Kokowääh 2 (2013): Til Schweigers Patchworkfamilie im neuen Chaos

Kokowääh 2 (2013): Til Schweigers Patchworkfamilie im neuen Chaos

Kokowääh 2 ist die Fortsetzung der deutschen Familienkomödie, mit der Til Schweiger 2011 rund 4,3 Millionen Menschen ins Kino lockte. Schweiger führte wieder Regie, schrieb das Drehbuch erneut mit Béla Jarzyk, produzierte und spielte die Hauptrolle des Drehbuchautors Henry. An seiner Seite kehren Emma Schweiger, Jasmin Gerat und Samuel Finzi zurück, neu dabei sind unter anderem Matthias Schweighöfer, Julia Jentsch und Gedeon Burkhard. Nach der Premiere am 29. Januar 2013 in Berlin startete der Film am 7. Februar 2013 im Verleih von Warner Bros. in den deutschen Kinos. Mit gut 2,7 Millionen Zuschauern blieb er zwar deutlich unter dem ersten Teil, gehörte aber trotzdem zu den zehn meistbesuchten Filmen des Jahres in Deutschland.

OriginaltitelKokowääh 2
ProduktionslandDeutschland
Jahr2013
RegieTil Schweiger (Co-Regie: Torsten Künstler)
DrehbuchBéla Jarzyk, Til Schweiger
DarstellerTil Schweiger, Emma Schweiger, Jasmin Gerat, Samuel Finzi, Matthias Schweighöfer, Julia Jentsch, Gedeon Burkhard, Jytte-Merle Böhrnsen, Nico Liersch
Laufzeit122 Minuten
FSKab 6 Jahren
Kinostart Deutschland7. Februar 2013
GenreKomödie, Familienfilm
BewertungenIMDb 5,3/10 (Stand: Oktober 2026)
Trailer (YouTube-Kanal: Warner Bros. DE)

Zwei Jahre später: Henry, Tristan und ein Haushalt ohne Plan

Der erste Teil endete damit, dass die achtjährige Magdalena zwei Väter behalten durfte: den leiblichen Vater Henry und Tristan, der sie großgezogen hat. Die Fortsetzung setzt zwei Jahre danach ein. Aus dem improvisierten Arrangement ist eine Patchworkfamilie geworden, Henry und Katharina haben inzwischen einen kleinen Sohn namens Louis. Ruhig ist es trotzdem nicht.

Henry wechselt die Seiten und versucht sich als Filmproduzent. Für sein erstes großes Projekt muss er mit Matthias Schweighöfer zusammenarbeiten, der sich selbst als launischen Jungstar spielt und dem Neuling das Leben schwer macht. Katharina fühlt sich in der Rolle der Hausfrau und Mutter eingesperrt und wirft Henry vor, zu wenig Verantwortung zu übernehmen. Sie nimmt sich eine eigene Wohnung, um der Beziehung mit Abstand eine neue Chance zu geben.

Gleichzeitig steckt Tristan in einer Krise. Seine Frau Charlotte arbeitet im Ausland, er genießt die neue Freiheit und flirtet mit der deutlich jüngeren Nora. Schließlich zieht er bei Henry ein. Die beiden Männer sind mit Haushalt, Baby und einem Kind an der Schwelle zur Pubertät schnell überfordert und stellen ein junges Kindermädchen ein, das ebenfalls einzieht. Damit gerät das fragile Familienmodell endgültig ins Rutschen. Und Magdalena verliebt sich zum ersten Mal, in den Jungen Max, gespielt von Nico Liersch.

Familienbetrieb vor und hinter der Kamera

Kokowääh 2 ist ein typisches Schweiger-Projekt: Seine Firma Barefoot Films produzierte gemeinsam mit Béla Jarzyk Production und Warner Bros. Filmproduktion, gefördert von der Filmförderungsanstalt. Schweiger war nicht nur Regisseur, Autor, Produzent und Hauptdarsteller, sondern schnitt den Film laut filmportal.de auch zusammen mit Constantin von Seld. Als Co-Regisseur ist Torsten Künstler genannt, die Kamera führte Adrian Cranage, die Musik stammt von Dirk Reichardt und Martin Todsharow.

