Psion netBook und netBook Pro: der Urahn der Netbooks

Psion netBook und netBook Pro: der Urahn der Netbooks

Zehn Jahre bevor Asus, Acer und MSI billige Mini-Notebooks unter dem Namen „Netbook“ verkauften, hatte Psion ein Gerät mit genau diesem Namen im Programm: das netBook von 1999, ein Klapprechner für Firmenkunden mit sofort startendem Betriebssystem. Als der Begriff 2008 plötzlich überall auftauchte, wollte Psion ihn als Marke durchsetzen und scheiterte. Hier steht, was das netBook konnte, wie es sich von Serie 7 und netBook Pro unterscheidet und wie der Markenstreit ausging.

Das netBook von 1999: EPOC im Klappgehäuse

Psion stellte das netBook 1999 vor und richtete es an Unternehmen, die mobile Mitarbeiter mit E-Mail, Terminen und Dokumenten ausstatten wollten. Technisch war es der große Bruder der Serie 5 mit demselben Betriebssystem: ein StrongARM SA-1100 mit 190 MHz, 32 MB RAM (erweiterbar durch einen zweiten 32-MB-Baustein), ein berührungsempfindliches Farbdisplay mit 640 × 480 Pixeln und eine QWERTY-Tastatur. Ein wechselbarer Lithium-Ionen-Akku hielt laut Centre for Computing History 8 bis 10 Stunden.

Als Betriebssystem lief EPOC Release 5, dieselbe Version wie auf der 5mx, allerdings aus dem RAM statt aus dem ROM, was Updates erleichterte. Mitgeliefert wurden Agenda, Contacts, E-Mail, Word, Sheet und der Browser Opera, dazu war eine Java-Laufzeit (1.1.8) verfügbar. Firmen konnten damit eigene Java-Anwendungen auf die Geräte bringen. Den Namen hatte Psion früh gesichert: Die US-Marke NETBOOK wurde am 18. Dezember 1996 beantragt und am 21. November 2000 eingetragen.

Serie 7: dasselbe Gerät für Privatkunden

2000 folgte die Serie 7, ein netBook für Endkunden in einem mit Leder bezogenen Klappgehäuse. Sie hatte einen langsameren StrongARM mit 132,71 MHz und 16 MB RAM statt 32 MB. Das Betriebssystem kam aus einem 16-MB-ROM-Baustein, der im netBook an der Stelle der zweiten RAM-Hälfte sitzt. Tauscht man diesen Baustein, wird aus einer Serie 7 technisch ein netBook. Psion verwendete zwei austauschbare Hauptplatinen; die spätere versorgt den PC-Card-Slot mit mehr Strom.

netBook Pro 2003: Windows CE statt EPOC

Im Oktober 2003 kündigte Psion Teklogix das netBook Pro an. Es brachte einen Intel XScale PXA255 mit 400 MHz, 128 MB RAM und ein SVGA-Farbdisplay mit 800 × 600 Pixeln, lief aber mit Windows CE .NET 4.2. Das alte netBook wurde im November 2003 eingestellt. Auf dem netBook Pro lässt sich auch Linux betreiben.

Aus unserer Sicht war der Wechsel zu Windows CE folgerichtig, auch wenn er für EPOC-Fans wie ein Rückschritt wirkte. Psion hatte sich 2001 aus dem Endkundengeschäft zurückgezogen und verkaufte fast nur noch an Unternehmen, in deren IT Windows den Ton angab. Das netBook Pro war damit kein Psion im alten Sinn mehr, sondern ein Industrie-Handheld mit Laptop-Format.

