Streif – One Hell of a Ride ist ein österreichischer Dokumentarfilm aus dem Jahr 2014. Regie führten Gerald Salmina und Tom Dauer. Der Film widmet sich der Streif in Kitzbühel – der wohl bekanntesten und gefährlichsten Abfahrtsstrecke im alpinen Skisport. Anlass war das 75-jährige Jubiläum des Hahnenkammrennens. Der Film begleitet fünf Skirennfahrer über ein ganzes Jahr bei ihrer Vorbereitung auf das Rennen im Januar 2014. Parallel zeigt er die Arbeit des Kitzbüheler Skiclubs, der die Strecke für das Rennen vorbereitet. Archivmaterial aus acht Jahrzehnten Renngeschichte ergänzt die Erzählung. Der Kinostart in Österreich war am 25. Dezember 2014, in Deutschland am 15. Januar 2015. Produziert wurde der Film von Red Bull Media House und Frei Audio. Mit über 189.000 Kinobesuchern in Österreich gehörte er zu den erfolgreichsten österreichischen Filmen des Jahrgangs. Er wurde 2015 mit der Romy als beste Kino-Dokumentation ausgezeichnet.
| Originaltitel | Streif – One Hell of a Ride |
| Produktionsland | Österreich |
| Jahr | 2014 |
| Genre | Dokumentarfilm, Sportfilm |
| Länge | 110 Minuten |
| Regie | Gerald Salmina, Tom Dauer |
| Drehbuch | Gerald Salmina, Tom Dauer, Axel Naglich |
| Kamera | Günther Göberl |
| Schnitt | David Hofer |
| Musik | Manfred Plessl |
| Produktion | Red Bull Media House, Frei Audio |
| Verleih | Red Bull Media House / Thimfilm |
| FSK | ab 0 |
| Kinostart (AT) | 25. Dezember 2014 |
| Kinostart (DE) | 15. Januar 2015 |
Worum es in dem Film geht
Der Film dreht sich um das Hahnenkammrennen 2014 auf der Streif – einer Abfahrtsstrecke am Hahnenkamm oberhalb von Kitzbühel in Tirol. Die Strecke ist 3.312 Meter lang, überwindet 860 Höhenmeter und hat an der steilsten Stelle, der sogenannten Mausefalle, ein Gefälle von 85 Prozent. Geschwindigkeiten von über 140 km/h sind keine Seltenheit. Seit 1937 wird hier gefahren.
Im Mittelpunkt stehen fünf Skirennfahrer, die der Film über zwölf Monate begleitet:
- Aksel Lund Svindal (Norwegen) – damals einer der besten Abfahrer der Welt
- Erik Guay (Kanada) – Familienvater und Mitfavorit, der wegen einer Knieverletzung nicht starten konnte
- Max Franz (Österreich) – junger, ungestümer Rennfahrer
- Hannes Reichelt (Österreich) – ruhiger Typ, der am Ende das Rennen 2014 tatsächlich gewann
- Juryj Danilatschkin (Belarus) – Außenseiter im Weltcup, der unter schwierigen Bedingungen in Minsk trainiert
Der Film zeigt ihre Trainingsroutinen, ihre mentale Vorbereitung und ihre persönlichen Geschichten. Er fängt ein, wie die Fahrer im Sommer über Almen joggen, Gewichte stemmen und sich auf den einen großen Tag vorbereiten.
Gleichzeitig erzählt der Film die Geschichte hinter den Kulissen. Der Kitzbüheler Skiclub und hunderte freiwillige Helfer arbeiten das ganze Jahr daran, die Strecke herzurichten. Im Winter 2014 drohte wegen Tauwetter eine Absage des Rennens. Das Team musste alles dafür tun, die Strecke trotzdem rennfertig zu machen.
Ein Blick in die Renngeschichte
Neben den aktuellen Geschichten der fünf Protagonisten blickt der Film auf die Geschichte des Hahnenkammrennens zurück. Archivmaterial zeigt die großen Namen der Vergangenheit. Man sieht körnige Aufnahmen von Toni Sailer und dem „Kitzbüheler Wunderteam“ der 1950er-Jahre. Franz Klammer, der die Streif viermal gewann, kommt ebenso zu Wort wie Hermann Maier.
Als Erzähler des Films treten zwei ehemalige Rennfahrer auf: der Schweizer Didier Cuche, mit fünf Siegen Rekordhalter auf der Streif, und der Amerikaner Daron Rahlves. Cuche erzählt, warum er trotz all seiner Erfolge „jedes Mal dankbar war, Kitzbühel gesund verlassen zu dürfen“. Rahlves erinnert sich an seine Duelle mit Stephan Eberharter.
