In vielen mittelständischen Firmen kümmern sich ein bis zwei Leute nebenbei um das Marketing, oft zusammen mit Messe, Katalog und Personalanzeigen. Laut KfW haben in den Jahren 2022 bis 2024 nur 30 Prozent der Mittelständler überhaupt ein Digitalisierungsprojekt abgeschlossen, und die Ausgaben dafür sanken auf 23,8 Milliarden Euro. Am Wissen fehlt es selten. Das eigentliche Problem sind zehn halbe Baustellen statt drei fertiger. Dieser Leitfaden setzt deshalb eine Reihenfolge.
Die Reihenfolge: erst Anfragen auffangen, dann Reichweite kaufen
Die häufigste Fehlinvestition im Mittelstand ist Werbung auf eine Website, die keine Anfragen erzeugt. Jeder Euro für Reichweite verpufft, solange Besucher nicht finden, was sie suchen, oder der Kontaktweg umständlich ist. Die folgende Rangfolge passt für die meisten B2B-Firmen mit 20 bis 500 Mitarbeitern; nach der Definition des IfM Bonn gelten Unternehmen bis 499 Beschäftigte und 50 Millionen Euro Umsatz als KMU.
| Rang | Maßnahme | Laufende Kosten | Lohnt sich, wenn |
| 1 | Website mit Leistungsseiten, Referenzen und einfachem Kontakt | Hosting und Pflege, intern 2–4 Std./Woche | immer |
| 2 | Google Unternehmensprofil | kostenlos | Kunden aus der Region kommen oder Standorte gesucht werden |
| 3 | Anfragen zentral erfassen (CRM oder zumindest eine gepflegte Tabelle) | 0–50 Euro pro Nutzer und Monat | mehr als eine Person Anfragen bearbeitet |
| 4 | Suchmaschinenoptimierung für 10–20 Suchanfragen mit Kaufabsicht | vor allem Arbeitszeit | Kunden aktiv nach der Lösung suchen |
| 5 | Newsletter an Bestandskunden und Interessenten | Brevo z. B. kostenlos bis 300 Mails pro Tag | es regelmäßig etwas Neues gibt (Produkte, Termine, Anwendungsfälle) |
| 6 | LinkedIn über die Profile von Geschäftsführung und Fachleuten | Arbeitszeit | die Kunden Entscheider in Unternehmen sind |
| 7 | Bezahlte Suchanzeigen | ab einigen Hundert Euro im Monat sinnvoll testbar | Anfragen messbar sind und die Website konvertiert |
Beim Unternehmensprofil lohnt sich Sorgfalt: Google ordnet lokale Ergebnisse nach Relevanz, Entfernung und Bekanntheit, wobei Bewertungen und Verweise anderer Websites in die Bekanntheit einfließen. Ein besseres Ranking lässt sich ausdrücklich nicht kaufen. Vollständige Kategorien, Öffnungszeiten, echte Fotos und Antworten auf Rezensionen kosten nur Zeit.
Was ein kleines Team getrost weglassen kann
- Präsenz auf allen Netzwerken. Ein Maschinenbauer, dessen Kunden Instandhaltungsleiter sind, braucht kein TikTok. Ein verwaister Kanal mit dem letzten Beitrag von 2023 wirkt schlechter als gar keiner.
- Eine eigene App. Für fast alle Mittelständler genügt eine mobil gut bedienbare Website.
- Ein Podcast als erstes Content-Projekt. Hoher Aufwand pro Folge, schwer messbar, kaum auffindbar über Suchmaschinen.
- Follower als Ziel. Reichweite auf Social Media ersetzt keine Anfragen. Wer nur eine Zahl verfolgen kann, sollte Anfragen pro Monat zählen.
Fünf Seiten, die im B2B tatsächlich Anfragen bringen
Eine Website muss nicht groß sein. Sie muss die Fragen beantworten, die ein Einkäufer oder Techniker vor dem ersten Anruf hat. Diese Checkliste deckt das Wesentliche ab:
- Eine Seite pro Leistung oder Produktgruppe, mit Einsatzbereichen, technischen Eckdaten und Grenzen.
- Referenzen mit Branche, Aufgabe und Ergebnis, notfalls anonymisiert („Lebensmittelhersteller, 300 Mitarbeiter“).
- Eine Seite „Ablauf und Lieferzeit“: Was passiert nach der Anfrage, wie lange dauert ein Projekt?
- Ansprechpartner mit Foto, Zuständigkeit und Durchwahl statt nur eines Formulars.
- Ein kurzes Kontaktformular mit einem Feld „Wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden?“, damit Sie später wissen, welcher Kanal wirkt.
