Die Psion Serie 5 gilt bis heute als einer der besten Taschencomputer zum Schreiben, weil ihre Tastatur nicht nur aus Daumentasten besteht. Wer heute eine Serie 5, 5mx oder einen Revo kauft, bekommt aber auch die bekannten Schwachstellen mit: ein Displaykabel, das irgendwann bricht, und beim Revo fest eingebaute Akkus. Hier stehen die technischen Unterschiede, die typischen Defekte und eine ehrliche Einschätzung, für wen sich die Geräte heute noch lohnen.
Die Schiebetastatur der Serie 5
Psion stellte die Serie 5 1997 vor; die erste ROM-Version erschien im Juni 1997. Das Gehäuse ist ein Klappgerät mit einem Kniff: Beim Öffnen gleitet die Tastatur nach vorn, sodass sie das Gewicht des Displays ausgleicht und das Gerät beim Tippen auf den Touchscreen nicht nach hinten kippt. Der Tastenabstand beträgt 12,5 mm, die Tasten haben echten Hub. Das ist der Grund, warum viele Besitzer mit zehn Fingern darauf schreiben konnten. Das Gerät misst 170 × 90 × 23 mm und wiegt mit Batterien 354 g.
Prozessor, Display und EPOC32 im Detail
Im Inneren arbeitet ein 32-Bit-ARM710T. In der Serie 5 läuft er mit 18 MHz, in der 5mx von 1999 mit 36 MHz. Das Display ist ein beleuchteter, berührungsempfindlicher LCD mit 640 × 240 Pixeln und 16 Graustufen. Strom liefern zwei AA-Zellen, dazu kommt eine Knopfzelle als Pufferbatterie. Erweiterungen laufen über einen CompactFlash-Slot, Daten über eine serielle RS-232-Schnittstelle (bis 115 kbit/s) und Infrarot. Zum Start kostete die Serie 5 in Großbritannien 439 Pfund mit 4 MB RAM und 499 Pfund mit 8 MB; die 5mx kam mit 16 MB.
EPOC-Versionen und die seltene 5mx Pro
Die erste Serie 5 lief mit EPOC Release 1, ein späteres ROM-Update (Version 1.1) brachte Release 3. Die 5mx und der Revo kamen 1999 mit EPOC Release 5, der Version, auf der Symbian OS direkt aufbaute. Eine Sonderform ist die 5mx Pro: Sie lädt das Betriebssystem in den Arbeitsspeicher statt es aus einem festen ROM zu starten und lässt sich dadurch aktualisieren. Sie ist selten und auf dem Gebrauchtmarkt entsprechend gesucht.
Word, Sheet, Agenda und OPL: die eingebaute Software
Die Serie 5 bringt Textverarbeitung (Word), Tabellenkalkulation (Sheet), Datenbank (Data) und die Programmiersprache OPL direkt im ROM mit. OPL ist der eigentliche Grund für die große Auswahl an Zusatzprogrammen: Man kann auf dem Gerät selbst programmieren, ohne PC. Der 5mx lag zusätzlich eine Java-Laufzeit, ein Webbrowser und Synchronisationssoftware für Windows bei, die Executive Edition enthielt den Browser Opera 3.62. Perl und Python gab es als Portierungen.
Der Revo ist abgespeckt: Er bietet Agenda, Contacts, Word, Sheet, Data, Calc, E-Mail und Web, aber weder das Zeichenprogramm Sketch noch einen OPL-Editor auf dem Gerät, wie die Testseite The Gadgeteer 1999 bemängelte. Termine verwaltet auf den Geräten mit EPOC Release 5, also auch auf 5mx und netBook, das Programm Agenda.
Revo und Revo Plus: der schlanke Ableger
Der Revo erschien im November 1999. Er nutzt denselben 36-MHz-ARM wie die 5mx, hat aber nur ein 480 × 160 Pixel großes, unbeleuchtetes Display, 8 MB fest verbauten Speicher und keinen Erweiterungsslot. Strom kommt aus zwei eingebauten NiMH-Akkus im AAA-Format mit je 700 mAh, die in der Dockingstation oder am Netzteil laden; The Gadgeteer nannte 14 Stunden Laufzeit. Er wiegt 200 g und ist 17 mm dick. Der Revo Plus verdoppelte den Speicher auf 16 MB, bekam einen größeren Akku und behob das Problem, dass sich die Akkus im Revo lösen konnten. In Nordamerika verkaufte SONICblue ihn als Diamond Mako.
