Ein RSS-Feed liefert neue Artikel einer Website direkt in ein Programm Ihrer Wahl, ohne Algorithmus, ohne Konto beim Anbieter und ohne dass eine Plattform entscheidet, was Sie zu sehen bekommen. Dieser Artikel erklärt, wie das technisch funktioniert, welche Feedreader 2026 empfehlenswert sind, wie Sie Feeds aufspüren, auch bei YouTube und Mastodon, und wie Sie selbst einen sauberen Feed anbieten. Dazu kommt die alte Streitfrage, ob ein Feed den ganzen Text oder nur einen Anriss enthalten sollte.
So funktioniert ein Feed
Ein Feed ist eine XML-Datei unter einer festen Adresse. Sie enthält die jüngsten Einträge einer Website, jeweils mit Titel, Link, Datum und einer Beschreibung oder dem vollständigen Text. Ein Feedreader ruft diese Datei in regelmäßigen Abständen ab, erkennt neue Einträge und zeigt sie chronologisch an. Die Website erfährt dabei nicht, wer sie abonniert hat; sie sieht nur Abrufe des Readers. Ein minimaler RSS-2.0-Feed sieht so aus:
<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<rss version='2.0'>
<channel>
<title>Beispiel-Blog</title>
<link>https://example.com/</link>
<description>Notizen über das Schreiben im Netz</description>
<item>
<title>Warum Feeds wiederkommen</title>
<link>https://example.com/feeds/</link>
<pubDate>Mon, 12 Oct 2026 08:00:00 +0200</pubDate>
<description>Der erste Absatz oder der ganze Text</description>
</item>
</channel>
</rss>
Von Netscape über Atom bis zum Ende von Google Reader
RSS 0.90 veröffentlichte Netscape am 15. März 1999 für sein Portal My Netscape, entworfen von Ramanathan Guha. Danach verzweigte sich die Entwicklung: Eine RDF-basierte Linie wurde als RSS 1.0 bekannt, die einfachere Linie führte über Versionen von Netscape und UserLand Software zu RSS 2.0, das UserLand am 19. August 2002 veröffentlichte. Dave Winer prägte diese Linie maßgeblich. Weil RSS 2.0 an mehreren Stellen unscharf blieb, entstand mit Atom ein Gegenentwurf, den die IETF im Dezember 2005 als RFC 4287 standardisierte. Feedreader verstehen heute beide Formate; für Nutzer spielt der Unterschied keine Rolle.
Die Blütezeit fiel in die Jahre der großen Blogs. Google Reader, 2005 gestartet, war das Werkzeug der Wahl, bis Google am 13. März 2013 die Abschaltung zum 1. Juli 2013 ankündigte, mit Verweis auf sinkende Nutzung. Firefox entfernte Ende 2018 mit Version 64 seine eingebauten dynamischen Lesezeichen für Feeds. Viele hielten RSS damit für tot. Tatsächlich lief es weiter im Hintergrund von Podcasts, Nachrichtenaggregatoren und Fediverse-Diensten.
Feedreader im Vergleich
| Reader | Plattformen | Kosten und Grenzen |
| Feedly | Web, Android, iOS | Gratisversion mit bis zu 100 Quellen, Bezahlstufen mit KI-Funktionen |
| Inoreader | Web, Android, iOS | Gratis bis 150 Feeds mit Werbung; Pro 7,50 US-Dollar im Monat bei Jahreszahlung |
| NetNewsWire 7 | macOS 15+, iPhone, iPad | Kostenlos und quelloffen; Sync über iCloud, Feedly, Inoreader, FreshRSS u. a. |
| Thunderbird | Windows, macOS, Linux | Kostenlos; Feeds erscheinen wie E-Mail-Ordner |
| FreshRSS | eigener Server | Kostenlos, selbst gehostet; mit Apps synchronisierbar |
Für den Einstieg reicht Inoreader oder Feedly im Browser. Wer ein Apple-Gerät nutzt und keine Lust auf Konten hat, ist mit NetNewsWire gut bedient. Thunderbird eignet sich für alle, die ohnehin dort ihre Mails lesen: Unter Datei → Neu legen Sie ein Feed-Konto an, klicken dann auf dessen Namen und wählen Abonnements verwalten. In das Feld für die Feed-Adresse fügen Sie die URL ein und bestätigen mit Hinzufügen. Alternativ ziehen Sie einen Feed-Link aus dem Browser direkt auf das Konto.
