Zimmer 205 (2011): Jennifer Ulrich im Studentenwohnheim des Grauens

Zimmer 205 (2011): Jennifer Ulrich im Studentenwohnheim des Grauens

Zimmer 205 ist ein deutscher Horrorthriller von Rainer Matsutani, der im Kino unter dem Titel Zimmer 205 – Traust du dich rein? lief und auch als 205 – Zimmer der Angst bekannt ist. Jennifer Ulrich spielt eine Studentin, die in ein Wohnheimzimmer zieht, in dem ihre Vorgängerin spurlos verschwunden ist. Daneben sind Julia Dietze, Inez Bjørg David, Marleen Lohse, Tino Mewes und André M. Hennicke zu sehen. Der Film ist ein Remake des dänischen Gruselfilms Kollegiet von 2007. Gedreht wurde bereits Anfang 2010, die FSK-Prüfung erfolgte im Oktober 2011, doch erst am 4. April 2013 brachte der Verleih NFP den Film in die deutschen Kinos. Diese lange Wartezeit ist fast so bemerkenswert wie der Film selbst: ein Versuch, das im deutschen Kino seltene Genre des Teenie-Horrors mit bekannten Gesichtern zu beleben.

OriginaltitelZimmer 205
ProduktionslandDeutschland
Jahr2011 (Dreharbeiten 2010)
RegieRainer Matsutani
DrehbuchEckhard Vollmar, nach einer Vorlage von Jannik Tai Mosholt
DarstellerJennifer Ulrich, Julia Dietze, Inez Bjørg David, Marleen Lohse, Florian Jahr, Tino Mewes, André M. Hennicke
Laufzeit103 Minuten
FSKab 16, nicht feiertagsfrei
Kinostart Deutschland4. April 2013
GenreHorrorthriller, Psychothriller
BewertungenIMDb 5,1/10 (Stand: Oktober 2026)
Trailer (YouTube-Kanal: KinoCheck)

Katrin zieht in das Zimmer, das niemand wollte

Katrin Nadolny ist 19 und froh, endlich von zu Hause wegzukommen, wo ihr Vater sie übertrieben behütet. Mit dem Studienbeginn bekommt sie einen Platz im Wohnheim: Zimmer 205, das seit über einem Jahr leer steht. Das Semester verspricht neue Freundschaften, Partys und die erste echte Unabhängigkeit, und Katrin stürzt sich hinein.

Doch in ihrem Zimmer geschehen seltsame Dinge. Als sie im Keller des Wohnheims einen jungen Mann tot auffindet, mit dem sie kurz zuvor eine Nacht verbracht hat, beginnt eine Reihe von Todesfällen, in die Katrin jedes Mal verwickelt scheint. Hinweise liefert ein Videotagebuch ihrer Vorgängerin Annika, das Katrin entdeckt. Sie gelangt zu der Überzeugung, dass eine Clique von Mitbewohnern hinter Annikas Verschwinden steckt, während eben diese Studenten sie selbst verdächtigen. Kommissar Urban ermittelt, und Katrin weiß bald nicht mehr, ob sie verfolgt wird oder den Verstand verliert. Wie sich das Rätsel um Annika auflöst, wird hier nicht vorweggenommen.

Vom dänischen Kollegiet zum deutschen Wohnheim-Horror

Die Vorlage stammt aus Dänemark: Kollegiet, international als Room 205 vermarktet, inszenierte Martin Barnewitz 2007 für Nordisk Film nach einem Drehbuch von Jannik Tai Mosholt. Die deutsche Fassung schrieb Eckhard Vollmar, produziert wurde sie von Boris Schönfelder und Michael Kölmel für die Berliner Neue Schönhauser Filmproduktion, mit Koproduzenten wie Filmaufbau Leipzig, SevenPictures und Arri Film & TV. Die Dreharbeiten liefen vom 27. Januar bis 18. März 2010 in Thüringen, Berlin und Brandenburg.

Hinter der Kamera stand Jan Fehse, die Musik komponierte Wolfram de Marco, geschnitten hat Marco Pav D’Auria. Die winterliche Drehzeit passt zum Stoff: Das Wohnheim funktioniert als abgeschlossener Kosmos bis hinunter in den Keller, in dem die Figuren einander kaum ausweichen können.

Rainer Matsutani: vom Fernsehthriller zum Kinohorror

Rainer Matsutani, 1964 in Hockenheim geboren, studierte ab 1988 an der Hochschule für Film und Fernsehen in München. Bekannt wurde er mit der Komödie Nur über meine Leiche (1995) und der Komödie 666 – Traue keinem, mit dem du schläfst! (2002). Danach arbeitete er überwiegend fürs Fernsehen, unter anderem mit Event-Filmen wie Das Inferno – Flammen über Berlin (2007) und Faktor 8 – Der Tag ist gekommen (2009) sowie mehreren Tatort-Folgen. Zimmer 205 war nach dem Jugenddrama Gangs wieder ein Kinofilm. Später entwickelte er die Science-Fiction-Serie Spides.

Jennifer Ulrich hatte sich zuvor in Elementarteilchen, Die Welle und dem Vampirfilm Wir sind die Nacht einen Namen gemacht, die beiden letzteren unter der Regie von Dennis Gansel. Mit Katrin bekommt sie eine Rolle, die fast den ganzen Film allein trägt.

Zwei Jahre Wartezeit und geteilte Kritiken

Ursprünglich war ein Kinostart bereits 2011 geplant, tatsächlich kam der Film erst im Frühjahr 2013 in die Kinos, wo er keine nennenswerte Rolle spielte. Die Kritiken fielen gemischt aus. Ulrike Braun vergab bei Filmstarts drei von fünf Sternen: Der Film beginne spannend, werde aber zunehmend schematisch, und am Ende bleibe offen, was eigentlich geschehen sei. Die Programmzeitschrift Prisma zog Vergleiche zu Roman Polanskis Der Mieter, sah aber unfreiwillige Komik, eine verworrene Geschichte und schwache Dialoge; die Hauptdarstellerin schneide noch vergleichsweise gut ab. Andere Online-Kritiken hoben dagegen die Leistungen der Darsteller hervor.

Unsere Einschätzung: stark besetzt, im Finale unentschlossen

Die Stärke von Zimmer 205 liegt in seinem ersten Drittel. Matsutani fängt die Mischung aus Aufbruchsstimmung und Unsicherheit eines ersten Semesters gut ein, und Jennifer Ulrich macht Katrins wachsende Isolation nachvollziehbar, ohne die Figur zur bloßen Kreischheldin zu reduzieren. Das Wohnheim als Schauplatz, in dem Gruppendruck und Mobbing schnell gefährlich werden, ist eine gute Idee für deutschen Genrefilm.

Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr verliert sie sich zwischen Geistergeschichte, Psychothriller und Krimi. Das Finale will alle drei Fährten bedienen und überzeugt dadurch bei keiner ganz. Wer deutsche Genreversuche abseits von Komödie und Krimi neugierig verfolgt, sollte trotzdem einen Blick riskieren; Horror-Puristen werden eher enttäuscht. Eine ähnliche Mischung aus Teenager-Konflikt und möglicher Besessenheit erzählt der spanische Film Der Exorzismus der Emma Evans.

Quellen