The East ist ein US-amerikanischer Thriller aus dem Jahr 2013. Regie führte Zal Batmanglij, das Drehbuch schrieben Batmanglij und Brit Marling gemeinsam. Marling übernahm auch die Hauptrolle. Der Film erzählt die Geschichte einer Agentin, die im Auftrag eines privaten Sicherheitsunternehmens ein anarchistisches Kollektiv namens „The East“ unterwandert. Dabei gerät sie zunehmend in einen moralischen Konflikt zwischen ihrem Auftrag und den Idealen der Gruppe. Der Film hatte seine Premiere am 20. Januar 2013 beim Sundance Film Festival und kam im Mai 2013 in die US-amerikanischen Kinos. In Deutschland lief er unter dem Originaltitel. Der Film behandelt Themen wie Unternehmenskriminalität, Umweltzerstörung, zivilen Ungehorsam und die Frage, wie weit man für Gerechtigkeit gehen darf.
Worum es in dem Film wirklich geht
Die Protagonistin Jane Owen, gespielt von Brit Marling, ist eine ehemalige FBI-Agentin. Sie arbeitet nun für die private Sicherheitsfirma Hiller Brood. Diese Firma hat einen klaren Zweck: Sie schützt Großkonzerne vor Skandalen. Dazu schleust sie Mitarbeiter in Aktivistengruppen ein, die den Konzernen schaden könnten.
Eine neue Gruppe macht Schlagzeilen. Sie nennt sich „The East“. Ihre erste bekannte Aktion: Sie brechen in das Haus eines Vorstandsvorsitzenden ein. Dieser ist verantwortlich für eine Ölkatastrophe. Die Gruppe verteilt große Mengen Rohöl im gesamten Haus. Ein Video davon stellen sie ins Internet. Es wird viral.
Jane bekommt den Auftrag, die Gruppe zu infiltrieren. Sie nimmt eine falsche Identität an. Ab jetzt heißt sie Sarah Moss. Sie bewegt sich in Aussteiger- und Freeganerkreisen. Dort trifft sie auf Luca, einen Transvestiten, der Verbindungen zu „The East“ hat. Jane beschützt ihn vor Angriffen privater Sicherheitskräfte. Dadurch gewinnt sie sein Vertrauen.
Um den Kontakt nicht zu verlieren, verletzt sich Jane absichtlich selbst. Luca bringt sie zu einem Arzt, der ebenfalls Mitglied der Gruppe ist. So gelangt Jane in das Haus der Gruppe. Dort leben alle Mitglieder zusammen.
Jane gibt sich als Gleichgesinnte aus. Sie täuscht vor, dieselben Überzeugungen und Ideale zu teilen. Die Gruppe akzeptiert sie. Jane nimmt an den folgenden Aktionen teil. Gleichzeitig berichtet sie ihrem Arbeitgeber über alles.
Dann stirbt ein Mitglied. Bei einer Aktion wird jemand durch eine Schusswunde verletzt und überlebt nicht. Die Gruppe bricht daraufhin auseinander. Jane beginnt, an ihrem Auftrag zu zweifeln. Sie fragt sich: Kann sie ihre Arbeit noch moralisch vertreten?
Die Gruppe trifft sich ein letztes Mal. Für eine finale Aktion. Jane ist dabei. Aber es kommt anders als erwartet. Es stellt sich heraus: Jane selbst und die Firma Hiller Brood sind das Ziel. Luca und ein weiteres Mitglied wussten die ganze Zeit über Janes wahre Identität. Sie wollen mit ihrer Hilfe eine Liste aller Undercover-Agenten bekommen und veröffentlichen.
Am Ende bricht Jane sowohl mit der Gruppe als auch mit Hiller Brood. Sie nutzt die Liste und ihre Insiderinformationen, um die Machenschaften der Großkonzerne öffentlich zu machen. Der Film endet mit einer Protagonistin, die ihren eigenen moralischen Kompass gefunden hat.
Die Besetzung
Die Besetzung des Films ist hochkarätig. Neben Brit Marling als Jane Owen spielen Alexander Skarsgård als Benji, der charismatische Anführer von „The East“, und Ellen Page (heute Elliot Page) als Izzy, ein leidenschaftliches Mitglied der Gruppe. Patricia Clarkson spielt Sharon, Janes Chefin bei Hiller Brood. Weitere Rollen übernahmen Shiloh Fernandez als Luca und Toby Kebbell als Doc.
