Misfit (2019)

Misfit (englisch für „Außenseiter“ oder „Unangepasste“) ist eine deutsche Filmkomödie aus dem Jahr 2019. Regie führte Erwin van den Eshof. Der Film ist ein Remake des gleichnamigen niederländischen Films aus dem Jahr 2017. In der Hauptrolle ist die Sängerin und Influencerin Selina Mour zu sehen, die die Rolle der Teenagerin Julia Möller spielt. Der Kinostart in Deutschland war am 14. März 2019. Der Film wurde von der Produktionsgesellschaft Splendid Studios in Amsterdam produziert. Er richtet sich vor allem an ein junges Publikum und setzt auf eine Besetzung, die größtenteils aus bekannten Social-Media-Persönlichkeiten besteht. Mit einer Laufzeit von rund 82 Minuten erzählt der Film eine Geschichte über das Anderssein, Freundschaft und die Frage, wo man wirklich hingehört. Die FSK gab den Film ohne Altersbeschränkung frei.

Worum es in dem Film geht

Die Handlung dreht sich um die Teenagerin Julia Möller, gespielt von Selina Mour. Julia lebt mit ihren Eltern in den USA und führt dort ein nahezu perfektes Leben. Sie besucht eine amerikanische Highschool, hat hervorragende Noten, eine besondere Stimme und schreibt ihre eigenen Songs. Drei Jahre in Folge wurde sie zur Schönheitskönigin ihrer Schule gewählt. Außerdem betreibt sie einen erfolgreichen YouTube-Vlog mit mehreren tausend Followern. Ihr Leben scheint ohne Probleme zu sein.

Doch dann kommt die große Wende. Julias Eltern entscheiden sich, mit ihr zurück nach Deutschland zu ziehen – ihr Geburtsland. Von einem Tag auf den anderen wird Julia aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen. Alles, was sie kennt, liegt plötzlich weit weg. Sie muss komplett neu anfangen.

An ihrer neuen Schule, dem Humboldt-Gymnasium, versucht Julia optimistisch zu bleiben. Sie will einen guten ersten Eindruck machen. Aber schon am ersten Schultag merkt sie, dass das nicht so einfach wird. Die VIP Squad – die beliebteste und angesagteste Clique der Schule – nimmt Julia sofort ins Visier. Die Mädchen der VIP Squad machen ihr das Leben schwer und stempeln sie als Außenseiterin ab. Ab diesem Moment hat Julia einen neuen Spitznamen: Misfit.

Doch Julia gibt nicht auf. Im Laufe der Zeit lernt sie andere Außenseiter kennen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Da ist zum Beispiel Zelda, eine Rebellin, die sich nichts von anderen sagen lässt. Gespielt wird sie von Lisa-Marie Koroll. Und dann ist da Nick, ein verträumter Musiker, in den sich Julia nach und nach verliebt. Nick wird von Lion Wasczyk dargestellt. Gemeinsam bilden sie eine eigene kleine Gruppe – die Misfits.

Jedes Jahr veranstaltet die Schule einen großen Wettbewerb namens „Humboldts Supertalent“ (im Trailer auch als „Schools Got Talent“ bezeichnet). Für Julia ist das eine riesige Chance: Der Hauptpreis sind Flugtickets in die USA. Zusammen mit Nick will sie einen Song schreiben und beim Wettbewerb auftreten. Wenn sie gewinnt, könnte sie in ihr altes Leben zurückkehren.

Am Ende des Films steht Julia vor einer wichtigen Entscheidung. Soll sie zurück in die USA gehen, wo alles vertraut und perfekt ist? Oder bleibt sie in Deutschland bei ihren neuen Freunden, die sie so akzeptieren, wie sie ist? Der Film erzählt letztlich eine Geschichte über Selbstakzeptanz und darüber, dass Perfektion nicht alles ist. Julia lernt, dass es wichtiger ist, zu sich selbst zu stehen, als bei allen beliebt zu sein.

Wer vor der Kamera steht

Die Besetzung von Misfit ist besonders, weil ein großer Teil der Darsteller keine klassischen Schauspieler sind. Viele von ihnen sind Influencer und in den sozialen Medien bekannt. Das war eine bewusste Entscheidung der Produktion, um die Zielgruppe – junge Zuschauer – direkt anzusprechen.

RolleDarsteller/in
JuliaSelina Mour
ZeldaLisa-Marie Koroll
NickLion Wasczyk
Frau HimmelmannSylvie Meis
MaxiMoritz Schirdewahn
FelixSimon Will
MercedesMeriel Hinsching
SachaPablo Grant
StellaVivien Wulf
Mario NovembreMario Novembre

Selina Mour übernahm die Hauptrolle der Julia. Sie war zum Zeitpunkt des Films vor allem als Sängerin und durch ihre Präsenz auf YouTube und Instagram bekannt. Für den Film konnte sie ihre musikalischen Fähigkeiten direkt einbringen, da Julias Charakter ebenfalls singt und Songs schreibt.

