Rango ist ein computeranimierter Kinofilm aus dem Jahr 2011, inszeniert von Regisseur Gore Verbinski. Der Film erzählt die Geschichte eines namenlosen Chamäleons, das als Haustier in einem Terrarium lebt und durch einen Unfall in der Mojave-Wüste strandet. Dort findet es eine kleine, heruntergekommene Westernstadt namens Dirt (im Deutschen: Dreck), in der es sich als mutiger Revolverheld ausgibt und zum Sheriff aufsteigt. Der Film ist eine satirische Westernparodie mit anthropomorphen Tieren und richtet sich trotz seiner Animationsform vor allem an ein erwachsenes Publikum. Die Hauptfigur wird im Original von Johnny Depp gesprochen, im Deutschen übernahm David Nathan die Synchronisation. Paramount Pictures produzierte den Film gemeinsam mit Nickelodeon Movies und dem Animationsstudio Industrial Light & Magic (ILM). Der Kinostart in Deutschland und Österreich war am 3. März 2011, in den USA einen Tag später. Bei der Oscar-Verleihung 2012 gewann Rango den Preis als bester animierter Spielfilm. Bemerkenswert ist, dass der Film bewusst auf eine 3D-Darstellung verzichtete – zu einer Zeit, in der fast jeder Animationsfilm in 3D erschien.
Wie ein Chamäleon zum Wüsten-Sheriff wurde – die Handlung
Ein Chamäleon lebt als Haustier in einem gläsernen Terrarium. Seine Umgebung besteht aus einer Plastikpalme, einem Plastikfisch und dem Torso einer Barbiepuppe. Mit diesen Gegenständen inszeniert es kleine Theaterstücke. Das Chamäleon ist ein Träumer, ein Geschichtenerzähler ohne Publikum. Sein Terrarium wird gerade mit dem Auto transportiert, als ein plötzliches Ausweichmanöver dafür sorgt, dass das Glas von der Ladefläche fällt und zerbricht. Das Chamäleon liegt allein auf der heißen Straße mitten in der Wüste.
Auf der Straße trifft es das Gürteltier Roadkill, das vom Unfall überrollt wurde, aber trotzdem noch lebt. Roadkill erzählt ihm vom Geist des Westens, der angeblich auf der anderen Straßenseite zu finden sei. Er weist dem Chamäleon den Weg zu einer nahen Stadt, in der es Wasser geben soll.
Das Chamäleon macht sich zu Fuß auf den Weg. Es wird von einem großen Habicht angegriffen und kann gerade so entkommen. Es übernachtet in einem Abflussrohr, wird dort von Wasser herausgespült und trifft schließlich auf die Wüstenleguanin Bohne (im Original: Beans). Sie bedroht ihn zunächst mit einem Gewehr, da sie Fremden misstraut. Bohne hat ein eigenes Problem: Irgendjemand lässt in der Wüste das Wasser versickern, um an das Land ihrer Familie zu kommen.
Bohne nimmt das Chamäleon mit in die kleine Stadt Dreck. Die Stadt ist staubig und arm. Viele Bewohner verkaufen ihr Land und ziehen weg, weil es kein Wasser mehr gibt. Im örtlichen Saloon beäugen die Einwohner den Fremden misstrauisch. Das Chamäleon erkennt seine Chance. Es gibt sich den Namen Rango – abgeleitet von der Stadt Durango – und behauptet, ein furchtloser Revolverheld zu sein. Es erzählt wilde Geschichten über seine angeblichen Heldentaten.
Als der Habicht plötzlich erneut auftaucht und Rango durch die Stadt jagt, kommt es zu einem glücklichen Zufall: Ein Schuss löst sich aus Rangos Waffe und lässt einen Wasserturm auf den Vogel stürzen. Der Habicht ist tot. Die Bewohner von Dreck feiern Rango als Helden, weil er den Vogel angeblich mit nur einem einzigen Schuss erledigt hat. Der Bürgermeister, eine alte Schildkröte namens John, ernennt Rango daraufhin zum neuen Sheriff.
An seinem ersten Tag als Sheriff erkennt Rango, dass die Stadt ein ernstes Problem hat. Die Bewohner versuchen vergeblich, Wasser aus dem Wasserhahn zu bekommen. In der Bank von Dreck lagern die Bürger ihre Wasservorräte statt Geld – und auch diese Reserven sind fast aufgebraucht. Bohne verrät den Bewohnern versehentlich, wie wenig Wasser noch übrig ist. Es kommt zum Tumult, aber Rango schafft es, die Situation zu beruhigen.
Nachts tauchen aus einem Tunnel unter der Hauptstraße der Nacktmull Balthazar und seine Präriehunde auf. Eigentlich wollten sie sich bis unter die Bank graben, um das Wasser zu stehlen. Rango bemerkt das nicht und hilft ihnen sogar versehentlich. Am nächsten Morgen ist die Bank leergeräumt. Rango stellt einen Suchtrupp zusammen. Die Suche führt ihn und seine Leute durch die gefährlichen Tunnel der Präriehunde, durch eine wilde Verfolgungsjagd mit Fledermäusen und schließlich zu einer Konfrontation mit Balthazars Familie.
