Luther ist ein deutsch-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 2003, der das Leben des Theologen und Reformators Martin Luther erzählt. Regie führte der kanadische Regisseur Eric Till. In der Hauptrolle ist Joseph Fiennes als Martin Luther zu sehen. Der Film behandelt die Zeit von Luthers Eintritt ins Kloster bis zur Verlesung der Confessio Augustana im Jahr 1530. Er wurde von NFP Teleart (Deutschland) und Eikon Film zusammen mit amerikanischen Partnern produziert. Das Budget lag bei rund 30 Millionen US-Dollar. Der Film startete am 30. Oktober 2003 in den deutschen Kinos und wenig später auch in den USA. Er erhielt gemischte Kritiken, fand aber besonders beim kirchlich interessierten Publikum großen Zuspruch.
Die Geschichte hinter dem Film
Die Idee zu einem großen Kinofilm über Martin Luther entstand in den späten 1990er-Jahren. Die Produzenten Brigitte Rochow, Christian P. Stehr und Alexander Thies wollten Luthers Leben für ein internationales Publikum auf die Leinwand bringen. Das Drehbuch schrieben Camille Thomasson und Bart Gavigan. Beide orientierten sich an historischen Quellen, nahmen sich aber auch dramaturgische Freiheiten. So wurden manche Ereignisse verdichtet oder zeitlich verschoben, um den Erzählfluss zu verbessern.
Die Finanzierung war eine internationale Koproduktion. Auf deutscher Seite war die NFP Teleart federführend. Aus den USA kam Unterstützung von Eikon Film und weiteren Partnern. Das Budget von etwa 30 Millionen Dollar war für einen historischen Film mit vielen Kostümen und Drehorten beachtlich, aber kein Hollywood-Blockbuster-Niveau. Ein Teil der Finanzierung kam von der Thrivent Financial for Lutherans, einer lutherischen Versicherungsgesellschaft aus den USA. Diese Verbindung zu einer kirchlichen Organisation sorgte später für Diskussionen über mögliche religiöse Einflussnahme auf den Inhalt.
Regisseur Eric Till war kein unbeschriebenes Blatt. Der in London geborene und in Kanada lebende Filmemacher hatte zuvor bereits den TV-Film „Bonhoeffer: Die letzte Stufe“ (2000) gedreht — ebenfalls über einen deutschen Theologen. Till brachte also Erfahrung mit religiösen Stoffen mit.
Was der Film erzählt
Der Film beginnt im Jahr 1505. Der junge Martin Luther wird während eines Gewitters von einem Blitz fast getroffen. Aus Angst und Erschütterung legt er ein Gelübde ab und tritt in das Augustinerkloster in Erfurt ein. Sein Vater Hans Luther ist darüber alles andere als erfreut — er hatte sich eine juristische Karriere für seinen Sohn gewünscht.
Im Kloster kämpft Luther mit schweren Glaubenszweifeln und Gewissensängsten. Sein Mentor Johann von Staupitz (gespielt von Bruno Ganz) erkennt Luthers innere Qual und fördert ihn. Er schickt ihn nach Wittenberg, wo Luther Theologie studiert und schließlich Professor wird. Eine Reise nach Rom öffnet Luther die Augen: Er sieht den Prunk und die Korruption in der Kirche und ist entsetzt.
Zurück in Deutschland erlebt Luther, wie der Ablasshändler Johann Tetzel (gespielt von Alfred Molina) mit reißerischen Methoden Ablassbriefe verkauft. Tetzel verspricht den einfachen Leuten, dass sie mit Geld die Seelen ihrer Verstorbenen aus dem Fegefeuer befreien können. Luther empfindet das als theologischen Betrug und verfasst seine 95 Thesen, die er 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg schlägt.
Die Thesen verbreiten sich dank des Buchdrucks rasend schnell in ganz Europa. Luther wird zum Verhör nach Augsburg gerufen, wo er vor Kardinal Cajetan (gespielt von Mathieu Carrière) erscheinen muss. Er weigert sich, zu widerrufen. 1521 folgt die berühmte Szene auf dem Reichstag zu Worms: Vor Kaiser Karl V. und den versammelten Fürsten des Reiches soll Luther seine Schriften zurücknehmen. Er lehnt ab mit den Worten: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“
Daraufhin wird über Luther die Reichsacht verhängt. Sein Beschützer, der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise (gespielt von Peter Ustinov), lässt ihn zum Schein entführen und auf die Wartburg bringen. Dort übersetzt Luther unter dem Decknamen „Junker Jörg“ das Neue Testament ins Deutsche.
Doch in Wittenberg geraten die Dinge außer Kontrolle. Radikale Reformer wie Andreas Karlstadt treiben die Veränderungen mit Gewalt voran. Luther kehrt zurück und stellt die Ordnung wieder her. Der Film endet mit der Augsburger Konfession von 1530 und zeigt Luther an der Seite seiner Frau Katharina von Bora (gespielt von Claire Cox) und ihres gemeinsamen Kindes.
Wer spielt wen — Die Besetzung
Die Besetzung des Films vereint internationale Schauspieler aus verschiedenen Ländern:
| Rolle | Schauspieler |
|---|---|
| Martin Luther | Joseph Fiennes |
| Johann von Staupitz | Bruno Ganz |
| Friedrich der Weise | Peter Ustinov |
| Johann Tetzel | Alfred Molina |
| Girolamo Aleander | Jonathan Firth |
| Katharina von Bora | Claire Cox |
| Papst Leo X. | Uwe Ochsenknecht |
| Kardinal Cajetan | Mathieu Carrière |
| Spalatin | Benjamin Sadler |
| Karlstadt | Jochen Horst |
| Kaiser Karl V. | Torben Liebrecht |
| Melanchthon | Lars Rudolph |
Besonders hervorzuheben ist Peter Ustinov in seiner Rolle als Friedrich der Weise. Es war eine seiner letzten großen Filmrollen — Ustinov starb im März 2004, nur wenige Monate nach dem Kinostart. Er bringt dem Kurfürsten eine Mischung aus Schlauheit und Menschlichkeit, die den Film an vielen Stellen trägt. Auch Alfred Molina als fanatischer und theatralischer Tetzel liefert eine einprägsame Leistung.