| Modell | Jahr | CPU | RAM | Display | Strom / Speicher |
| Serie 5 | 1997 | ARM710T, 18 MHz | 4 oder 8 MB | 640 × 240, 16 Graustufen, beleuchtet | 2 × AA, CF-Slot |
| Serie 5mx | 1999 | ARM710T, 36 MHz | 16 MB | 640 × 240, beleuchtet | 2 × AA, CF-Slot |
| Serie 5mx Pro | 1999 | wie 5mx | wie 5mx | wie 5mx | Betriebssystem im RAM, aktualisierbar |
| Revo | 1999 | ARM710T, 36 MHz | 8 MB | 480 × 160, unbeleuchtet | 2 × NiMH AAA fest, kein Slot |
| Revo Plus | 2000 | ARM710T, 36 MHz | 16 MB | 480 × 160, unbeleuchtet | größerer Akku, kein Slot |
Lizenzgeräte: MC218, Osaris und Geofox One
Psion lizenzierte EPOC32 an andere Hersteller. Das Ericsson MC218 von 1999 ist eine umbenannte 5mx; das nachgefertigte Displaykabel passt in beide. Der Oregon Scientific Osaris (1999) war die günstige Variante mit 18,432-MHz-ARM, kleinerem Display (320 × 200 Pixel), CF-Slot und AA-Batterien. Er ist das einzige Gerät, das mit EPOC Release 4 ausgeliefert wurde. Der Geofox One stammte von einer jungen Firma aus Cambridge, die ehemalige Tadpole-Mitarbeiter gegründet hatten; laut Centre for Computing History entstanden weniger als 1.000 Exemplare. Wer einen findet, hat ein Sammlerstück, aber kein Alltagsgerät.
Displaykabel und Akkus: typische Defekte und Reparatur heute
Der Klassiker bei Serie 5 und 5mx ist das Flachbandkabel zwischen Gehäuse und Display. Bei jedem Auf- und Zuklappen wird es gebogen, und eine Designschwäche (Montagelöcher an ungünstiger Stelle) überlastet es. Das Ergebnis sind senkrechte Linien im Bild, bis das Display ganz ausfällt. Laut Centre for Computing History hält das Kabel der Serie 5 länger als das der 5mx. Für 5mx und MC218 gibt es nachgefertigte Kabel, etwa beim britischen Spezialisten Psionex für rund 52 bis 63 US-Dollar (Stand Oktober 2026, Preisanzeige je nach Region). Der Händler weist selbst darauf hin, dass für den Einbau eine Lupe mit zehnfacher Vergrößerung und gute Lötkenntnisse nötig sind. Wer das nicht hat, kann ein Gerät komplett überholen lassen; Psionex bietet für die Serie 5 einen Komplettservice inklusive neuem Displaykabel für 155 US-Dollar plus Versand an.
Beim Revo sind die Akkus die Schwachstelle: Sie lösen sich, laden schlecht oder sind nach zwanzig Jahren schlicht verbraucht. Die Zellen lassen sich tauschen, dazu muss das Gehäuse über die Scharnierstifte geöffnet werden. Wichtig beim Einbau: Der Temperaturfühler (Thermistor) muss mit angeschlossen werden. Wikipedia rät außerdem davon ab, den Revo bei über 80 Prozent Ladestand nachzuladen, um Überladung zu vermeiden.
Prüfliste vor dem Gebrauchtkauf
- Gerät mehrmals auf- und zuklappen und dabei auf Streifen im Display achten.
- Alle Tasten in Word testen, besonders Leertaste und Umschalttasten.
- Bei Serie 5/5mx: Fach der Pufferbatterie auf ausgelaufene Zellen prüfen.
- Beim Revo: nach Ladekabel oder Dockingstation fragen, ohne sie lässt er sich weder laden noch mit dem PC verbinden.
- Sprachversion klären: Es gibt Geräte mit deutscher und mit englischer Software, die Sprache steckt im ROM.
Taugt die Serie 5 heute noch als Schreibgerät?
Ja, mit Einschränkungen. Eine 5mx mit intaktem Kabel ist ein ablenkungsfreies Schreibgerät: kein Internet, sofort an, bei gelegentlicher Nutzung wochenlang mit zwei AA-Zellen. Für Notizen, Entwürfe und Tagebücher ist sie angenehmer als jedes Smartphone. Der Haken liegt beim Weg auf den PC, denn ohne serielle Verbindung oder CF-Karte bleiben die Texte im Gerät. Wie Übertragung und Umwandlung in heutige Formate klappen, steht im Ratgeber Psion-Geräte heute nutzen.
Unsere Empfehlung: Für Vielschreiber die 5mx, möglichst mit bereits getauschtem Displaykabel. Die Serie 5 nur, wenn sie günstig ist, denn sie ist spürbar langsamer. Den Revo eher als Sammlerstück, weil seine kleinere Tastatur kein echtes Zehnfingerschreiben erlaubt und das Display unbeleuchtet ist. Wer die Geschichte dahinter kennen will, findet sie im Überblick zur Geschichte von Psion.







