HTML-E-Mail oder Nur-Text: Was wann sinnvoll ist

HTML-E-Mail oder Nur-Text: Was wann sinnvoll ist

Fast jede E-Mail, die heute verschickt wird, enthält HTML: Logos, Farben, Schaltflächen, Signaturen mit Bildern. Reiner Text wirkt dagegen altmodisch, hat aber handfeste Vorteile bei Sicherheit, Datenschutz und Lesbarkeit. Dieser Beitrag erklärt, wie eine HTML-Mail technisch aufgebaut ist, welche Risiken Tracking-Pixel und externe Inhalte mit sich bringen, wo Nur-Text nach wie vor erwartet wird und wie Sie in Outlook, Thunderbird, Apple Mail und Gmail auf reinen Text umstellen (Stand Oktober 2026).

Wie eine HTML-Mail aufgebaut ist: multipart/alternative

E-Mail war ursprünglich ein reines Textmedium. Erst MIME, standardisiert unter anderem in RFC 2046 vom November 1996, erlaubte Anhänge und mehrere Darstellungsformen in einer Nachricht. Für HTML-Mails ist der Inhaltstyp multipart/alternative entscheidend: Die Nachricht enthält denselben Inhalt in mehreren Fassungen, üblicherweise zuerst als Text, danach als HTML. Laut RFC stehen die Teile in aufsteigender Treue zum Original, das Mailprogramm zeigt die letzte Fassung an, die es darstellen kann.

Content-Type: multipart/alternative; boundary="trenner"



--trenner
Content-Type: text/plain; charset=utf-8



Hallo, hier ist der Text ohne Formatierung.



--trenner
Content-Type: text/html; charset=utf-8



<p>Hallo, hier ist der <strong>formatierte</strong> Text.</p>



--trenner--

Wer Nur-Text eingestellt hat, sieht also im Idealfall den Textteil. In der Praxis ist dieser bei Newslettern oft lieblos generiert: abgeschnittene Zeilen, endlose Tracking-Links, fehlende Inhalte. Seriöse Absender pflegen beide Fassungen.

Was für HTML spricht und was dagegen

HTML erlaubt Überschriften, Listen, Tabellen und Links mit lesbarem Linktext statt langer URLs. Für Newsletter, Rechnungen oder Versandbestätigungen ist das ein echter Gewinn an Übersicht. Auch im Büroalltag helfen Hervorhebungen und Aufzählungen, wenn sie sparsam eingesetzt werden.

Die Nachteile: HTML-Mails sind größer, werden je nach Programm unterschiedlich dargestellt und bieten Angriffsfläche. Der Linktext kann eine ganz andere Adresse verbergen als die, auf die der Link tatsächlich führt. Genau davon leben Phishing-Mails, die eine Bank oder einen Paketdienst täuschend echt nachbauen. In einer Nur-Text-Ansicht steht die echte Adresse dagegen sichtbar im Text.

KriteriumHTML-MailNur-Text
GestaltungLayout, Bilder, Tabellen, SchaltflächenKeine, nur Absätze und Zeichen
DatenschutzExterne Bilder und Zählpixel möglichKein Nachladen von Inhalten
Phishing-RisikoLinkziel hinter Text versteckbarAdresse sichtbar
DarstellungJe nach Programm unterschiedlichÜberall gleich
BarrierefreiheitGut bei sauberer Struktur, schlecht bei BildmailsRobust, aber ohne Gliederungsmittel

Tracking-Pixel und externe Inhalte

Viele Newsletter enthalten ein winziges, unsichtbares Bild, das beim Öffnen vom Server des Absenders geladen wird. Dieser Abruf verrät, dass und wann die Mail geöffnet wurde, dazu die IP-Adresse, aus der sich der ungefähre Standort ableiten lässt, sowie Hinweise auf Programm und Gerät. Mozilla weist in der Thunderbird-Hilfe außerdem darauf hin, dass Spammer so prüfen, ob eine Adresse aktiv ist. Thunderbird lädt entfernte Inhalte deshalb standardmäßig nicht und blendet einen Hinweisbalken ein, über den sich Ausnahmen für einzelne Absender festlegen lassen.

Apple geht einen anderen Weg: Mit der Option „Mail-Aktivität schützen“ (Mail > Einstellungen > Datenschutz) lädt Apple Mail externe Inhalte bereits beim Empfang über Zwischenserver und verbirgt die IP-Adresse. Die Öffnungsstatistik des Absenders wird damit wertlos. Gmail lädt Bilder ebenfalls über eigene Proxy-Server, sodass der Absender zumindest nicht die IP-Adresse des Lesers sieht. Wer seine Spuren auch im Browser reduzieren möchte, findet in unserem Beitrag zum Thema Browserverlauf deaktivieren die passenden Einstellungen.

Dass HTML-Darstellung ein Sicherheitsrisiko sein kann, zeigte im Mai 2018 die Forschungsarbeit EFAIL: Über manipulierte HTML-Mails ließen sich verschlüsselte OpenPGP- und S/MIME-Nachrichten unter bestimmten Bedingungen im Klartext abgreifen. Als Sofortmaßnahme rieten Fachleute damals, die HTML-Anzeige und das Nachladen externer Inhalte abzuschalten. Die betroffenen Programme sind längst gepatcht, das Grundprinzip gilt aber weiter: Je weniger ein Mailprogramm automatisch aus dem Netz holt, desto kleiner die Angriffsfläche.