Gedreht wurde vom 2. August bis 1. Oktober 2012 in Berlin und Brandenburg. Der Titel verweist wie im ersten Teil auf Coq au vin, das einzige Gericht, das Henry zubereiten kann. Dass Emma Schweiger, die Tochter des Regisseurs, erneut die Magdalena spielt, prägt den Film stark: Viele Szenen leben von der vertrauten Dynamik zwischen Vater und Tochter. Die Zusammenarbeit setzte sich fort, Ende 2014 spielte Emma Schweiger die Hauptrolle in „Honig im Kopf“.

Der Gastauftritt von Matthias Schweighöfer als überspannte Version seiner selbst ist der ironischste Einfall des Drehbuchs. Schweighöfer war damals selbst einer der erfolgreichsten Komödiendarsteller und Regisseure Deutschlands, das Spiel mit diesem Image trägt einige der besseren Szenen.

Weniger Zuschauer als Teil eins, Kritik bleibt verhalten

Wirtschaftlich war Kokowääh 2 ein Erfolg. Laut filmportal.de, das sich auf Zahlen der FFA beruft, kamen rund 2,73 Millionen Besucher in die Kinos. Der erste Teil hatte zwei Jahre zuvor noch etwa 4,3 Millionen erreicht. Die Fortsetzung landete damit auf Platz neun der meistbesuchten Filme des Jahres 2013 in Deutschland. Das Fernsehpublikum sah den Film erstmals am 3. Oktober 2015 auf Sat.1.

Die Kritik reagierte wie so oft bei Schweigers Komödien zurückhaltend. Prisma bescheinigte dem Film, eng am Vorgänger zu kleben, und meinte, man habe vieles schon ähnlich gesehen, gestand ihm aber Unterhaltungswert als leichte Ablenkung zu. Dani Maurer vergab beim Schweizer Portal OutNow drei von fünf Sternen: keine Überraschungen, dafür charmante Kinder und ein spielfreudiger Schweiger. Er kritisierte die vielen Musikmontagen, die die Laufzeit von über zwei Stunden strecken. Beim Hamburger Abendblatt fanden Alexander Josefowicz und Tino Lange den Film flach und bemängelten den Schnitt. Die Wertung bei Cinefacts, die kino.de wiedergibt, fasst den Tenor gut zusammen: vorhersehbar, aber angenehm gemacht.

Wie gut funktioniert die Fortsetzung?

Die Stärke von Kokowääh 2 liegt in denselben Dingen wie beim Vorgänger: in Emma Schweigers unverstellter Präsenz und in Samuel Finzi, der als Tristan die komischsten und zugleich wärmsten Momente bekommt. Die Grundidee, zwei überforderte Väter unter einem Dach, hätte Stoff für eine schärfere Komödie über moderne Familienmodelle geboten. Schweiger nutzt sie eher als Rahmen für eine Reihe von Episoden, die selten Konsequenzen haben.

Schwerer wiegt, dass Katharinas Konflikt, der eigentlich interessanteste Strang, zu kurz kommt. Ihr Unbehagen als Hausfrau wird benannt, aber kaum ernsthaft verhandelt. Stattdessen investiert der Film viel Zeit in den Hochglanzlook, Popsongs und Slapstick rund um das Kindermädchen. Mit 122 Minuten ist er für eine Familienkomödie dieser Bauart deutlich zu lang.

Wer den ersten Teil mochte, bekommt genau das, was er erwartet: Wohlfühlkino mit bekannten Figuren, viel Popmusik und einem versöhnlichen Grundton. Wer mit Schweigers Stil schon damals wenig anfangen konnte, wird hier nicht bekehrt. Als Vergleich lohnt sich die Ensemblekomödie Männerherzen … und die ganz ganz große Liebe, in der Schweiger 2011 unter der Regie von Simon Verhoeven als Teil eines Männerensembles zu sehen war.

Quellen