Peppermint: Angel of Vengeance (Originaltitel: Peppermint) ist ein US-amerikanischer Action-Thriller aus dem Jahr 2018. Regie führte der französische Filmemacher Pierre Morel, der vor allem durch seinen Erfolg mit 96 Hours (2008) bekannt wurde. In der Hauptrolle spielt Jennifer Garner die Figur Riley North – eine Mutter, die nach dem Mord an ihrer Familie einen Rachefeldzug gegen ein mexikanisches Drogenkartell startet. Der Film kam am 7. September 2018 in den USA in die Kinos und am 29. November 2018 in Deutschland. Er spielte weltweit rund 53,9 Millionen US-Dollar ein, bei einem geschätzten Budget von etwa 25 Millionen US-Dollar. Die Kritiken fielen überwiegend negativ aus, das Publikum reagierte aber deutlich wohlwollender.
Worum es in dem Film geht
Die Geschichte dreht sich um Riley North, eine ganz normale Bankangestellte aus Los Angeles. Sie lebt glücklich mit ihrem Ehemann Chris und ihrer zehnjährigen Tochter Carly. Chris betreibt eine schlecht laufende Autowerkstatt. Sein Freund will ihn in einen geplanten Raubüberfall auf den Drogenboss Diego Garcia hineinziehen. Chris lehnt ab – aber Garcia hat bereits davon erfahren und ordnet an, ein Beispiel zu setzen.
Am Geburtstag von Carly besucht die Familie einen Jahrmarkt. Auf dem Rückweg werden Chris und Carly aus einem fahrenden Auto heraus erschossen. Riley überlebt schwer verletzt. Nach dem Aufwachen aus dem Koma kann sie die drei Schützen identifizieren. Doch das Justizsystem versagt komplett: Der Anwalt der Täter entdeckt bei einem Hausbesuch Psychopharmaka in Rileys Wohnung und nutzt das, um ihre Glaubwürdigkeit vor Gericht zu zerstören. Der Richter – insgeheim auf Garcias Gehaltsliste – weist die Klage ab. Die drei Mörder kommen frei.
Als Riley daraufhin ausrastet, wird angeordnet, sie in die Psychiatrie einzuweisen. Auf dem Weg dorthin gelingt ihr die Flucht. Sie verschwindet spurlos.
Fünf Jahre später: Die Rückkehr der Riley North
Die Handlung springt fünf Jahre in die Zukunft. Am Jahrestag des Mordes an ihrer Familie tauchen die drei damaligen Schützen tot auf – sie hängen an einem Riesenrad auf dem Jahrmarkt, an dem Ort, wo alles begann. Kurz darauf werden auch der Anwalt, der Staatsanwalt und der Richter ermordet.
FBI-Agentin Lisa Inman und die Detectives Moises Beltran und Stan Carmichael nehmen die Ermittlungen auf. Schnell wird klar: Riley ist zurück. In den vergangenen fünf Jahren hat sie ihre Bank um 55.000 Dollar beraubt und sich im Ausland in Nahkampftechniken und Waffengebrauch ausbilden lassen. Sie ist eine völlig andere Person geworden – eine Kampfmaschine mit einem klaren Ziel: Diego Garcia und alle, die am Tod ihrer Familie beteiligt waren.
Riley beginnt einen blutigen Feldzug durch die Unterwelt von Los Angeles. Sie tötet zahlreiche Gangmitglieder und zerstört Garcias Geldwäsche-Geschäfte. Bei einem Angriff auf Garcias Anwesen wird sie allerdings verletzt, und Garcia kann fliehen.
Skid Row: Die Rächerin als Schutzengel der Obdachlosen
Riley versteckt sich auf der Skid Row, einem berüchtigten Obdachlosenviertel in Los Angeles. Dort bewahrt sie ihre Waffen und Ausrüstung in einem Kleintransporter auf, der von obdachlosen Kindern bewacht wird. Es stellt sich heraus, dass Riley in diesem Viertel so etwas wie ein Schutzengel geworden ist. Seitdem sie dort lebt, ist die Kriminalitätsrate in dem Gebiet massiv gesunken.
FBI-Agentin Inman bemerkt diese statistische Auffälligkeit und beginnt, auf Skid Row zu ermitteln. Sie findet Rileys Transporter und erfährt von den Bewohnern, dass Riley für ihre Sicherheit sorgt. Doch dann offenbart sich eine bittere Wahrheit: Detective Carmichael steht insgeheim auf Garcias Gehaltsliste. Er ist ein Verräter. Er erschießt Agentin Inman und teilt Garcia Rileys Versteck mit.