Barrierefreiheit: Struktur statt Bildmail

Reiner Text funktioniert mit jedem Screenreader und jeder Braillezeile. HTML ist aber nicht automatisch schlechter: Eine Mail mit echten Überschriften, Listen und aussagekräftigen Alternativtexten lässt sich gut vorlesen und per Tastatur durchsuchen. Problematisch sind Mails, die im Kern aus einem einzigen Bild bestehen, Text in Grafiken, zu geringer Kontrast und Layout-Tabellen ohne erkennbare Lesereihenfolge. Wer HTML-Newsletter verschickt, sollte deshalb die Textfassung nicht vernachlässigen und jede wichtige Information als echten Text liefern.

Netiquette und Mailinglisten, die Text verlangen

Die Netiquette-Richtlinien in RFC 1855 vom Oktober 1995 stammen aus einer Zeit vor HTML-Mails. Einige Empfehlungen sind trotzdem aktuell: Zeilen unter 65 Zeichen halten, Großbuchstaben nur sparsam einsetzen (sie wirken wie Schreien) und Signaturen auf höchstens vier Zeilen beschränken. Hervorhebungen gelingen in Text mit *Sternchen* oder _Unterstrichen_.

In technischen Communities ist Nur-Text bis heute Pflicht. Die Dokumentation des Linux-Kernels empfiehlt ausdrücklich reinen Text und beschreibt sogar, wie man Thunderbird dafür einrichtet; Patches sollen im Nachrichtentext stehen, nicht als Anhang. Viele Listen von Open-Source-Projekten weisen HTML-Mails ab oder entfernen den HTML-Teil. Auch das Zitieren unterscheidet sich: Üblich ist, nur die relevanten Passagen mit vorangestelltem „>“ zu übernehmen und darunter zu antworten, statt die komplette Vorgeschichte unter der eigenen Antwort mitzuschleppen. Kurze, gut gegliederte Sätze machen Text-Mails zusätzlich angenehm lesbar, Tipps dafür bietet unser Beitrag Guter Stil, klare Sprache.

So stellen Sie Ihr Mailprogramm auf Nur-Text um

Outlook (klassisch und neu)

Im klassischen Outlook für Windows: Datei > Optionen > E-Mail, dann unter „Nachrichten verfassen“ das Format „Nur-Text“ wählen. Eingehende Mails zeigt das klassische Outlook als Text an, wenn im Trust Center unter „E-Mail-Sicherheit“ die Option „Alle Standardnachrichten im Nur-Text-Format lesen“ aktiv ist. Im neuen Outlook für Windows und in Outlook im Web: Einstellungen > E-Mail > Verfassen und beantworten, unter „Nachrichtenformat“ auf Nur-Text umstellen und speichern.

Thunderbird

Das Format wird pro Konto festgelegt: Konten-Einstellungen > Verfassen & Adressieren, Haken bei „Nachrichten im HTML-Format verfassen“ entfernen. Für die Anzeige eingehender Mails: Ansicht > Nachrichteninhalt > Reiner Text. Beim Verfassen einer einzelnen HTML-Mail lässt sich mit gedrückter Umschalttaste auf „Verfassen“ klicken, um ausnahmsweise das jeweils andere Format zu nutzen.

Apple Mail auf dem Mac

Mail > Einstellungen > Verfassen, dort als Format „Reiner Text“ wählen. Eine einzelne Nachricht wandeln Sie über Format > In reinen Text umwandeln um. Praktisch ist die Option „Dasselbe Format verwenden wie in der Original-E-Mail“: So bleiben Antworten an Mailinglisten automatisch in Text.

Gmail im Browser

Im Fenster „Schreiben“ unten auf das Drei-Punkte-Menü „Weitere Optionen“ klicken und „Nur-Text-Modus“ wählen. Dabei geht vorhandene Formatierung verloren. Die Gmail-Hilfe beschreibt diesen Schalter nur für die Webversion am Computer.

HTML-Signaturen: schick, aber oft kaputt

Firmensignaturen mit Logo, Social-Media-Symbolen und Farbbalken gehören zu den häufigsten HTML-Elementen im Geschäftsverkehr. Sie haben typische Probleme: Eingebettete Bilder erscheinen beim Empfänger als Anhänge, extern verlinkte Bilder werden blockiert und hinterlassen leere Rahmen, und bei Antworten im Textformat bleibt ein Wirrwarr aus Bildnamen und Links übrig. Robuster ist eine Signatur, die auch als Text funktioniert: Name, Funktion, Firma, Telefonnummer, Website. Die alte Usenet-Konvention, die Signatur mit einer Zeile aus zwei Bindestrichen und einem Leerzeichen („-- “) abzutrennen, ist in RFC 3676 festgehalten. Viele Programme erkennen diesen Trenner und lassen die Signatur beim Zitieren weg.

Unsere Empfehlung für Alltag und Newsletter

Für persönliche und geschäftliche Korrespondenz reicht Nur-Text fast immer und ist die sicherere Wahl, vor allem beim Lesen. Wer nicht ganz auf HTML verzichten will, sollte zumindest externe Inhalte blockieren beziehungsweise bei Apple Mail „Mail-Aktivität schützen“ aktivieren und Links vor dem Klicken prüfen. Für Newsletter ist HTML legitim, solange der Textteil ordentlich gepflegt, die Mail ohne Bilder verständlich und das Tracking offen erklärt ist. Für Mailinglisten gilt schlicht: Text, kurze Zeilen, gezielt zitieren.

Quellen