Das gestohlene Wasser wird zurückgebracht, aber bei der Rückkehr stellt sich heraus, dass die Flasche leer ist. Das Wasser ist weg. Der Bürgermeister ruft daraufhin Klapperschlangen-Jake herbei, den gefürchtetsten Revolverhelden der Wüste. Jake ist eine riesige Klapperschlange, die statt einer Rassel eine Gatling-Pistole am Schwanz trägt. Jake entlarvt Rango vor allen Bewohnern als Lügner und Feigling. Rango gibt zu, dass er kein Held ist, und verlässt gedemütigt die Stadt.
Auf seinem Weg durch die Wüste stößt Rango auf eine Autobahn und folgt ihr bis nach Las Vegas. Dort trifft er in einer Vision den Geist des Westens, dargestellt als eine Figur, die stark an Clint Eastwood erinnert. Der Geist macht Rango klar, dass ein Held nicht derjenige ist, der keine Angst hat – sondern derjenige, der trotz seiner Angst das Richtige tut.
Rango entdeckt, dass das Wasser von Dreck durch ein Ventil in einer Wasserleitung abgeleitet wird, die nach Las Vegas führt. Der Bürgermeister steckt hinter dem ganzen Plan. Er kontrolliert das Wasser, um die Bewohner zum Verkauf ihres Landes zu zwingen und es dann billig aufzukaufen. Rango kehrt nach Dreck zurück, stellt sich Klapperschlangen-Jake und dem Bürgermeister und sorgt dafür, dass das Wasser wieder in die Stadt fließt. Die Bewohner sind gerettet, und Rango wird zum echten Helden.
Besetzung und Synchronisation
Im englischen Original sprach Johnny Depp die Hauptfigur Rango. Das war bereits die vierte Zusammenarbeit zwischen Depp und Regisseur Gore Verbinski nach den drei Fluch der Karibik-Filmen. In der deutschen Fassung übernahm David Nathan die Rolle, der auch sonst als Stammsynchronsprecher von Johnny Depp bekannt ist.
Weitere wichtige Rollen im Original:
- Isla Fisher als Bohne (Beans)
- Abigail Breslin als Priscilla
- Alfred Molina als Roadkill
- Bill Nighy als Klapperschlangen-Jake
- Ned Beatty als Bürgermeister John
- Harry Dean Stanton als Balthazar
- Ray Winstone als Böser Bill
- Timothy Olyphant als der Geist des Westens
In der deutschen Synchronisation sprachen unter anderem Michael Kessler (Jake), Otto Mellies (Bürgermeister), Angela Wiederhut (Bohne) und Rolf Zacher (Balthazar).
Produktion und Technik
Die Produktion von Rango war für einen Animationsfilm ungewöhnlich. Regisseur Gore Verbinski ließ die Schauspieler ihre Szenen zunächst in einem Studio live spielen, bevor die Animatoren daraus die digitalen Figuren erstellten. Diese Methode nennt man Performance Capture Light – die Darsteller trugen keine speziellen Anzüge mit Sensoren, aber ihre Mimik, Gestik und Körperhaltung dienten als Vorlage für die Animation. Das war ein frischer Ansatz, der den Figuren eine besonders natürliche und lebendige Wirkung verlieh.
Das Animationsstudio Industrial Light & Magic (ILM), bekannt vor allem für Spezialeffekte in Live-Action-Filmen wie Star Wars, übernahm zum ersten Mal die komplette Animation eines abendfüllenden Films. Die Detailgenauigkeit der Texturen – etwa die Schuppen der Reptilien, der Staub in der Luft oder die Risse im trockenen Wüstenboden – setzte neue Maßstäbe.
Der legendäre Kameramann Roger Deakins arbeitete als visueller Berater am Film. Er half dem Team, die Beleuchtung so zu gestalten, wie sie in einem echten Western aussehen würde. Das Ergebnis war eine Bildsprache, die sich deutlich von anderen Animationsfilmen unterschied: dunkler, staubiger, realistischer.
Die Filmmusik stammte von Hans Zimmer. Er komponierte einen Score, der stark an klassische Italowestern-Musik erinnert, besonders an die Werke von Ennio Morricone. Die mexikanische Band Los Lobos steuerte den Titelsong bei. Innerhalb des Films kommentiert eine Gruppe von singenden Eulen – eine Mariachi-Band – die Handlung. Das ist eine direkte Anspielung auf die griechische Tragödie, in der ein Chor das Geschehen begleitet und einordnet.
Der Film wurde bewusst nur in 2D gezeigt. Verbinski erklärte, dass eine 3D-Darstellung dem visuellen Stil und der Stimmung des Films geschadet hätte. Das war eine mutige Entscheidung, da 3D im Jahr 2011 als Standard für Animationsfilme galt.
