Podcast produzieren: Konzept, Technik, Hosting und Rechte

Podcast produzieren: Konzept, Technik, Hosting und Rechte

Ein Podcast ist schnell gestartet und ebenso schnell wieder eingeschlafen. Die meisten Sendungen scheitern nicht an der Technik, sondern daran, dass nach fünf Folgen die Themen, die Gäste oder die Zeit fehlen. Wer vorher das Format festlegt, einen schlichten Workflow aufsetzt und die Rechtefragen klärt, kommt mit überschaubarem Budget auf eine Qualität, die neben professionellen Produktionen bestehen kann.

Das Publikum ist da: Laut ARD/ZDF-Medienstudie 2025 hören 14 Prozent der Menschen ab 14 Jahren täglich Podcasts, bei den 14- bis 29-Jährigen nutzen 48 Prozent das Format regelmäßig, bei den 50- bis 69-Jährigen 25 Prozent.

Das Format festlegen, bevor das Mikrofon gekauft wird

Vier Entscheidungen bestimmen, ob ein Podcast durchhält: Wer genau soll zuhören, welches Format, wie lang und wie oft. Für Unternehmen funktioniert das Interviewformat mit Kunden, Partnern oder Fachleuten aus der Branche am besten. Es liefert Inhalte, die man allein nicht hätte, und jeder Gast teilt die Folge in seinem Netzwerk. Solo-Podcasts verlangen eine starke Stimme und viel Vorbereitung, Panel-Runden mit vier Personen werden schnell unübersichtlich.

Ein Rhythmus, den Sie ein Jahr lang halten können, ist wichtiger als hohe Frequenz. Alle zwei Wochen ist für ein kleines Team realistisch. Noch entspannter sind Staffeln, etwa acht Folgen mit anschließender Pause. Vor dem Start sollten mindestens drei Folgen fertig im Kasten liegen.

Beispiel (hypothetisch): Ein Hersteller von Planungssoftware für Ingenieurbüros produziert eine Staffel mit zehn Gesprächen zu je 30 Minuten, Gäste sind Büroinhaber und Fachplaner. Das Ziel ist nicht Reichweite, sondern Vertrauen bei rund 2.000 potenziellen Kunden im deutschsprachigen Raum. Schon 200 Hörer pro Folge wären hier ein Erfolg, wenn es die richtigen sind. Wie sich solche Inhalte in den Vertriebsprozess einfügen, beschreibt der Beitrag zum Sales Funnel.

Mikrofon und Raum: wo sich Geld lohnt

Für Sprache in normalen Räumen ist ein dynamisches Mikrofon fast immer die bessere Wahl als ein Kondensatormikrofon. Es nimmt vor allem das auf, was direkt davor passiert, und weniger Raumhall und Tastaturklappern. Modelle mit USB- und XLR-Anschluss sind ein guter Einstieg, weil sie direkt am Rechner laufen und später an ein Audiointerface wandern können. Ein Beispiel ist das Røde PodMic USB, das laut delamar mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 259 Euro gelistet ist.

Der Raum ist wichtiger als der Preis des Mikrofons. Ein kleines Zimmer mit Teppich, Vorhängen, Sofa und vollen Regalen klingt besser als ein großer, kahler Besprechungsraum. Halten Sie das Mikrofon etwa eine Handbreit vom Mund entfernt und tragen Sie geschlossene Kopfhörer, damit nichts aus den Lautsprechern zurück ins Mikrofon gelangt.

BausteinEmpfehlungKosten
MikrofonDynamisch, USB und XLRz. B. Røde PodMic USB, UVP 259 Euro
SchnittAudacity (Open Source) oder der Editor des Hosterskostenlos
NachbearbeitungAuphonic: Lautheit, Pegelausgleich, Rauschreduzierung2 Stunden pro Monat kostenlos
HostingPodigee oder Spotify for Creators0 bis 19 Euro im Monat für einen Podcast

Aufnahme und Schnitt mit klaren Zielwerten

Sprechen Sie frei nach Stichpunkten, nicht vom Blatt. Ein ausformuliertes Skript klingt fast immer abgelesen, völlig ohne Notizen verliert man den roten Faden. Bei Ferninterviews sollte jede Person auf ihrer Seite lokal aufnehmen, damit Verbindungsaussetzer nicht in der Aufnahme landen.