Das Finale: Live-Übertragung und Showdown
Garcia erscheint mit seinen bewaffneten Handlangern auf Skid Row. Er droht, eines der Kinder zu erschießen, wenn Riley sich nicht stellt. Riley beobachtet alles aus einem nahegelegenen Gebäude. Bevor sie sich zeigt, greift sie zum Handy der toten Agentin Inman und startet eine Live-Übertragung im Fernsehen. Sie enthüllt vor laufender Kamera Garcias Identität und Carmichaels Verrat.
Die Polizei unter Beltrans Führung trifft mit einem Großaufgebot ein. Garcia erschießt daraufhin Carmichael, den er für den Tippgeber hält, und versucht zu fliehen. Riley stellt ihn, schlägt ihn nieder und erschießt ihn – trotz der Umzingelung durch die Polizei. Dann gelingt ihr erneut die Flucht.
Schwer verletzt wird Riley später am Grab ihrer Familie von Detective Beltran entdeckt. Er bringt sie ins Krankenhaus. Bei seinem Besuch am Krankenbett dankt er ihr dafür, dass sie so viele gesuchte Kriminelle beseitigt hat. Heimlich drückt er ihr einen Schlüssel in die Hand. Damit öffnet Riley ihre Handschellen und entkommt ein letztes Mal.
Warum der Film „Peppermint“ heißt
Der Titel des Films bezieht sich auf die Eissorte, die Rileys Tochter Carly am Abend ihrer Ermordung auf dem Jahrmarkt gegessen hat – Peppermint-Eis. Es ist ein kleines, persönliches Detail, das gleichzeitig zum Codewort für Rileys gesamten Rachefeldzug wird. Im Film selbst wird diese Verbindung in Rückblenden hergestellt. Der Titel klingt harmlos, steht aber für einen der brutalsten Plotstränge des Films.
Regie und Besetzung
Jennifer Garner spielt die Hauptrolle als Riley North. Garner wurde in den frühen 2000er-Jahren durch die TV-Serie Alias – Die Agentin bekannt. Für diese Rolle gewann sie 2002 einen Golden Globe. Später spielte sie in Filmen wie 30 über Nacht (2004), Daredevil (2003), Juno (2007) und Dallas Buyers Club (2013). Für Peppermint trainierte sie drei Monate lang: Boxen, Cardio, Gewichtstraining, Waffentraining und Stuntarbeit. Ihr langjähriger Stuntcoordinator Don Lee, der schon bei Daredevil und Elektra dabei war, betreute das Training. Garner hat nach eigener Aussage die meisten Actionszenen selbst gedreht.
Die weiteren Rollen:
| Schauspieler | Rolle |
|---|---|
| John Ortiz | Detective Moises Beltran |
| John Gallagher Jr. | Detective Stan Carmichael |
| Juan Pablo Raba | Diego Garcia |
| Annie Ilonzeh | FBI-Agentin Lisa Inman |
| Jeff Hephner | Chris North |
| Cailey Fleming | Carly North |
| Method Man | Detective Barker |
| Tyson Ritter | Obdachloser Sam |
| Richard Cabral | Salazar |
Pierre Morel führte Regie. Der Franzose, geboren am 12. Mai 1964, begann seine Karriere als Kameramann. Sein Regiedebüt war Ghettogangz – Die Hölle vor Paris (2004). Mit 96 Hours (2008) landete er dann einen weltweiten Hit, der Liam Neeson zum Action-Star machte. Morels Stil zeichnet sich durch schnelle, saubere Schnitte und eine betont stilisierte Kameraarbeit aus – ohne übertriebene Wackelkamera. Nach 96 Hours folgten From Paris with Love (2010), The Gunman (2015) und dann eben Peppermint.
Das Drehbuch schrieb Chad St. John, der zuvor das Script für London Has Fallen (2016) mitverfasst hatte. Laut Berichten war das Drehbuch vom Marvel-Comics-Charakter Frank Castle / Punisher inspiriert. Die Kamera führte David Lanzenberg, den Schnitt übernahm Frédéric Thoraval, die Musik komponierte Simon Franglen.
Die Dreharbeiten fanden über 50 Tage an verschiedenen Orten in Kalifornien statt. Produziert wurde der Film von Lakeshore Entertainment und Huayi Brothers, vertrieben über STXfilms. In Deutschland übernahm Universum Film den Verleih. Die FSK-Freigabe liegt bei ab 16 Jahren.
Was an der Kinokasse passierte
Peppermint startete am 7. September 2018 in den USA und lief in 2.980 Kinos gleichzeitig. Am Eröffnungswochenende spielte er 13,4 Millionen US-Dollar ein und landete auf Platz zwei der Charts – hinter dem Horrorfilm The Nun.
Insgesamt kam der Film auf folgende Zahlen:
| Region | Einspielergebnis |
|---|---|
| USA und Kanada | 35,4 Mio. US-Dollar |
| International | 18,5 Mio. US-Dollar |
| Weltweit | 53,9 Mio. US-Dollar |
Bei einem Budget von rund 25 Millionen Dollar war der Film damit profitabel, wenn auch kein großer Hit. In Deutschland startete er am 29. November 2018. Seit April 2024 ist er auf Netflix verfügbar.
