Die meisten Keyword-Listen scheitern nicht an fehlenden Daten, sondern daran, dass sie Suchbegriffe sammeln statt Suchabsichten. Wer für „Zeiterfassung“ ranken will, konkurriert mit Lexikon-Einträgen, Gesetzestexten und Softwareanbietern zugleich. Wer weiß, welche Absicht hinter einer Anfrage steckt, kann entscheiden, ob dafür eine Produktseite, ein Ratgeber oder gar keine Seite die richtige Antwort ist.
Ein Keyword ist eine Frage, kein Wort
Google gleicht Suchanfragen längst nicht mehr Buchstabe für Buchstabe mit Texten ab, sondern versteht Synonyme, Umschreibungen und Zusammenhänge. Für die Praxis heißt das: Eine Seite muss das Keyword nicht in jeder Schreibweise enthalten. Sie muss die Frage dahinter besser beantworten als die anderen Ergebnisse. Varianten wie „Zeiterfassung App Handwerk“ und „Arbeitszeiterfassung für Handwerker“ gehören deshalb auf dieselbe Seite und nicht auf zwei.
Suchintention: Know, Do, Website, Visit-in-Person
Die Richtlinien für Googles Qualitätsprüfer (Stand September 2025) unterscheiden vier Grundtypen von Suchabsichten. Die Einteilung ist kein Rankingfaktor, aber ein gutes Raster für die eigene Planung.
| Intention | Beispielanfrage | Passender Seitentyp |
|---|---|---|
| Know (Wissen) | Ist Arbeitszeiterfassung Pflicht? | Ratgeber mit klarer Antwort und Quelle |
| Know Simple | Mindestlohn 2026 | Kaum lohnend, Google beantwortet das oft direkt |
| Do (Handeln) | Zeiterfassung App kostenlos testen | Produkt- oder Anmeldeseite |
| Website | Personio Login | Nur für die eigene Marke relevant |
| Visit-in-Person | Steuerberater in der Nähe | Unternehmensprofil plus Standortseite |
Der schnellste Test ist ein Blick in die Suchergebnisse. Stehen dort nur Ratgeber, wird eine Produktseite kaum mithalten, egal wie gut sie optimiert ist. Stehen dort Shops und Vergleichsportale, hat ein Blogartikel schlechte Karten.
Keyword-Recherche am Beispiel einer Handwerker-Software
Ein hypothetischer Anbieter von Zeiterfassung für Handwerksbetriebe geht so vor:
- Sprache der Kunden sammeln. Notizen aus Vertriebsgesprächen, Support-Tickets und Kundenmails durchsehen. Handwerker schreiben eher „Stundenzettel digital“ als „Workforce Management“. Mehr dazu im Beitrag über die Sprache der Zielgruppe.
- Eigene Daten auswerten. Im Leistungsbericht der Search Console nach Suchanfragen mit vielen Impressionen, aber Position 8 bis 30 filtern. Das sind Themen, für die Google die Website schon für relevant hält.
- Ideen erweitern. Google-Autovervollständigung, den Block „Weitere Fragen“ und den Google Keyword Planner nutzen.
- Wettbewerber prüfen. Mit Sistrix oder Ahrefs ansehen, für welche Begriffe zwei, drei direkte Konkurrenten ranken.
- Clustern. Begriffe mit gleicher Absicht zu einer Gruppe zusammenfassen und jeder Gruppe genau eine URL zuordnen.
Das Ergebnis sieht dann etwa so aus (Beispiel, Priorität nach Geschäftswert, nicht nach Volumen):
| Cluster | Intention | Ziel-URL | Priorität |
|---|---|---|---|
| Zeiterfassung Handwerk App, Stundenzettel digital | Do | Produktseite | Hoch |
| Arbeitszeiterfassung Pflicht Handwerk | Know | Ratgeber | Hoch, bringt passende Leser |
| Stundenzettel Vorlage Excel | Do | Download-Seite mit Vorlage | Mittel, Leser noch nicht kaufbereit |
| Was ist Zeiterfassung | Know Simple | keine eigene Seite | Niedrig |
Keyword-Tools: Kosten und Einsatzzweck
| Tool | Kosten (Stand Oktober 2026) | Stärke |
|---|---|---|
| Google Search Console | kostenlos | Echte Suchanfragen der eigenen Website |
| Google Keyword Planner | Google-Ads-Konto mit Zahlungsdaten nötig | Schätzwerte für Suchvolumen und Klickpreise |
| Sistrix | ab 119 € netto pro Monat | Deutscher Markt, Sichtbarkeitsindex, Wettbewerbsvergleich |
| Ahrefs | Starter 29 $, Lite 129 $ pro Monat | Große internationale Keyword- und Backlink-Datenbank |
Meine Empfehlung für kleine und mittlere Websites: Search Console und Keyword Planner dauerhaft, dazu ein kostenpflichtiges Tool für einen einmaligen Recherche-Monat und danach höchstens einmal im Quartal. Ein Jahresabo lohnt sich erst, wenn jemand im Team jede Woche damit arbeitet.
Suchvolumen mit Vorsicht lesen
Alle Volumenangaben sind Schätzungen, und verschiedene Tools nennen für denselben Begriff oft deutlich unterschiedliche Werte. Auch die „Keyword Difficulty“ ist eine tool-eigene Formel und zwischen Anbietern nicht vergleichbar. Im B2B ist ein Begriff mit 30 Suchen im Monat und klarer Kaufabsicht oft mehr wert als einer mit 5.000 Suchen von Studierenden. Long-Tail-Anfragen aus drei, vier Wörtern sind zudem leichter zu gewinnen und zeigen die Absicht genauer.
Keywords auf der Seite einsetzen
- Hauptbegriff in den Title und die H1, möglichst weit vorn und in natürlicher Formulierung.
- Im ersten Absatz klar sagen, worum es geht, ohne den Begriff zu wiederholen, wo es holpert.
- Zwischenüberschriften an echten Unterfragen ausrichten, etwa aus „Weitere Fragen“.
- Bilder mit beschreibendem Alt-Text versehen, wie im Beitrag zur Google-Bildersuche erklärt.
- Kurze, lesbare URL wählen; der Rankingeffekt eines Keywords im Pfad ist laut Google gering.
- Das Meta-Tag „keywords“ weglassen: Google nutzt es nicht.
Eine Ziel-Keyword-Dichte gibt es nicht. Wer Begriffe gezielt häuft, riskiert, dass Google das als Keyword-Stuffing wertet, was gegen die Spam-Richtlinien verstößt. Häufiger als zu viele Keywords ist ein anderes Problem: Zwei Seiten derselben Website bedienen dieselbe Absicht und stehen sich gegenseitig im Weg. Die Lösung ist meist, beide zusammenzuführen und die schwächere URL per 301 auf die stärkere umzuleiten. Wie Keywords in die übrigen SEO-Bausteine eingebettet sind, zeigt der Leitfaden zur Suchmaschinenoptimierung.