Regie führte Zal Batmanglij. Er hatte zuvor mit dem Film Sound of My Voice (2011) Aufmerksamkeit erregt. Auch dort arbeitete er mit Brit Marling zusammen. Die beiden kennen sich seit dem Studium an der Georgetown University. Ihr gemeinsames Interesse an alternativen Lebensformen und deren Philosophien floss direkt in das Drehbuch ein.
Die Produktion übernahmen unter anderem Ridley Scott und Michael Costigan über die Firma Scott Free Productions. Das Budget lag bei etwa 6,5 Millionen US-Dollar. Das ist wenig für einen Film mit so bekannten Namen. Aber genau das gab dem Projekt eine gewisse Unabhängigkeit.
Die Kameraarbeit stammt von Roman Vasyanov. Er setzte auf natürliches Licht und eine gedämpfte Farbpalette. Das verstärkt das Gefühl von Untergrund und Geheimnis. Die Filmmusik komponierte Halli Cauthery. Sie ist zurückhaltend und spannungsgeladen zugleich.
Wurzeln
Brit Marling und Zal Batmanglij haben die Geschichte nicht einfach erfunden. Beide verbrachten nach ihrem Studium Zeit in verschiedenen anarchistischen Gemeinschaften und bei Freeganer-Gruppen. Sie lebten zeitweise ohne festen Wohnsitz. Sie aßen weggeworfene Lebensmittel. Sie erlebten, wie Menschen jenseits der normalen Gesellschaft funktionieren.
Diese persönlichen Erfahrungen bilden das Fundament des Films. Die Gruppe „The East“ im Film ist keine reine Fiktion. Sie basiert auf echten Aktivistengruppen, die gegen Konzerne vorgehen. Gruppen wie die Yes Men oder verschiedene Umweltaktivisten dienten als Inspiration.
Der Film greift reale Unternehmensskandale auf. Die Ölpest im Film erinnert an die Deepwater-Horizon-Katastrophe von 2010. Die Vergiftung durch Medikamente im Film verweist auf reale Fälle, in denen Pharmakonzerne gefährliche Nebenwirkungen verschwiegen haben. Der Film stellt die Frage: Wo endet ziviler Ungehorsam und wo beginnt Terrorismus?
Diese Frage ist nicht neu. Aber der Film behandelt sie nicht schwarz-weiß. Er zeigt die Perspektive beider Seiten. Die Konzerne sind nicht nur böse. Die Aktivisten sind nicht nur gut. Jane steht genau dazwischen. Und das macht den Film interessant.
Kritik
Die Kritiken waren überwiegend positiv. Auf Rotten Tomatoes erreichte der Film etwa 70 Prozent positive Bewertungen. Kritiker lobten vor allem die Schauspielleistungen und das intelligente Drehbuch. Besonders Brit Marlings Darstellung wurde hervorgehoben. Sie spielt die innere Zerrissenheit ihrer Figur überzeugend und ohne Übertreibung.
Einige Kritiker merkten an, dass der Film in der zweiten Hälfte etwas an Spannung verliert. Die Wendungen gegen Ende seien teilweise vorhersehbar. Aber insgesamt wurde der Film als kluge Unterhaltung mit Tiefgang wahrgenommen.
An den Kinokassen lief es weniger gut. Der Film spielte weltweit nur rund 2,4 Millionen US-Dollar ein. Bei einem Budget von 6,5 Millionen war das ein finanzieller Misserfolg. Das lag wohl an der begrenzten Vermarktung. Der Film lief in nur wenigen Kinos gleichzeitig.
In Deutschland erschien der Film im Kino und später auf DVD und Blu-ray. Er fand hier vor allem bei Zuschauern Anklang, die sich für Themen wie Umweltschutz und Konzernkritik interessieren. In der deutschen Filmlandschaft gibt es eine lange Tradition von Filmen, die sich mit gesellschaftlichen Ost-West-Spannungen und politischen Themen beschäftigen — wenn auch in ganz anderem Kontext. zeit.de
Was der Film über unsere Gesellschaft aussagt
The East ist mehr als ein Thriller. Er ist ein Kommentar über Machtstrukturen. Der Film zeigt, wie Großkonzerne private Sicherheitsfirmen nutzen, um Kritiker zum Schweigen zu bringen. Das ist keine Fantasie. In der realen Welt tun Unternehmen genau das.
Der Film fragt auch: Was passiert, wenn jemand zu lange eine Rolle spielt? Jane verliert zunehmend den Überblick, wer sie eigentlich ist. Ist sie die loyale Angestellte? Oder sympathisiert sie mit den Aktivisten? Diese Identitätskrise ist ein zentrales Motiv.
