Alles ist eins. Außer der 0. ist ein deutscher Dokumentarfilm über die Anfänge des Chaos Computer Clubs (CCC) und seinen Mitgründer Wau Holland. Regie führten Klaus Maeck und Tanja Schwerdorf, die Musik stammt von Alexander Hacke, Bassist der Einstürzenden Neubauten. Der Film entstand 2019/2020 als Koproduktion von Maecks Hamburger Firma Interzone Pictures mit dem NDR und feierte am 4. Oktober 2020 beim Film Festival Cologne Premiere. Wegen der Pandemie verschob sich der Kinostart mehrfach. Neue Visionen brachte den Film schließlich am 29. Juli 2021 in die deutschen Kinos, auf den Tag genau 20 Jahre nach Hollands Tod und im 40. Jahr des Clubs.
| Originaltitel | Alles ist eins. Außer der 0. |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Jahr | 2019/2020 |
| Regie | Klaus Maeck, Tanja Schwerdorf |
| Drehbuch | Klaus Maeck, Tanja Schwerdorf (Konzept) |
| Darsteller | Wau Holland, Steffen Wernéry, Peter Glaser, Andy Müller-Maguhn, Linus Neumann (als sie selbst, teils in Archivaufnahmen) |
| Laufzeit | 93 Minuten |
| FSK | ab 6 Jahren |
| Kinostart Deutschland | 29. Juli 2021 |
| Genre | Dokumentarfilm |
| Bewertungen | IMDb 7,1/10 (Stand: Oktober 2026) |
Worum es geht: Wau Holland und die Anfänge des CCC ab 1981
Der Film setzt Anfang der Achtziger ein, als sich um Wau Holland eine Handvoll Computerbegeisterter zusammenfand, aus der 1981 der Chaos Computer Club wurde. Er ordnet die Gründung in die Stimmung jener Jahre ein, zwischen Kaltem Krieg, Punk und alternativer Szene, und zeigt, wie viel die frühen Hacker mit der Gegenkultur gemeinsam hatten: Misstrauen gegenüber Großinstitutionen, Lust am Selbermachen und die Idee, dass Information frei fließen soll.
Gebaut ist der Film fast vollständig aus Archivmaterial: private Aufnahmen früher Clubmitglieder, Fernsehbeiträge aus den Senderarchiven und Super-8- und Videobilder, die Maeck selbst in den Achtzigern gedreht hatte. Der Autor Peter Glaser, ein Weggefährte aus der Anfangszeit, führt als Erzähler durch die Collage. Den Soundtrack prägen neben Hackes Score Stücke von Abwärts, den Goldenen Zitronen und den Einstürzenden Neubauten, was die Nähe von Hacker- und Punkkultur auch akustisch spürbar macht.
Hollands Weg reicht dabei vom Bastler im Hinterzimmer bis zum Medienstar, vom subversiven Hacker zum Verteidiger der Demokratie. Aus der Rückschau stellt sich die Frage, was aus den Idealen von damals geworden ist, in einer Zeit, in der Konzerne und Staaten Daten in nie gekanntem Umfang sammeln.
Wie Klaus Maeck und Tanja Schwerdorf den Film machten
Klaus Maeck, 1954 in Hamburg geboren, betrieb Ende der Siebziger den ersten Punk-Plattenladen der Stadt. 1984 schrieb er die Vorlage für den Kultfilm Decoder mit und produzierte ihn, später managte er über seinen Musikverlag Freibank die Einstürzenden Neubauten und war Mitgründer der Produktionsfirma Corazón International, über die er Filme von Fatih Akin mitproduzierte. Als Regisseur widmete er sich zuletzt Subkulturen, etwa in B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin 1979–1989 (2015). Tanja Schwerdorf hatte zuvor eigene Filme wie Nach dem Regen inszeniert.
Den Anstoß gab laut den beiden ein Zufall: Als Schwerdorf 2015 ein altes Video von Maeck sah, in dem ein Mann einen selbstgebauten Akustikkoppler vorführte, fragte sie, wer das sei. Es war Wau Holland. Rund vier bis fünf Jahre dauerte es danach bis zum fertigen Film. Weil Maeck die frühen Clubmitglieder kannte, öffneten sich private Archive, die einem fremden Journalisten wohl verschlossen geblieben wären. Besonders ergiebig war die sorgfältig datierte Sammlung von Steffen Wernéry. Ergänzende Szenen entstanden im Sommer 2019 in Hamburg, an der Kamera stand Hervé Dieu, geschnitten hat Andreas Grützner.
Wau Holland, Steffen Wernéry und die Stimmen des Clubs
Herwart Holland-Moritz, genannt Wau, wurde 1951 in Kassel geboren und starb am 29. Juli 2001 mit 49 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls. Er gab die Clubzeitschrift Datenschleuder mit heraus und schrieb ab 1983 eine Kolumne für die taz über Mailboxen und die entstehende Computerszene. Der Film zeigt ihn als humorvollen, eigensinnigen Denker, der früh auf den Zusammenhang von Technik, Macht und Bürgerrechten hinwies. Seine Ideen trägt heute die Wau Holland Stiftung weiter.