Der Film thematisiert auch die schweren Stürze, die es auf der Streif gegeben hat. Besonders die Schicksale des Schweizers Daniel Albrecht und des Österreichers Hans Grugger werden aufgegriffen. Beide erlitten schwere Unfälle auf der Streif und mussten ihren Weg zurück ins normale Leben finden. Albrecht lag nach seinem Sturz 2009 drei Wochen im Koma. Grugger beendete nach seinem Sturz 2011 seine Karriere.
Auch der Slalom auf dem Ganslernhang wird gestreift – mit dem Duell zwischen Felix Neureuther und dem österreichischen Skistar Marcel Hirscher.
Wie der Film entstand
Regisseur Gerald Salmina hatte zuvor den Dokumentarfilm „Mount St. Elias“ gedreht. Nach einer Expedition zum Everest, bei der er eine Eislawine nur knapp überlebte, suchte er ein neues Skiprojekt. Zusammen mit Axel Naglich, der in Kitzbühel aufgewachsen ist, entstand die Idee zum Film.
Salmina besuchte die Hahnenkammrennen 2011 und 2012 zunächst ohne festen Plan, um Eindrücke zu sammeln. Dann holte er Tom Dauer als Co-Regisseur und Drehbuchautor dazu. Der Drehaufwand war enorm:
- 148 Drehtage
- 18 Kamerateams
- über 1.000 Stunden gedrehtes Material
Kameramann Günther Göberl setzte modernste Technik ein. Superzeitlupen, Helmkameras und aufwendige Streckenaufnahmen zeigen das Rennen aus Perspektiven, die es im Fernsehen so nie zu sehen gab. Körper fliegen über Kuppen, rasen durch Steilhänge mit 85 Prozent Gefälle, prallen auf eisige Pisten. Das wurde technisch so eingefangen, dass die körperlichen Belastungen der Fahrer sichtbar werden – Kräfte von bis zu 3,1 g wirken im Karussell auf die Athleten.
Die Musik stammt von Manfred Plessl, der Schnitt von David Hofer. Beide arbeiteten später auch an Salminas Film „Manaslu – Der Berg der Seelen“.
Was die Kritiker dazu sagten
Die Kritiken fielen gemischt aus. Was alle lobten: die Bilder. Die Aufnahmen vom Rennen, die Superzeitlupen, die Streckenansichten – das war technisch beeindruckend. Was viele störte: die Inszenierung.
Der Filmdienst urteilte, der Film porträtiere „die Strecke ebenso wie ein halbes Dutzend ihrer siegreichen Bezwinger“. Aber trotz der „spektakulären Schauwerte“ ermüde der „unkritische Film durch seine enervierende Lobhudelei“ und erschöpfe sich „in der pathetischen Feier unerschrocken-männlichen Heldentums“.
Die Wiener Zeitung Die Presse war milder und nannte den Film eine „sehenswerte Dokumentation„.
Das Portal Programmkino.de schrieb, der Film betone ständig die Gefahr und den Gigantismus des Rennens. Die vielen Sturzszenen, mit Soundeffekten unterlegt, wirkten „befremdlich“. Gleichzeitig seien die Aufnahmen so stark, dass man sich „der Kraft dieser sportlichen Leistung kaum entziehen“ könne.
TV Spielfilm bemängelte „dramaturgische Schwächen und Red-Bull-Schleichwerbung“, gab dem Film aber insgesamt einen positiven Gesamteindruck.
Ein häufiger Kritikpunkt: Der Film verzichtet auf eine kritische Einordnung des Riskosports. Stattdessen feiere er die Athleten und die Strecke auf eine Weise, die manche Rezensenten als zu pathetisch und testosterongeladen empfanden. Auch die eingefügten Szenen eines Balancekünstlers, der Stäbe balanciert, irritierten viele Zuschauer – sie wirkten willkürlich und ohne Bezug zum eigentlichen Thema.
Andererseits: Für Skifans war der Film genau das Richtige. Die emotionale Dichte, die Einblicke in das Starthaus (wo es laut den Fahrern „so still ist wie bei keinem anderen Rennen“) und die persönlichen Geschichten trafen den Nerv des Publikums.
Erfolg an der Kinokasse und im Fernsehen
Der Film war in Österreich ein Kassenerfolg. Bis Ende Januar 2015 hatten rund 189.000 Zuschauer den Film im Kino gesehen – davon etwa 71.000 noch im Jahr 2014 und rund 118.000 im Januar 2015. Damit lag er unter den erfolgreichsten österreichischen Filmen des Jahrgangs, nahe an Andreas Prochaskas „Das finstere Tal“.
Weltweit spielte der Film rund 1,75 Millionen US-Dollar ein.