Dazu kommt die Frage nach Gerechtigkeit. Die Gruppe „The East“ bestraft Konzerne mit der gleichen Methode, mit der diese anderen schaden. Sie nennen es „Jams“ – Aktionen, bei denen die Verantwortlichen das erleben, was sie anderen angetan haben. Der Vorstand, der eine Ölpest verantwortet, bekommt Öl in sein Haus. Die Pharma-Manager müssen ihr eigenes gefährliches Medikament schlucken.
Das Prinzip ist einfach: Auge um Auge. Aber der Film zeigt auch die Grenzen dieses Ansatzes. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Menschen sterben. Und am Ende profitiert niemand davon.
Dieses Thema ist heute noch relevanter als 2013. Umweltaktivismus steht weltweit stärker im Fokus. Gruppen wie Extinction Rebellion oder die Letzte Generation nutzen zivilen Ungehorsam, um auf Probleme aufmerksam zu machen. Die gesellschaftliche Debatte darüber ist kontrovers. The East liefert dazu keinen einfachen Standpunkt, sondern Material zum Nachdenken.
Ähnliche Filme
The East steht in einer Tradition von Filmen über Undercover-Agenten, die ihre Loyalität verlieren. Vergleichbar ist etwa Donnie Brasco (1997), in dem ein FBI-Agent die Mafia unterwandert und sich emotional verstrickt. Oder Der Spion, der aus der Kälte kam (1965), wo die moralischen Grenzen zwischen Ost und West verschwimmen.
Im Bereich des Öko-Thrillers ist der Film verwandt mit Erin Brockovich (2000), auch wenn dort der Ton ganz anders ist. Auch Michael Manns The Insider (1999) behandelt den Kampf Einzelner gegen übermächtige Konzerne.
In der deutschen Filmlandschaft gibt es ebenfalls Werke, die sich kritisch mit gesellschaftlichen Zuständen befassen. Filme wie Das Leben der Anderen (2006) oder Good Bye, Lenin! (2003) setzen sich mit politischen Systemen und deren Einfluss auf den Einzelnen auseinander. Auch neuere Produktionen wie die MDR-Dokumentation „EAST! – Mein Jahr in Zeitz“ zeigen, wie filmische Erzählungen gesellschaftliche Realitäten abbilden können.
Die Dokumentation „Der Osten in den Medien“ (2024) behandelt wiederum, wie Ostdeutsche in den Medien dargestellt werden. Das Thema der verzerrten Wahrnehmung – hier von Regionen, dort von Aktivistengruppen – verbindet diese Werke thematisch.
Auch der Film Ostkreuz (1991) von Michael Klier zeigt, wie sich Individuen in politisch aufgeladenen Zeiten orientieren müssen. Die Protagonistin Elfie kämpft nach der Flucht aus der DDR im Westen um ein neues Leben.
Übersicht
| Kategorie | Details |
|---|---|
| Originaltitel | The East |
| Erscheinungsjahr | 2013 |
| Land | USA |
| Sprache | Englisch |
| Regie | Zal Batmanglij |
| Drehbuch | Zal Batmanglij, Brit Marling |
| Produktion | Ridley Scott, Michael Costigan |
| Kamera | Roman Vasyanov |
| Musik | Halli Cauthery |
| Schnitt | Andrew Weisblum |
| Laufzeit | ca. 116 Minuten |
| Budget | ca. 6,5 Mio. USD |
| Einspielergebnis | ca. 2,4 Mio. USD |
| FSK | 12 |
Fazit
The East ist ein Film, der nicht laut ist. Er schreit seine Botschaft nicht heraus. Stattdessen baut er langsam Spannung auf und lässt die Zuschauer selbst entscheiden, auf welcher Seite sie stehen. Das ist seine größte Stärke. Er respektiert sein Publikum.
Der Film zeigt, dass die Grenzen zwischen richtig und falsch oft fließend sind. Er zeigt auch, dass persönliche Integrität wichtiger ist als Loyalität gegenüber einem Arbeitgeber oder einer Gruppe. Jane findet am Ende ihren eigenen Weg. Einen Weg, der weder den Konzernen noch den Aktivisten vollständig passt. Aber es ist ihr Weg.
Für alle, die sich für Unternehmenskritik, Umweltthemen und moralische Grauzonen interessieren, bleibt The East ein sehenswerter Film. Er mag nicht perfekt sein. Aber er stellt die richtigen Fragen.







