3dfx und die Voodoo-Karten: Aufstieg und Ende eines Pioniers

3dfx und die Voodoo-Karten: Aufstieg und Ende eines Pioniers

Kaum eine Hardwarefirma hat in so kurzer Zeit so viel verändert wie 3dfx. Zwischen 1996 und 2000 machte das Unternehmen 3D-Beschleunigung auf dem PC zum Standard, erfand mit SLI den Betrieb mehrerer Grafikkarten im Verbund und schuf mit Glide eine eigene Grafikschnittstelle, auf die damals fast jedes Actionspiel setzte. Ende 2000 übernahm NVIDIA den Großteil der Firma. Hier die Stationen, die Fehlentscheidungen und wie man Glide-Spiele heute noch startet.

Voodoo Graphics: die 3D-Zusatzkarte von 1996

3dfx wurde im August 1994 von drei ehemaligen Mitarbeitern von Silicon Graphics gegründet. Der Chipsatz Voodoo Graphics ging im November 1995 in Produktion, die erste Karte im Handel war die Righteous 3D von Orchid im Oktober 1996. Sie hatte 4 MB EDO-RAM bei 50 MHz und konnte nur 3D. Für Windows und DOS brauchte man weiter eine normale 2D-Karte, ein kurzes VGA-Kabel schleifte das Bild durch die Voodoo zum Monitor.

Der Durchbruch kam über Glide, eine schlanke Programmierschnittstelle, die genau auf die Fähigkeiten des Chips zugeschnitten war. Spiele mit Glide-Unterstützung liefen auf Voodoo-Karten sichtbar schneller und sauberer als im Software-Modus. Ende 1997 war Voodoo Graphics der am weitesten verbreitete 3D-Beschleuniger bei Spielern und Entwicklern.

Voodoo2 und SLI: zwei Karten, ein Bild

Die Voodoo2 erschien Anfang 1998 und brachte drei Chips mit, darunter eine zweite Textureinheit, die zwei Texturen in einem Durchgang auftragen konnte. Takt: 90 MHz, Speicher: 8 oder 12 MB, davon jeweils 4 MB Bildspeicher. Auch sie war eine reine 3D-Karte.

Neu war Scan-Line Interleave, kurz SLI. Zwei Voodoo2 im Rechner, verbunden durch ein Kabel, berechneten abwechselnd je eine Bildzeile. Das hob die maximale Auflösung von 800 × 600 auf 1024 × 768 und steigerte die Leistung deutlich. Der Texturspeicher verdoppelte sich dabei nicht, weil jede Karte die kompletten Szenendaten vorhalten musste.

Banshee, Voodoo3 und die Wette auf eigene Karten

Ende 1998 kam mit der Banshee der erste Einzelchip mit eigener 2D-Einheit, allerdings nur mit einer Textureinheit. Im Dezember 1998 kaufte 3dfx für 141 Millionen US-Dollar den Kartenhersteller STB Systems, um Grafikkarten selbst zu bauen und zu verkaufen, statt nur Chips an andere Kartenhersteller zu liefern.

Die Voodoo3 erschien im Frühjahr 1999. Technisch war sie im Kern eine Voodoo2 mit integrierter 2D-Einheit und doppeltem Takt. Intern rechnete sie mit 32 Bit Genauigkeit, gab das Bild aber auf 16 Bit gerastert aus, was 3dfx mit einem Filter als „22-Bit-Qualität“ vermarktete. Ihr Gegner war NVIDIAs Riva TNT2, mit der sie sich in Benchmarks abwechselnd die Spitze teilte.

GeForce 256 und Rage Fury MAXX

Im Oktober 1999 änderte sich das Kräfteverhältnis. NVIDIA brachte die GeForce 256, vermarktet als erste „GPU“, mit Hardware-Transform-and-Lighting (T&L): Die Geometrieberechnung wanderte vom Prozessor auf die Grafikkarte. 3dfx hielt dagegen, ein schneller Prozessor gleiche das aus, und hatte damit kurzfristig nicht ganz unrecht: Breit genutzt wurde Hardware-T&L erst ab der GeForce 2 und der ersten Radeon. ATI setzte im selben Monat mit der Rage Fury MAXX auf zwei Rage-128-Pro-Chips, die abwechselnd ganze Bilder berechneten. Unter Windows 2000 und XP lief davon nur ein Chip, weil das Betriebssystem zwei AGP-Grafikchips auf einer Karte nicht unterstützte.