An Hollands Seite steht Steffen Wernéry, der erste Pressesprecher des Clubs. Andy Müller-Maguhn, seit 1986 Mitglied, war von 1990 bis 2003 einer der Sprecher und ab 2000 gewählter Direktor im Gremium der Netzverwaltung ICANN. Er steht für die Generation, die Hollands Gedanken in die Netzpolitik trug. Für die Gegenwart des Clubs kommt Sprecher Linus Neumann zu Wort. So spannt der Film einen Bogen von einem kleinen Zirkel bis zu einem Verein, den Parlamente und Gerichte heute als Sachverständigen anhören.
Volkszählung, BTX-Hack und KGB-Affäre: die Achtziger als Kulisse
- Protest gegen die Volkszählung (1983): Die Kritik an der geplanten Erhebung mündete im Volkszählungsurteil und dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung, ein Grundmotiv für den Club.
- Der BTX-Hack (1984): In der Nacht vom 16. auf den 17. November 1984 nutzten Holland und Wernéry eine Lücke im Bildschirmtext der Bundespost und ließen rund 135.000 D-Mark Gebühren zulasten der Hamburger Sparkasse auflaufen, um die Schwachstelle öffentlich zu machen. Das Geld floss an die Haspa zurück.
- NASA- und KGB-Hack (1987–1989): Einbrüche in Rechner des NASA-Netzes und die Affäre um Hacker, die Daten an den sowjetischen Geheimdienst verkauften, brachten dem Clubumfeld Durchsuchungen und schlechte Schlagzeilen.
Wie Kritik und Hackerszene den Film aufnahmen
Die Besprechungen fielen überwiegend freundlich aus. Meike Laaff in der Zeit und Falk Straub bei Kino-Zeit hoben die Collagetechnik und den Humor des Films hervor. Bei Kino-Zeit hieß es zudem, der Regie gehe es nicht um ein bloßes Abspulen von Fakten, sondern um größere Zusammenhänge. Netzpolitik.org berichtete ausführlich zum Kinostart und sprach mit Maeck in einem Podcast über Holland als Seele des Clubs. Aus dem CCC selbst gab es anfangs Skepsis gegenüber dem Projekt, wie die Regisseure einräumten. Kommerziell blieb der Film ein Nischenerfolg: Box Office Mojo verzeichnet in Deutschland ein Einspiel von gut 93.000 US-Dollar.
International lief der Film unter dem Titel All Is One. Except 0., etwa in der Reihe „German Cinema Now!“ des Goethe-Instituts in Seattle. Der Titel spielt auf das Binärsystem an, in dem Rechner nur Einsen und Nullen kennen, und auf die Hackerethik, die Holland mitprägte: öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.
Unsere Einschätzung: stark als Zeitkapsel, fordernd als Einstieg
Die größte Stärke des Films ist sein Material. Viele der Aufnahmen waren nie öffentlich zu sehen, und Maeck und Schwerdorf montieren sie mit Gespür für Rhythmus und Ironie. Wer die bundesdeutschen Achtziger mag, bekommt eine dichte Zeitkapsel, in der Mailboxen, Akustikkoppler und Punkkonzerte zusammengehören. Wie gut eine Montage aus Archivbildern Geschichte erzählen kann, zeigt auf ganz anderem Terrain auch In Search of Oil and Sand.
Die Schwäche folgt aus der Nähe der Macher zu ihrem Gegenstand. Der Film ist eine Hommage, keine kritische Biografie. Die dunkleren Kapitel der Clubgeschichte streift er eher, als dass er sie ausleuchtet, und wer ohne Vorwissen kommt, muss sich durch viele Namen und Zeitsprünge arbeiten. Für Netzpolitik-Interessierte, Technikhistoriker und alle, die verstehen wollen, warum Datenschutz in Deutschland so ernst genommen wird, lohnt sich der Film trotzdem. Seine Warnungen vor Überwachung wirken heute kaum veraltet.
Quellen
- filmportal.de: Alles ist Eins. Ausser der 0.
- netzpolitik.org: Dokumentation über Wau Hollands Leben kommt ins Kino
- netzpolitik.org: Podcast mit Klaus Maeck über Wau Holland
- Business Punk: Interview mit Klaus Maeck und Tanja Schwerdorf
- Northwest Film Forum: All Is One. Except 0. (German Cinema Now!)
- Freibank: Premiere und Soundtrack von Alles ist eins. Außer der 0.
- Box Office Mojo: Einspiel in Deutschland
- Wikipedia: Wau Holland