Für die Suchmaschinenoptimierung gilt Googles eigene Empfehlung: Inhalte sollen hilfreich, zuverlässig und auf Menschen ausgerichtet sein. Google weist zudem darauf hin, dass Änderungen teils erst nach Monaten wirken. Wer im Januar anfängt, sollte vor dem Sommer kein Urteil fällen. Wie man die passenden Suchbegriffe findet, beschreibt der Beitrag zu SEO-Keywords; eine klare Website-Navigation hilft Besuchern wie Suchmaschinen.
Beispiel: Jahresplan für zwei Personen und 30.000 Euro
Ein hypothetisches Beispiel: Ein Hersteller von Förderbandsystemen mit 80 Mitarbeitern verkauft in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eine Marketingkraft in Vollzeit, dazu eine Vertriebsassistentin mit einem Tag pro Woche. Externes Budget: 30.000 Euro im Jahr.
| Quartal | Schwerpunkt | Externes Budget (Beispiel) |
| Q1 | Leistungsseiten überarbeiten, Referenzen sammeln, Kontaktformular mit Quellenfeld, Unternehmensprofil vervollständigen | 12.000 Euro (Texter, Fotograf, Webagentur) |
| Q2 | Sechs Fachartikel zu den häufigsten Kundenfragen, Messe-Nachfassprozess festlegen | 6.000 Euro |
| Q3 | Quartalsnewsletter an Bestandskunden starten, Geschäftsführer postet zweimal im Monat auf LinkedIn | 2.000 Euro |
| Q4 | Suchanzeigen-Test für drei Produktbegriffe, Auswertung nach Anfragequelle | 10.000 Euro (davon 8.000 Klickbudget) |
Entscheidend ist die Logik: Anzeigen kommen zuletzt, weil erst dann eine Website steht, die aus Klicks Anfragen macht, und ein Formular, das die Quelle mitschreibt.
Messe und Außendienst digital verlängern
Klassisches und digitales Marketing ergänzen sich, am deutlichsten bei Messen. Auf dem Stand entsteht der Kontakt, die Website festigt ihn. In der Praxis scheitert das an der Nacharbeit: Visitenkarten liegen wochenlang in der Schublade. Besser ist eine feste Regel, etwa Nachfass-Mail mit dem besprochenen Datenblatt innerhalb von zwei Werktagen, Eintrag ins CRM noch am Messetag. Weitere Ideen stehen in den Tipps zum Messe-Marketing.
Tracking und E-Mail: die zwei rechtlichen Stolpersteine
Stand Oktober 2026, ohne Rechtsberatung: Wer Analyse- oder Werbe-Cookies setzt, braucht nach § 25 TDDDG vorher eine Einwilligung, sofern der Zugriff nicht unbedingt erforderlich ist. Ein Cookie-Banner mit gleichwertiger Ablehnen-Schaltfläche ist deshalb Pflicht, sobald Google Analytics oder ein Werbepixel läuft.
Bei E-Mail-Werbung unterscheidet das UWG nicht zwischen Privat- und Geschäftskunden: § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG verlangt eine vorherige ausdrückliche Einwilligung. Die Ausnahme in § 7 Abs. 3 UWG erlaubt Werbung an Bestandskunden für eigene ähnliche Produkte, wenn die Adresse beim Verkauf erhoben wurde, kein Widerspruch vorliegt und bei jeder Mail auf das Widerspruchsrecht hingewiesen wird. Visitenkarten von der Messe sind keine Einwilligung für den Newsletter. Mehr dazu im Beitrag zum B2B-E-Mail-Marketing.
Woran Sie nach zwölf Monaten den Erfolg messen
- Anzahl qualifizierter Anfragen pro Monat, getrennt nach Quelle (Suche, Empfehlung, Messe, Newsletter, LinkedIn).
- Anteil der Anfragen, aus denen ein Angebot wird.
- Umsatz aus Aufträgen, deren erste Anfrage online kam.
- Für das Unternehmensprofil: Anrufe und Routenanfragen, die Google im Profil anzeigt.
Wenn nach einem Jahr eine dieser Zahlen klar steigt und die anderen nicht fallen, war die Reihenfolge richtig. Für den nächsten Schritt hilft eine schriftliche Marketingstrategie, die Zielgruppen und Budget festlegt.
Quellen
- KfW: Pressemitteilung vom 23.04.2026 zum Digitalisierungsbericht Mittelstand
- IfM Bonn: KMU-Definition
- Google: Tipps zur Verbesserung des lokalen Rankings
- Google Search Central: SEO-Leitfaden für Einsteiger
- § 7 UWG: Unzumutbare Belästigungen
- § 25 TDDDG: Schutz der Privatsphäre bei Endeinrichtungen
- Brevo: Preise und Tarife