VSA-100: Voodoo4, Voodoo5 und die legendäre 6000

Der Chip VSA-100 war als Baustein gedacht: eine Karte, beliebig viele Chips. Im Juni 2000 erschien die Voodoo5 5500 mit zwei Chips und 64 MB, im Oktober die Voodoo4 4500 mit einem Chip und 32 MB. Erstmals konnte 3dfx 32-Bit-Farbtiefe in 3D darstellen. Die Stärke war Kantenglättung per Rotated-Grid-Supersampling über den sogenannten T-Buffer, damals sichtbar schöner als bei der Konkurrenz.

Die Voodoo5 6000 sollte vier VSA-100 mit 166 MHz und 128 MB vereinen und brauchte dafür ein externes Netzteil namens „Voodoo Volts“, weil die Karte mehr Strom zog, als der AGP-Steckplatz liefern durfte. Geplant war ein Preis von rund 600 US-Dollar. Sie kam nie in den Handel, es existieren nur Prototypen, deren Stückzahl je nach Quelle stark schwankt. Im Februar 2023 wurde ein laut Verkäufer funktionsfähiges Exemplar der Revision 3700 bei eBay für 15.000 US-Dollar verkauft.

Das Ende: NVIDIA übernimmt 3dfx

Am 15. Dezember 2000 gab NVIDIA bekannt, den Großteil der 3dfx-Vermögenswerte zu kaufen, vor allem Patente und Know-how. Der Preis: rund 70 Millionen US-Dollar in bar plus eine Million NVIDIA-Aktien, zusammen etwa 112 Millionen US-Dollar. 3dfx verpflichtete sich zur Auflösung, laufende Patentstreitigkeiten wurden beendet. Den Support für die eigenen Produkte stellte 3dfx im Februar 2001 ein, im Oktober 2002 folgte die Insolvenz. Glide selbst hatte 3dfx bereits im Dezember 1999 unter der GPL freigegeben.

Rückblickend kamen mehrere Fehlentscheidungen zusammen: Die Voodoo3 gab nur 16-Bit-Bilder aus, als die Konkurrenz 32 Bit bot, 3dfx setzte gegen Hardware-T&L auf schnelle Prozessoren, der STB-Kauf machte aus dem Chipentwickler einen Kartenhersteller mit allen Risiken, und die Voodoo5 kam erst Mitte 2000 gegen eine bereits etablierte GeForce-Reihe. Wie die Konzepte von damals in heutigen Grafikchips weiterleben, erklärt der Artikel Wie funktioniert eine GPU.

Modding um die Jahrtausendwende

Parallel zum Grafikkarten-Wettrüsten entstand eine Bastelszene, die den beigen Standard-PC ablehnte. Typisch waren Seitenfenster im Gehäuse, Kaltkathodenröhren als Beleuchtung, eigene Luftführungen und erste selbst gebaute Wasserkühlungen. Bei Grafikkarten ging es um größere Kühler, zusätzliche Lüfter und Übertaktung, später auch um das Freischalten deaktivierter Pipelines. Diese Phase beschreibt der Überblick über die Grafikkarten-Klassiker 2002 bis 2010.

Voodoo-Karten heute: Sammeln und Glide-Wrapper

Der Preis der Voodoo5 6000 ist ein Sonderfall, für gewöhnliche Serienkarten gibt es keinen belastbaren Marktpreis. Zustand, Hersteller und Zubehör entscheiden, abgeschlossene Auktionen sind der einzige brauchbare Anhaltspunkt. Wer die Karte im Originalsystem betreiben will, braucht Windows 98 oder DOS, ein passendes Mainboard mit AGP oder PCI und bei Voodoo1 und Voodoo2 zusätzlich eine 2D-Karte.

Wer nur die alten Spiele spielen will, braucht keine Voodoo mehr. Zwei Wrapper übersetzen Glide-Aufrufe in moderne Schnittstellen:

  • nGlide von Zeus Software unterstützt Glide 2.1, 2.4 und 3.0, übersetzt sie nach Direct3D und erlaubt höhere Auflösungen, Breitbilddarstellung und VSync. Es wird per Installationsprogramm eingerichtet und bringt ein eigenes Einstellungsfenster mit.
  • dgVoodoo2 emuliert neben Glide auch alte DirectX-Versionen und DirectDraw. Seit Version 2.7 kann es auch Direct3D 12 als Unterbau nutzen. Die aktuelle Version und die Versionshistorie stehen auf der offiziellen Seite des Entwicklers.

Die Empfehlung aus der Praxis: Für reine Glide-Spiele zuerst nGlide probieren, weil es ohne Konfiguration auskommt. Läuft ein Spiel damit nicht, oder nutzt es zusätzlich alte DirectX-Versionen, ist dgVoodoo2 die flexiblere Lösung.

Quellen