Im Fernsehen lief der Film zuerst auf Servus TV (ein Sender von Red Bull), wo ihn durchschnittlich 208.000 Zuschauer sahen. Wenige Tage später zeigte der ORF den Film in seiner Dokuschiene „DOKeins“ – und erzielte damit einen Zuschauerrekord: Durchschnittlich 500.000 Zuschauer bei 17 Prozent Marktanteil. Das war der meistgesehene Film, der bis dahin in dieser Schiene lief.
Preise und Anerkennungen
| Jahr | Auszeichnung |
|---|---|
| 2015 | Austrian Ticket – für mehr als 75.000 Kinobesucher |
| 2015 | Romy – Beste Kino-Dokumentation |
Die Romy ist einer der wichtigsten Film- und Fernsehpreise in Österreich. Die Auszeichnung als beste Kino-Dokumentation war eine Anerkennung für den kommerziellen und handwerklichen Erfolg des Films.
Die Streif – was die Strecke so besonders macht
Um den Film zu verstehen, muss man die Strecke kennen. Die Streif ist keine normale Skipiste. Sie liegt am Hahnenkamm (1.712 m), einem Berg südwestlich von Kitzbühel in den Kitzbüheler Alpen. Seit 1937 wird hier gefahren.
Die wichtigsten Abschnitte der Strecke:
- Startschuss: 160 Meter steil bergab, in 8,5 Sekunden auf 100 km/h
- Mausefalle: Steilster Abschnitt mit 85 % Gefälle, Sprung ins Ungewisse bei rund 100 km/h
- Karussell: Eine 180-Grad-Kurve mit Fliehkräften von 3,1 g
- Steilhang: Technisch extrem anspruchsvolle Rechtskurve mit 72 % Gefälle
- Seidlalmsprung: Sprung auf halber Strecke, Fahrer müssen blind in die Kurve rotieren
- Hausbergkante: Die entscheidende Stelle – Sprung über eine 70-%-Kante in eine Linkskurve
- Traverse: Eisige Querfahrt, wo viele spektakuläre Stürze passieren
- Zielschuss: Über 145 km/h, Rekord bei 153 km/h (Michael Walchhofer, 2006)
- Zielsprung: Langer Sprung direkt vor dem Ziel, Ort vieler schwerer Verletzungen
Der Streckenrekord für die volle Distanz stammt von Fritz Strobl aus dem Jahr 1997: 1:51,58 Minuten – eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 107 km/h.
Das Rennen ist das meistbesuchte Skievent der Welt. Rund 50.000 Zuschauer kommen jedes Jahr nach Kitzbühel.
Die Menschen hinter der Kamera
Gerald Salmina ist österreichischer Filmemacher und Bergsteiger. Vor „Streif“ drehte er „Mount St. Elias“ (2009), einen Dokumentarfilm über die Skiabfahrt eines der höchsten Küstenberge der Welt. Später folgte „Manaslu – Der Berg der Seelen“. Salmina ist bekannt dafür, Sport- und Bergthemen filmisch aufwendig umzusetzen.
Tom Dauer ist Autor und Journalist aus München, spezialisiert auf Bergsport und Outdoor-Themen. Er schrieb das Drehbuch mit und führte Co-Regie.
Axel Naglich lieferte die Story-Vorlage. Er ist in Kitzbühel aufgewachsen und kennt die Streif seit seiner Kindheit.
Kameramann Günther Göberl hatte bereits bei „Mount St. Elias“ mit Salmina zusammengearbeitet. Für „Streif“ koordinierte er 18 Kamerateams – eine logistische Aufgabe, die mit der Organisation des Rennens selbst vergleichbar war.
Fazit
„Streif – One Hell of a Ride“ war der erste große Kinofilm über das Hahnenkammrennen. Es gab vorher keine vergleichbare filmische Dokumentation dieses Sportereignisses. Trotz der Kritik an Red-Bull-Nähe und pathetischer Inszenierung hat der Film ein breites Publikum erreicht – und Skifans bekamen Bilder zu sehen, die es so vorher nicht gab.
Die auf IMDb verzeichnete Bewertung liegt bei 6,6 von 10 Punkten. Auf Moviepilot bewerteten deutsche Nutzer den Film im Schnitt ebenfalls mit 6,6. Das Urteil der Zuschauer fällt also insgesamt solide aus – nicht herausragend, aber ordentlich.
Der Film ist heute auf verschiedenen Streaming-Plattformen verfügbar, darunter Magenta TV und weitere Anbieter. Er bleibt ein Zeitdokument: die Streif im Jahr 2014, die Fahrer, die Stürze, das Tauwetter – und die Frage, warum sich Menschen freiwillig eine der gefährlichsten Pisten der Welt hinunterstürzen.