Lisa-Marie Koroll war zum Zeitpunkt des Drehs bereits eine bekanntere Schauspielerin. Sie wurde durch die „Bibi & Tina“-Filmreihe einem größeren Publikum bekannt. Im Film spielt sie die Rolle der rebellischen Zelda, die zu Julias engster Freundin wird.

Sylvie Meis, die niederländische Moderatorin und Fernsehpersönlichkeit, hat einen Gastauftritt als Frau Himmelmann. Ihre Rolle ist kleiner, aber sie bringt einen gewissen Bekanntheitsgrad mit, der dem Film zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffte.

Weitere Darsteller wie Simon Will, Moritz Schirdewahn, Vivien Wulf und Mario Novembre sind hauptsächlich durch Plattformen wie YouTube, Instagram und TikTok bekannt. Diese Mischung aus Influencern und Schauspielern war typisch für eine Reihe von deutschen Jugendfilmen, die in den späten 2010er Jahren produziert wurden.

Wie der Film entstanden ist

Misfit wurde im Jahr 2018 gedreht. Die Produktion übernahm die Firma Splendid Studios mit Sitz in Amsterdam. Das ist insofern bemerkenswert, als der Film als deutsche Produktion gilt, aber in den Niederlanden produziert wurde. Das hängt damit zusammen, dass der Film ein Remake des niederländischen Originals von 2017 ist. Die niederländische Originalversion war in den Niederlanden ein Erfolg, vor allem bei jungen Zuschauern. Deshalb entschied man sich, den Stoff für den deutschen Markt neu zu verfilmen.

Die Grundidee blieb dabei weitgehend gleich: Ein Mädchen kommt an eine neue Schule, wird von der beliebten Clique ausgegrenzt und findet schließlich ihren eigenen Weg. Das Konzept, Influencer als Schauspieler einzusetzen, stammt ebenfalls aus dem niederländischen Original. Auch dort waren viele der Darsteller in den sozialen Medien aktiv. Diese Strategie hatte einen klaren Marketingvorteil: Die Influencer brachten ihre eigene Fangemeinde mit, die den Film dann im Kino sehen wollte.

Der Verleih des Films in Deutschland wurde von Splendid Film übernommen. Der Film kam am 14. März 2019 in die deutschen Kinos. Die DVD- und Blu-ray-Veröffentlichung folgte am 26. Juli 2019.

Regisseur Erwin van den Eshof hatte bereits das niederländische Original inszeniert. Er kannte das Material also gut und konnte die Geschichte für das deutsche Publikum anpassen. Die Anpassung betraf vor allem sprachliche und kulturelle Details, während die Grundstruktur der Handlung erhalten blieb.

Was der Film an den Kinokassen einbrachte

An den deutschen Kinokassen erzielte Misfit ein überschaubares Ergebnis. Über die gesamte Laufzeit im Kino wurden insgesamt 155.482 Tickets verkauft. Das entspricht einem Einspielergebnis von 1.113.498 Euro. Damit war der Film kein großer Kassenerfolg, aber auch kein kompletter Misserfolg.

Für einen Film, der sich an eine relativ enge Zielgruppe richtet – nämlich Teenager und junge Erwachsene –, sind diese Zahlen im Rahmen des Erwartbaren. Deutsche Jugendkomödien haben es generell schwer, an die Zahlen großer Hollywood-Produktionen heranzukommen. Der Film profitierte aber stark von der Online-Reichweite seiner Darsteller. Viele Fans der beteiligten Influencer wurden über Social Media auf den Film aufmerksam.

Nach der Kinoveröffentlichung war der Film auch im Home-Entertainment-Bereich verfügbar. Auf Plattformen wie Amazon Prime Video konnte man ihn kaufen oder leihen. Der Preis lag bei etwa 3,99 Euro für die Leihversion.

Wie der Film aufgenommen wurde

Die Kritiken zu Misfit fielen gemischt aus. Auf der Plattform KinoCheck erhielt der Film eine Bewertung von nur 44 Prozent. Das deutet darauf hin, dass der Film bei einem breiteren Publikum und bei Kritikern nicht besonders gut ankam.

Die Hauptkritikpunkte betrafen vor allem die vorhersehbare Handlung und die schauspielerischen Leistungen einiger Darsteller. Viele der Influencer hatten wenig bis keine Schauspielerfahrung, was sich in einigen Szenen bemerkbar machte. Die Geschichte selbst folgt einem sehr klassischen Muster: Neue Schülerin wird gemobbt, findet Freunde, steht am Ende vor einer Entscheidung. Das ist ein Handlungsverlauf, den man aus vielen anderen Teenagerfilmen kennt.

Auf der anderen Seite traf der Film bei seiner Kernzielgruppe durchaus einen Nerv. Junge Zuschauer, die die beteiligten Influencer bereits von YouTube oder Instagram kannten, bewerteten den Film positiver. Für sie war es ein Erlebnis, ihre Online-Idole auf der großen Leinwand zu sehen. Der Film funktionierte in diesem Sinne weniger als klassischer Kinofilm und mehr als Erweiterung der Influencer-Welt auf ein anderes Medium.