Kritik
Die Kritiken waren überwiegend schlecht. Auf Rotten Tomatoes hat der Film eine Bewertung von nur 13 Prozent bei 150 Rezensionen. Auf Metacritic liegt er bei 29 von 100 Punkten. Das Publikum sah es anders: Bei CinemaScore gab es die Note B+, und auf Rotten Tomatoes vergaben die Zuschauer 70 Prozent positive Wertungen.
Ausgewählte Kritiken im Detail
- Das Lexikon des internationalen Films vergab zwei von fünf Sternen. Der Film sei „stilistisch und erzählerisch im Rahmen des Genres“, überhöhe aber die Protagonistin „zur zweifelhaften Erlösergestalt“ und opfere „Realismus und Glaubwürdigkeit einer politischen Agenda“.
- epd Film war milder und vergab drei von fünf Sternen. Kritiker Manfred Riepe schrieb, Pierre Morel erweise „mit Jennifer Garner als überraschend passender Besetzung dem Genre des Rachethrillers Reverenz“.
- Richard Brody vom New Yorker nannte Peppermint „einen rassistischen Film, der die aktuelle Anti-Immigranten-Politik widerspiegelt“ und sprach von „ungebremster Hässlichkeit“.
- Frank Scheck vom Hollywood Reporter bezeichnete den Film als „Death Wish auf Steroiden“ – ohne Subtilität, aber effektiv.
- Andrew Barker von Variety schrieb: „Garner gibt alles, was man von ihr verlangt. Aber dieses halbherzige Desaster vermasselt so ziemlich alles andere.“
- Die Filmkritik-Website kino-zeit.de urteilte: „Peppermint – Angel of Vengeance ist platte, stumpfsinnige und ärgerlich unglaubwürdige Adrenalinkost, die auch eine beherzt aufspielende Hauptdarstellerin nicht retten kann.“
Der Hauptkritikpunkt: Der Film hinterfrage die Selbstjustiz seiner Protagonistin nicht. Riley wird als Heldin inszeniert, obwohl sie dutzende Menschen tötet. Der Vergleich mit Death Wish (1974) und dessen Remake von 2018 lag nahe – nur dass bei Peppermint noch weniger moralische Ambivalenz vorhanden sei.
Warum der Film trotzdem sein Publikum fand
Trotz der schlechten Presse hat der Film eine treue Fangemeinde. Viele Zuschauer schätzten die geradlinige Action und Jennifer Garners körperliche Performance. Der Film bedient ein klares Genre: Rachethriller. Er verspricht nichts anderes und liefert genau das. Garners Rückkehr ins Actionfach – nach Jahren in eher leichten Komödien und Familienfilmen – wurde von vielen als willkommene Abwechslung gesehen.
Auf Netflix erlebte der Film 2024 ein kleines Revival und tauchte in den Streaming-Charts auf. Das zeigt: Für einen bestimmten Zuschauertyp funktioniert die simple Formel aus Trauer, Training und Vergeltung nach wie vor.
Wo Peppermint im Genre der Rachethriller steht
Der Film reiht sich ein in eine lange Tradition von Selbstjustiz-Filmen. Die offensichtlichste Vorlage ist Ein Mann sieht rot (1974) mit Charles Bronson. Aber auch Filme wie die Punisher-Reihe, John Wick und The Equalizer sind klar verwandte Werke.
Was Peppermint von den meisten dieser Filme unterscheidet: Die Hauptfigur ist eine Frau. Das war 2018 noch relativ ungewöhnlich im Rachethriller-Genre. Der französische Film Revenge (2017) von Coralie Fargeat hatte kurz zuvor gezeigt, dass man eine weibliche Rachefigur auch mit Ironie und Stilbrüchen inszenieren kann. Peppermint geht den entgegengesetzten Weg – er ist bierernst, direkt und ohne Selbstreflexion. Ob das ein Mangel oder eine Stärke ist, hängt ganz vom Blickwinkel ab.
Nominierungen – allerdings keine positiven
Peppermint erhielt keine großen Auszeichnungen. Im Gegenteil: Jennifer Garner wurde 2019 für die Goldene Himbeere als „Schlechteste Schauspielerin“ nominiert. Der Film selbst erhielt eine Nominierung der Houston Film Critics Society als „Bester Schlechter Film“.
| Jahr | Preis | Kategorie | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 2019 | Goldene Himbeere | Schlechteste Schauspielerin | Nominiert |
| 2019 | Houston Film Critics Society | Bester Schlechter Film | Nominiert |
| 2019 | EDA Special Mention Awards | Schauspielerin, die einen neuen Agenten braucht | Nominiert |







