Sympathy for Delicious (2010): Mark Ruffalos Film über einen Heiler

Sympathy for Delicious (2010): Mark Ruffalos Film über einen Heiler

Sympathy for Delicious ist ein US-amerikanisches Drama aus dem Jahr 2010 und die erste Regiearbeit des Schauspielers Mark Ruffalo. Im Mittelpunkt steht ein querschnittsgelähmter DJ aus Los Angeles, der entdeckt, dass er andere Menschen heilen kann, nur sich selbst nicht. Drehbuch und Hauptrolle stammen von Christopher Thornton, der seit einem Kletterunfall selbst im Rollstuhl sitzt. Ruffalo spielt einen Priester, daneben sind Orlando Bloom, Juliette Lewis, Laura Linney, Noah Emmerich und John Carroll Lynch zu sehen. Beim Sundance Film Festival 2010 erhielt der Film den Spezialpreis der Jury im US-Spielfilmwettbewerb. In Deutschland lief er nie im Kino, sondern erschien im Januar 2014 auf DVD und Blu-ray.

OriginaltitelSympathy for Delicious
ProduktionslandUSA
Jahr2010
RegieMark Ruffalo
DrehbuchChristopher Thornton
DarstellerChristopher Thornton, Mark Ruffalo, Juliette Lewis, Orlando Bloom, Laura Linney, Noah Emmerich, John Carroll Lynch
FSKab 12
Kinostart Deutschlandkein Kinostart; DVD und Blu-ray am 24. Januar 2014
GenreDrama
BewertungenIMDb 5,6/10 · Rotten Tomatoes 31 % · Metacritic 44/100 (Stand: Oktober 2026)
Trailer (YouTube-Kanal: Rotten Tomatoes Trailers)

Ein DJ im Rollstuhl entdeckt eine Gabe, die er nicht will

Dean O’Dwyer war als „Delicious D“ ein gefragter DJ in der Clubszene von Los Angeles. Seit einem Unfall sitzt er im Rollstuhl, ist verbittert und so abgebrannt, dass er in seinem Auto auf Skid Row schläft, dem Elendsviertel der Innenstadt. Dort kümmert sich Father Joe um Obdachlose, verteilt Essen und sucht Schlafplätze. Der Priester nimmt Dean unter seine Fittiche, auch wenn der junge Mann für Glauben nur Spott übrig hat.

Bei einer Heilungsveranstaltung kommt Dean mit der Welt der Wunderheiler in Berührung, und bald stellt er fest, dass seine Hände tatsächlich etwas bewirken. Statt die Gabe in den Dienst von Joes Gemeinde zu stellen, sucht er den Weg zurück auf die Bühne. Über die Bassistin Ariel gelangt er in eine Rockband, deren Sänger, ein eitler Brite mit dem Künstlernamen The Stain, kaum weniger selbstverliebt ist als Dean. Die Managerin Nina Hogue erkennt schnell, welches Publikum ein heilender DJ anziehen könnte, und macht aus den Wundern eine Konzertattraktion. Wohin das führt, für Dean wie für Father Joe, bleibt hier offen.

Zehn Jahre Vorlauf: Thornton, Ruffalo und das Drehbuch

Christopher Thornton, 1967 in New Orleans geboren, studierte Schauspiel unter anderem an der Stella Adler Academy in Los Angeles. 1992 stürzte er beim Klettern ab und ist seither von der Hüfte abwärts gelähmt. Er spielte danach vor allem Theater, im Jahr 2000 etwa den Hamlet im Rollstuhl, und begann, aus der eigenen Erfahrung eine Geschichte zu entwickeln. Mark Ruffalo, mit dem ihn seit der gemeinsamen Schauspielausbildung eine lange Freundschaft verbindet, wollte das Projekt unbedingt umsetzen. Nach Angaben des National Catholic Reporter dauerte die Entwicklung des Drehbuchs rund zehn Jahre.

Gedreht wurde von Januar bis Ende Februar 2009 in Los Angeles. Ruffalo trat neben der Regie auch als Produzent auf, gemeinsam mit Matt Weaver, Andrea Sperling, Scott Prisand und Thornton. Die Kamera führte Chris Norr, den Schnitt besorgte Pete Beaudreau. Für die Musik, die bei einer Geschichte über einen DJ und eine Rockband tragend ist, steuerten unter anderem The Besnard Lakes, Shiny Toy Guns und Cedric Bixler-Zavala Beiträge bei.

Ein Ensemble aus Stars in Nebenrollen

Für ein kleines Independent-Projekt ist die Besetzung auffällig prominent. Orlando Bloom spielt gegen sein Image als Leinwandheld einen selbstverliebten Frontmann, Juliette Lewis bringt als Musikerin eigene Bühnenerfahrung mit, Laura Linney gibt die kühl kalkulierende Managerin. Thornton selbst trägt den Film als Hauptdarsteller, was ihm eine Glaubwürdigkeit verleiht, die eine Besetzung mit einem nicht behinderten Star kaum hätte erreichen können.

Sundance-Preis, schwache Kritiken und ein winziger Kinostart

Die Premiere fand am 23. Januar 2010 in Park City statt. Die Jury des US-Spielfilmwettbewerbs vergab einen Spezialpreis an Ruffalo, der Hauptpreis ging im selben Jahr an Debra Graniks Winter’s Bone. Einen Verleih fand der Film erst im November 2010, als Maya Entertainment die nordamerikanischen Rechte erwarb. Im Frühjahr 2011 startete er in wenigen US-Kinos und spielte dort nur rund 14.000 Dollar ein, im August 2011 folgte die DVD.

Die Kritiken fielen überwiegend schwach aus; Rotten Tomatoes verzeichnet 31 Prozent positive Stimmen bei 26 Besprechungen. Peter Rainer vom Christian Science Monitor hielt Ruffalo für einen starken Schauspieler, aber noch ungelenken Regisseur, dessen Fabel aus dem Ruder laufe, sobald die Band ins Spiel kommt. Sam Adams vergab im A.V. Club eine mittlere Note und lobte den Kern von Thorntons Drehbuch, vermisste aber emotionale Wucht. Matt Fagerholm von Hollywood Chicago würdigte die Darsteller, fand die Hauptfigur jedoch zu eindimensional unsympathisch. Wohlwollender schrieb Rose Pacatte im National Catholic Reporter, die den Film mit den schwarzhumorigen Glaubensgeschichten von Flannery O’Connor verglich.

Unsere Einschätzung: ehrlicher Ansatz, überladene zweite Hälfte

Am stärksten ist Sympathy for Delicious dort, wo es um Alltag geht: um einen Mann, der mit dem Rollstuhl über den Asphalt von Skid Row muss, und um einen Priester, der selbst zweifelt, während er anderen Halt geben soll. Thornton spart nicht an Bitterkeit, und genau das macht die Figur zunächst glaubwürdig. Ruffalo spielt Father Joe zurückhaltend und lässt seinem Freund den Raum.

Sobald die Rockband übernimmt, kippt die Balance. Die Satire auf Musikindustrie und Wunderglauben ist grell gezeichnet, und Deans Selbstsucht wird so lange ausgestellt, dass der Titel fast ironisch wirkt. Wer sich für Independent-Kino mit ungewöhnlicher Perspektive interessiert, für Filme über Glauben jenseits frommer Erbauung oder für Ruffalos Arbeit hinter der Kamera, findet hier einen sperrigen, ehrlich gemeinten Erstling. Ein runder Film ist es nicht.

Quellen