Feeds finden, auch ohne Feed-Symbol
Das orangefarbene Feed-Symbol ist auf vielen Websites verschwunden, die Feeds selbst meist nicht. In fast jedem Reader genügt es, die Startseite einer Website einzufügen: Er sucht im Quelltext nach einem Verweis wie <link rel='alternate' type='application/rss+xml'> und findet den Feed selbst. Klappt das nicht, helfen typische Adressen:
- WordPress-Websites:
/feed/hinter der Domain, für Kommentare/comments/feed/, für eine Kategorie/category/name/feed/; - YouTube-Kanäle:
https://www.youtube.com/feeds/videos.xml?channel_id=plus Kanal-ID; - Mastodon-Profile: Profiladresse plus
.rss, also etwahttps://instanz.social/@name.rss; - Reddit: an die Adresse eines Subreddits
.rssanhängen.
Wer Inhalte aus dem Fediverse lieber per Feed verfolgt, statt sich ein weiteres Konto anzulegen, findet im Artikel Fediverse und Mastodon statt Facebook den Hintergrund dazu.
Einen eigenen Feed anbieten
WordPress erzeugt Feeds automatisch, im Format RSS 2.0 ebenso wie als Atom, für die Website, für Kommentare, Kategorien, Schlagwörter und Autoren. Unter „Einstellungen → Lesen“ legen Sie fest, wie viele der neuesten Beiträge der Feed enthält (Standard: zehn) und ob er für jeden Beitrag den ganzen Text oder nur einen Auszug zeigt. Statische Website-Generatoren wie Hugo erzeugen ebenfalls von Haus aus einen Feed, bei anderen genügt ein Plugin.
Damit Reader den Feed finden, gehört ein Verweis in den <head> jeder Seite:
<link rel='alternate' type='application/rss+xml'
title='Beispiel-Blog' href='https://example.com/feed/'>
Vor dem Start lohnt ein Test mit dem Feed-Validator des W3C. Häufige Fehler sind kaputte Sonderzeichen, relative Links, die im Reader ins Leere führen, und Bilder ohne absolute URL. Wer ohnehin bloggt, findet im Beitrag Warum bloggen? Argumente, die auch für den Feed als treuesten Verbreitungsweg sprechen.
Volltext oder gekürzter Feed?
Kaum eine Frage hat Blogger um 2010 so beschäftigt. Für gekürzte Feeds sprechen aus Sicht der Anbieter mehr Besuche auf der Website, Werbeeinnahmen und Statistiken, außerdem erschweren sie Content-Diebstahl durch Seiten, die Feeds automatisch kopieren. Leser empfinden Kürzungen dagegen oft als Gängelung: Sie müssen für jeden Text den Reader verlassen und landen auf Seiten voller Banner und Cookie-Dialoge.
Unsere Einschätzung: Für Blogs und Fachseiten ist der Volltext-Feed die bessere Wahl. Wer per RSS liest, gehört meist zu den treuesten Lesern und klickt sich ohnehin durch, wenn ein Text Kommentare, Grafiken oder weiterführende Links bietet. Gegen Kopierseiten hilft ein automatischer Hinweis mit Link zum Original am Ende jedes Feed-Eintrags. Gekürzte Feeds sind vertretbar, wenn ein Geschäftsmodell an Seitenaufrufen hängt, dann aber mit einem aussagekräftigen ersten Absatz statt drei abgeschnittenen Zeilen.
Jeder offene Podcast ist ein RSS-Feed
Podcasts sind der Bereich, in dem RSS nie an Bedeutung verloren hat. Ein Podcast ist technisch ein RSS-2.0-Feed, in dem jede Folge ein <enclosure>-Element mit Adresse, Dateigröße und Dateityp der Audiodatei trägt. Apple Podcasts verlangt, dass dieser Feed der RSS-2.0-Spezifikation folgt und öffentlich ohne Passwort erreichbar ist. Podcast-Apps abonnieren genau diesen Feed; deshalb lässt sich eine Sendung in jeder beliebigen App hören. Ausnahmen sind exklusive Formate, die eine Plattform nur in ihrer eigenen App anbietet; sie sind im strengen Sinn keine Podcasts mehr.
Lohnt sich RSS im Jahr 2026?
Für alle, die regelmäßig Fachblogs, Behördenmeldungen oder Nachrichtenquellen verfolgen, ja. Ein Feedreader ersetzt Dutzende Newsletter und Social-Media-Timelines, zeigt jede Meldung genau einmal und verzichtet auf Empfehlungsalgorithmen. Der Aufwand liegt beim Einrichten: Die ersten 20 bis 30 Quellen zusammenzutragen dauert eine Stunde. Danach spart RSS täglich Zeit. Für Website-Betreiber kostet ein sauberer Feed fast nichts und erreicht genau die Leser, die wiederkommen wollen.
Quellen
- RSS Advisory Board: RSS History
- Google: A second spring of cleaning (13. März 2013)
- WordPress.org: Settings Reading Screen
- WordPress Developer Resources: WordPress Feeds
- Mozilla Support: How to Subscribe to News Feeds and Blogs (Thunderbird)
- NetNewsWire
- Inoreader: Pricing
- Apple Podcasts for Creators: Podcast requirements