Der Trailer des Films war allerdings sehr erfolgreich. Er wurde auf YouTube über 727.944 Mal angesehen. Das zeigt, dass das Online-Marketing gut funktionierte, auch wenn sich das nicht vollständig in Kinobesuche umsetzen ließ.

Fortsetzungen und weitere Teile

Der Erfolg des Konzepts – wenn auch bescheiden – führte dazu, dass Fortsetzungen produziert wurden. Die Filmreihe wurde in den folgenden Jahren mit weiteren Teilen fortgesetzt. Das Grundprinzip blieb dabei ähnlich: Jugendliche Geschichten, erzählt von und mit Influencern.

Misfit 2 – Tohuwabohu Total erschien als Fortsetzung und griff die Figuren und Themen des ersten Films wieder auf. Auch hier setzte man auf eine Mischung aus bekannten Social-Media-Stars und einer leichten, unterhaltsamen Geschichte für ein junges Publikum.

Das Franchise zeigt einen Trend im deutschen Kino der späten 2010er und frühen 2020er Jahre: Filme, die gezielt für die Generation Z produziert werden und deren Stars nicht aus der traditionellen Schauspielwelt kommen, sondern aus dem Internet. Ob dieses Modell langfristig tragfähig ist, bleibt abzuwarten. Die Zahlen des ersten Teils deuten darauf hin, dass die Reichweite von Influencern allein nicht ausreicht, um einen Film zum großen Kinoerfolg zu machen.

Themen und Botschaft des Films

Im Kern behandelt Misfit mehrere Themen, die für Jugendliche relevant sind. Das offensichtlichste Thema ist Mobbing beziehungsweise Ausgrenzung in der Schule. Julia wird von der VIP Squad gezielt fertiggemacht, weil sie anders ist. Der Film zeigt, wie schmerzhaft es sein kann, nicht dazuzugehören – besonders in einem Alter, in dem soziale Zugehörigkeit extrem wichtig ist.

Ein weiteres Thema ist die Frage nach Identität. Julia muss herausfinden, wer sie in einem neuen Umfeld ist. In den USA hatte sie eine klare Rolle: Sie war beliebt, erfolgreich, hatte alles unter Kontrolle. In Deutschland fällt das alles weg. Sie muss sich neu definieren – und merkt dabei, dass ihr altes „perfektes“ Leben vielleicht gar nicht so perfekt war, wie sie dachte.

Der Film vermittelt auch die Botschaft, dass echte Freundschaft mehr wert ist als Beliebtheit. Die Freundschaften, die Julia mit Zelda und Nick aufbaut, sind authentisch. Sie basieren auf gegenseitigem Verständnis und geteilten Erfahrungen. Die VIP Squad hingegen steht für oberflächliche Popularität, die auf Kosten anderer geht.

Schließlich geht es auch um Mut. Julia muss den Mut aufbringen, auf der Bühne zu stehen und sich zu zeigen. Und sie muss den Mut haben, eine schwierige Entscheidung zu treffen: Sicherheit oder Veränderung. Der Film ermutigt sein junges Publikum, zu sich selbst zu stehen und sich nicht von anderen definieren zu lassen.

Einordnung im deutschen Jugendfilm

Misfit reiht sich ein in eine Reihe von deutschen Jugendfilmen, die in den 2010er Jahren produziert wurden. Filme wie „Bibi & Tina“, „Fack ju Göhte“ oder „Ostwind“ zeigten, dass es einen Markt für deutschsprachige Jugendunterhaltung gibt. Misfit unterscheidet sich von diesen Filmen allerdings durch seinen starken Fokus auf Influencer-Marketing und Social Media.

Während Filme wie „Fack ju Göhte“ auf etablierte Schauspieler wie Elyas M’Barek setzten und damit ein breites Publikum ansprachen, zielte Misfit bewusst auf eine engere Nische. Das hatte Vorteile beim Marketing – die Influencer machten kostenlos Werbung über ihre Kanäle – aber Nachteile bei der breiteren Wahrnehmung. Wer die beteiligten Influencer nicht kannte, hatte wenig Grund, sich den Film im Kino anzusehen.

Trotzdem ist Misfit ein interessantes Beispiel dafür, wie sich die deutsche Filmbranche an veränderte Mediengewohnheiten anpasst. Junge Menschen verbringen viel Zeit auf Plattformen wie YouTube, TikTok und Instagram. Filme, die Stars aus diesen Plattformen einbinden, versuchen, diese digitale Aufmerksamkeit ins Kino zu übertragen. Der Erfolg ist dabei unterschiedlich, aber der Ansatz selbst ist bemerkenswert und wird vermutlich in Zukunft weiter verfolgt werden.

Quellen

  1. de.wikipedia.org
  2. kinocheck.de
  3. cinema.de
  4. moviemaster.de
  5. leonberg.traumpalast.de