingungen ist das ein achtbares Ergebnis.
Die Fachkritik reagierte wohlwollend. Wolfgang Hamdorf lobte im Filmdienst den breiten Überblick über Wege der Heilung und Selbstheilung und betonte, dass der Film weder missioniert noch einfache Rezepte ausgibt. Der Filmdienst stufte ihn als „diskussionswert“ ein und warf die Frage auf, ob solche Ansätze auch jenseits wohlhabender, abgesicherter Lebensumstände tragen. Oliver Armknecht schrieb bei film-rezensionen.de, der Film sei keine Absage an die westliche Medizin, rege aber auch Gesunde zum Nachdenken über die eigene Lebensweise an. Manche Ansätze dürften auf Teile des Publikums esoterisch wirken, merkte er an.
Einschätzung: Mutmacher ohne Heilsversprechen
Die Stärke von „SEIN“ liegt in seiner Zurückhaltung. Koch stellt Menschen vor, die nach einer Diagnose aktiv geworden sind, und lässt sie erzählen, ohne daraus ein Programm zu machen. Der respektvolle Ton gegenüber der Medizin unterscheidet den Film wohltuend von Gesundheitsdokus, die Wundermittel versprechen.
Die Schwäche ist die Kehrseite derselben Haltung. Der Film sammelt Erfahrungen, prüft sie aber nicht. Einzelfälle zeigen, was diesen Menschen nach eigenem Empfinden geholfen hat; sie sind keine Studie, und wer bei einer ernsten Erkrankung über Fasten oder Ernährungsumstellung nachdenkt, sollte das mit Ärztinnen und Ärzten besprechen. Mit 106 Minuten verlangt der gemächliche Wechsel zwischen fünf Porträts und vielen Interviews außerdem Geduld.
Geeignet ist „SEIN“ für Zuschauer, die Anregungen für einen bewussteren Alltag suchen und mit persönlichen Erfahrungsberichten etwas anfangen können. Wer harte Belege für die Wirksamkeit einzelner Methoden erwartet, wird hier nicht fündig.
Quellen
- filmportal.de: SEIN – gesund, bewusst, lebendig
- Filmdienst: Kritik zu SEIN – gesund, bewusst, lebendig
- film-rezensionen.de: Sein – gesund, bewusst, lebendig
- MFG Filmförderung Baden-Württemberg: Kinostart und Kinotour
- Buchinger Wilhelmi: Kinofilm SEIN mit Protagonisten und Experten
- filmportal.de: Bernhard Koch