MerkmalnetBookSerie 7netBook Pro
Erscheinungsjahr199920002003
ZielgruppeUnternehmenPrivatkundenUnternehmen
ProzessorStrongARM SA-1100, 190 MHzStrongARM SA-1100, 132,71 MHzIntel XScale PXA255, 400 MHz
RAM32 MB, erweiterbar16 MB (+ 16 MB ROM)128 MB
Display640 × 480, Farbe, Touch640 × 480, Farbe, Touch800 × 600, Farbe (SVGA)
BetriebssystemEPOC Release 5 (aus RAM)EPOC Release 5 (aus ROM)Windows CE .NET 4.2

Die Netbook-Welle ab 2007

Mit dem Eee PC von Asus begann 2007 eine neue Geräteklasse: kleine, billige Notebooks mit sparsamen Prozessoren, gedacht vor allem fürs Internet. Ab 2008 verwendete Intel den Begriff „Netbook“ als Gattungsnamen für diese Klasse, und die Branche übernahm ihn. Laut Wikipedia erreichten Netbooks zeitweise rund 20 Prozent des Markts für tragbare Computer. Mit dem iPad ab 2010 begann der Abstieg: 2011 verkauften sich Tablets erstmals besser, im September 2012 kündigten Asus, Acer und MSI an, keine 10-Zoll-Netbooks mehr zu bauen. Die Nische übernahmen später Chromebooks.

Der Markenstreit um „Netbook“ 2008 und 2009

Psion Teklogix sah in der neuen Welle eine Verletzung seiner Marke. Am 23. Dezember 2008 verschickte das Unternehmen Unterlassungsaufforderungen, unter anderem an Enthusiasten-Websites. Psions Anwälte warfen Intel vor, Hersteller und Händler zur Nutzung des Begriffs anzustiften, und verlangten, dass Intel ihn nicht mehr verwendet. Danach ging es schnell:

  • Februar 2009, Dell: Dell beantragte beim Trademark Trial and Appeal Board des US-Markenamts die Löschung der Marke. Begründung laut TechCrunch: Psion nutze die Marke nicht mehr, habe falsche Angaben zur Nutzung gemacht, und der Begriff sei zum Gattungsnamen geworden.
  • Februar 2009, Intel: Intel verklagte Psion Teklogix vor dem Bundesbezirksgericht für Nordkalifornien auf Löschung. Intel argumentierte, Psion habe dem Markenamt im November 2006 eine fortlaufende fünfjährige Nutzung bestätigt, obwohl das letzte netBook-Modell 2003 eingestellt worden sei. Psion forderte seinerseits Schadenersatz von Intel.
  • Psions Zahlen: Laut The Register gab Psion an, das Gerät weiter zu verkaufen; der US-Umsatz habe im März 2009 bei 13.650 US-Dollar gelegen, nach gut 2 Millionen im Jahr 2006.
  • 1./2. Juni 2009, Einigung: Beide Seiten legten den Streit außergerichtlich bei. Psion kündigte an, alle Eintragungen der Marke freiwillig zurückzuziehen und auf Ansprüche gegen Dritte wegen früherer, aktueller oder künftiger Nutzung des Begriffs zu verzichten. Keine Seite erkannte eine Haftung an, weitere Bedingungen wurden nicht veröffentlicht.

Psions Position war von Anfang an schwach. Das US-Markenamt hatte schon zuvor ähnliche Anmeldungen wie „G NETBOOK“ (Oktober 2008) und „COBY NETBOOK“ (Januar 2009) wegen Verwechslungsgefahr mit Psions Marke abgelehnt, was die Marke zwar formal bestätigte. Gegen einen Begriff, den Hersteller, Händler und Käufer längst als Gattungsnamen benutzten, und ein Produkt, das kaum noch verkauft wurde, ließ sie sich aber nicht halten. Für Markeninhaber zeigt der Fall, wie angreifbar eine Marke wird, hinter der kein aktiv verkauftes Produkt mehr steht.

Was vom netBook heute bleibt

Der Name gehört heute niemandem mehr, und das Gerät selbst ist ein Sammlerstück. Seine Idee hat sich aber durchgesetzt: ein leichter Rechner mit echter Tastatur, der sofort startet, einen Arbeitstag lang durchhält und vor allem für E-Mail, Web und Texte gedacht ist. Genau das verkaufen Chromebooks und Tablets mit Tastaturhülle heute. Wer ein netBook oder eine Serie 7 betreibt, nutzt für den Datenaustausch dieselben Werkzeuge wie für die Serie 5; dazu mehr im Ratgeber Psion-Geräte heute nutzen. Die Vorgänger mit Schiebetastatur beschreibt der Artikel zur Psion Serie 5 und dem Revo.

Quellen