Im Schnitt entfernen Sie lange Pausen, Versprecher und Störgeräusche, aber nicht jedes „äh“. Zu glatt geschnittene Gespräche wirken unnatürlich. Danach geht es um die Lautheit: Apple empfiehlt für Podcasts etwa -16 LKFS mit einer Toleranz von ±1 dB und einen True Peak von höchstens -1 dBFS, gemessen nach ITU-R BS.1770. Werkzeuge wie Auphonic erledigen das automatisch. Als Ausgabeformat für den Feed empfiehlt Apple AAC, MP3 wird ebenso akzeptiert, für Sprache in Mono reichen 64 bis 128 kbit/s bei 44,1 oder 48 kHz.

Hosting, RSS-Feed und der Weg zu Spotify und Apple

Ein Podcast ist technisch ein RSS-Feed mit Audiodateien. Der Hoster speichert die Dateien, erzeugt den Feed und liefert Statistiken. Selbst hosten lohnt sich nur für Bastler: Downloadzahlen, Bandbreite und Feed-Validierung sind Arbeit, die Hoster für wenig Geld abnehmen.

  • Spotify for Creators ist kostenlos, Sendungen erscheinen automatisch auf Spotify und können über den RSS-Feed auch an andere Plattformen gehen. Gut für den Start, aber die Daten liegen bei Spotify.
  • Podigee aus Deutschland bietet einen dauerhaft kostenlosen Tarif mit 60 Minuten Audio, unbegrenztes Audio für einen Podcast gibt es ab 19 Euro im Monat. Podigee ist offizieller Partner von Spotify, die Einreichung läuft direkt aus dem Hoster.
  • Apple Podcasts nimmt den Feed über Apple Podcasts Connect auf. Das Cover muss quadratisch sein, ideal 3000 × 3000 Pixel, mindestens 1400 × 1400, als PNG oder JPG ohne Transparenz.

Unsere Empfehlung: Unternehmen wählen einen eigenständigen Hoster, damit der Feed und die Statistiken unabhängig von einer Plattform bleiben. Titel und Beschreibung sollten in Worten formuliert sein, nach denen Ihre Zielgruppe sucht. Ein Firmenname allein findet niemand.

Musik, GEMA und Gäste: die Rechtefragen

Musik aus dem Radio oder von Spotify darf nicht einfach in den Podcast. Die GEMA bietet mit dem Tarif VR-OD 14 eine Lizenz für Podcasts an, abgerechnet pro Podcast nach Abrufen und Musikminuten, ab 5 Euro für eine Musikminute bei bis zu 10.000 Abrufen. Der Haken: Der Tarif deckt nur die Rechte der Komponisten und Texter ab. Die Leistungsschutzrechte an der Aufnahme selbst sind ausdrücklich ausgenommen und müssen beim Label geklärt werden, B2B-Geschäftsmodelle sind ebenfalls ausgenommen. Für kommerzielle Musik ist das in der Praxis kaum handhabbar.

Einfacher ist Musik ohne GEMA-Bindung. „GEMA-frei“ heißt aber nicht kostenlos oder lizenzfrei, sondern nur, dass die Urheber nicht von der GEMA vertreten werden. Prüfen Sie die Lizenz: Creative-Commons-Musik mit dem Zusatz NC (nicht kommerziell) ist für Firmenpodcasts tabu, bei CC BY muss der Urheber genannt werden. Am saubersten ist ein eigens komponierter Jingle mit schriftlicher Rechteübertragung.

Für Gäste gilt: Lassen Sie sich vor der Aufnahme schriftlich bestätigen, dass das Gespräch veröffentlicht, geschnitten und für Ausschnitte in sozialen Medien genutzt werden darf. Und wer geschäftlich podcastet, braucht auf der Podcast-Website ein Impressum nach § 5 Digitale-Dienste-Gesetz.

Hörer gewinnen, wo die Zielgruppe schon ist

Ein Podcast wird auf Spotify und Apple kaum zufällig entdeckt. Hörer kommen über bestehende Kanäle:

  • Eine Seite pro Folge auf der eigenen Website mit Shownotes, Links und Transkript. Das macht die Inhalte für Suchmaschinen auffindbar, ähnlich wie ein Blog.
  • Hinweis auf neue Folgen im Newsletter und in der E-Mail-Signatur.
  • Kurze Videoclips mit Untertiteln für LinkedIn oder Instagram, je nach Zielgruppe.
  • Gäste mit fertigen Texten und Clips versorgen, damit sie die Folge leicht teilen können.

Wer den Podcast nicht als Marketinginstrument, sondern als eigenes Produkt betreibt, verdient über Sponsoren, Affiliate-Links oder Unterstützerplattformen. Spotify bietet zudem ein eigenes Partnerprogramm. Realistisch ist das erst ab einem stabilen Publikum. Für Unternehmen ist der bessere Maßstab, ob die Folgen in Verkaufsgesprächen erwähnt werden und Gäste zu Kunden oder Partnern werden.

Quellen