Anspielungen
Rango ist voll von Verweisen auf klassische Western und andere Filme. Die Macher haben dutzende Anspielungen eingebaut:
- Der Name Rango leitet sich von Franco Neros Django und John Waynes Ringo aus Stagecoach (1939) ab.
- Der Geist des Westens ist ein direkter Verweis auf Clint Eastwoods Rolle als „Mann ohne Namen“ in den Filmen von Sergio Leone.
- Die Wasserknappheit als zentrales Thema erinnert an Chinatown (1974) von Roman Polanski, in dem es ebenfalls um Wasserrechte und Korruption geht. Der Bürgermeister in Rango ähnelt optisch sogar der Figur Noah Cross aus Chinatown.
- Die Verfolgungsjagd mit den Fledermäusen parodiert die Schlachten aus Star Wars.
- Fear and Loathing in Las Vegas wird zitiert, als Rango auf der Straße beinahe von einem roten Cabrio überfahren wird – eine Anspielung auf die berühmte Szene mit Johnny Depp selbst.
- Die singenden Eulen sind eine Hommage an die Mariachi-Musiker aus verschiedenen mexikanischen und Italowestern-Filmen.
Diese Zitatdichte macht den Film besonders für erwachsene Zuschauer interessant, die die Vorbilder erkennen.
Kritik
Rango wurde von vielen Kritikern positiv aufgenommen. Besonders gelobt wurden die visuelle Qualität, die Detailgenauigkeit der Animation und der trockene Humor. Die Seite Rotten Tomatoes verzeichnete eine Zustimmungsrate von rund 88 Prozent. Kritiker hoben hervor, dass der Film sich deutlich von den damals üblichen, familienfreundlichen Animationsfilmen abhob.
Einige Kritiker merkten an, dass der Film in der zweiten Hälfte etwas an Witz verliere und die Geschichte phasenweise zu ernst werde. Die Zeitschrift Cinema schrieb: „Leider verfängt der skurrile Witz des Films nur in der ersten Hälfte, später nehmen die Macher ihre Italowestern-Vorbilder fast ein wenig zu ernst. Dennoch: ein gelungener Spaß.“
An den Kinokassen war der Film ein kommerzieller Erfolg. Bei einem Budget von geschätzten 135 Millionen US-Dollar spielte Rango weltweit rund 245 Millionen US-Dollar ein. Der Film erreichte in vielen Ländern die Spitze der Kinocharts.
Der größte Erfolg war der Oscar für den besten animierten Spielfilm bei der 84. Verleihung der Academy Awards am 26. Februar 2012. Rango setzte sich dabei gegen Filme wie Kung Fu Panda 2, Der gestiefelte Kater und Chico & Rita durch. Diese Auszeichnung war auch deshalb bemerkenswert, weil Rango nicht von einem der großen Animationsstudios wie Pixar, DreamWorks oder Disney stammte, sondern von ILM, das vorher nie einen kompletten Animationsfilm produziert hatte.
Warum der Film auch heute noch auffällt
Rango nimmt eine besondere Stellung unter den Animationsfilmen ein. Er bewies, dass Zeichentrickfilme – oder besser gesagt computeranimierte Filme – nicht zwangsläufig bunt, laut und kindgerecht sein müssen. Der Film hat eine düstere Atmosphäre, zynischen Humor und behandelt Themen wie Identitätskrise, Betrug und Korruption. Die Figuren sind bewusst nicht niedlich gestaltet. Im Gegenteil: Die Tiere in Rango sind oft hässlich, schmutzig und ungepflegt. Das war eine bewusste Entscheidung, die den Film von Produktionen wie Toy Story oder Findet Nemo unterscheidet.
Der Film zeigt außerdem, dass der Western als Genre noch funktioniert – auch in animierter Form. Die Geschichte über einen Außenseiter, der in einer kleinen Stadt zum Helden wird, ist ein klassisches Western-Motiv. Aber Rango erzählt diese Geschichte mit einem modernen Twist: Der Held ist ein Betrüger, ein Angeber, jemand, der erst lernen muss, was echten Mut bedeutet. Diese Mischung aus Tradition und Selbstironie macht den Film bis heute sehenswert.
Übersicht
| Eigenschaft | Details |
|---|---|
| Originaltitel | Rango |
| Regie | Gore Verbinski |
| Drehbuch | John Logan, Gore Verbinski, James Byrkit |
| Musik | Hans Zimmer |
| Produktionsland | USA |
| Erscheinungsjahr | 2011 |
| Länge | 107 Minuten |
| FSK | ab 6 Jahren |
| Budget | ca. 135 Mio. US-Dollar |
| Einspielergebnis | ca. 245 Mio. US-Dollar |
| Auszeichnung | Oscar für den besten Animationsfilm (2012) |