Bruno Ganz, der Schweizer Schauspieler, der später als Hitler in „Der Untergang“ (2004) weltberühmt wurde, spielt Staupitz mit ruhiger Würde. Joseph Fiennes gibt Luther als zerrissenen, leidenschaftlichen jungen Mann — seine Darstellung wurde allerdings von manchen Kritikern als etwas zu zurückhaltend empfunden.
Drehorte und historische Kulissen
Die Dreharbeiten fanden größtenteils in Deutschland, Tschechien und Italien statt. Das Produktionsteam legte großen Wert auf authentische Schauplätze. Gedreht wurde unter anderem in:
- Prag und Umgebung (Tschechien), wo viele mittelalterliche Straßenszenen entstanden
- Der Wartburg bei Eisenach, dem echten Ort von Luthers Bibelübersetzung
- Verschiedenen Schlössern und Kirchen in Sachsen und Thüringen
- Rom für die Szenen in der Ewigen Stadt
Die Ausstattung und Kostüme stammen von Rolf Zehetbauer, einem erfahrenen deutschen Szenenbildner, der bereits für den Oscar-prämierten Film „Cabaret“ (1972) gearbeitet hatte. Die historischen Kostüme und Bauten vermitteln ein glaubhaftes Bild des frühen 16. Jahrhunderts.
Wie Kritiker und Publikum reagierten
Die Kritiken waren gemischt. Auf der Bewertungsplattform Metacritic erhielt der Film einen Score von 47 von 100, was auf gemischte bis negative Bewertungen hinweist. Auf imdb.com liegt die Nutzerbewertung bei 6,6 von 10 Sternen bei über 16.000 Stimmen.
Viele Kritiker lobten die Ausstattung, die Musik und einzelne schauspielerische Leistungen — vor allem Ustinov und Molina. Kritisiert wurde hingegen, dass der Film zu brav und zu glatt erzählt sei. Manche Rezensenten empfanden die Darstellung Luthers als zu positiv und zu wenig differenziert. Luthers antisemitische Schriften und seine Haltung im Bauernkrieg — er rief die Fürsten zur blutigen Niederschlagung der Aufstände auf — werden im Film nur am Rande oder gar nicht behandelt.
In den USA spielte der Film dank gezielter Werbung in kirchlichen Gemeinden rund 5,8 Millionen Dollar ein. In Deutschland war das Einspielergebnis solide, aber kein Kassenschlager. Insgesamt blieb der Film unter den finanziellen Erwartungen der Produzenten.
Beim kirchlichen Publikum kam der Film deutlich besser an. Viele evangelische Gemeinden organisierten Gruppenbesuche. Der Film wurde auch als Bildungsmaterial in Schulen und Kirchengemeinden eingesetzt.
Historische Genauigkeit — Was stimmt und was nicht
Wie bei den meisten historischen Filmen gibt es Abweichungen von der tatsächlichen Geschichte. Einige Beispiele:
- Der berühmte Satz „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ stammt wahrscheinlich nicht von Luther selbst. Historiker gehen davon aus, dass er erst später hinzugedichtet wurde. Der Film inszeniert ihn trotzdem als dramatischen Höhepunkt.
- Die Rolle von Katharina von Bora wird im Film nur knapp behandelt. In Wirklichkeit war sie eine starke und eigenständige Persönlichkeit, die den Haushalt führte, Geschäfte machte und Luther in vielen Dingen ebenbürtig war. Der Film Katharina Luther (2017) widmet sich ihr ausführlicher.
- Einige Figuren, wie das Mädchen Hanna (gespielt von Maria Simon), sind fiktiv und dienen dazu, die sozialen Auswirkungen der Reformation auf einfache Menschen zu zeigen.
- Die zeitliche Abfolge mancher Ereignisse wurde für die Dramaturgie angepasst.
Grundsätzlich gibt der Film die großen Linien der Reformation korrekt wieder. Wer aber ein vollständiges und kritisches Bild von Luther sucht, muss auf andere Quellen zurückgreifen. Die dunklen Seiten des Reformators — sein Antisemitismus, seine Unterstützung der Fürstengewalt gegen die Bauern, seine zunehmende Intoleranz im Alter — bleiben weitgehend ausgeblendet.
Musik und Filmtechnik
Die Filmmusik komponierte Richard Harvey. Der Score verbindet orchestrale Klänge mit Elementen aus der Kirchenmusik des 16. Jahrhunderts. Besonders in den ruhigen Szenen auf der Wartburg und den großen Reichstagsszenen setzt die Musik wirkungsvolle Akzente. Die Kameraarbeit von Robert Fraisse nutzt das natürliche Licht der historischen Drehorte und erzeugt damit eine stimmige Atmosphäre.
Der Film hat eine Laufzeit von 123 Minuten und wurde in englischer Sprache gedreht — was für einen Film über einen deutschen Reformator, produziert unter starker deutscher Beteiligung, durchaus ungewöhnlich ist. Die Entscheidung fiel aus kommerziellen Gründen: Man wollte den internationalen Markt erreichen.
Bedeutung im Kontext anderer Luther-Filme
Martin Luther wurde im Laufe der Filmgeschichte mehrfach porträtiert. Der bekannteste Vorgänger ist „Martin Luther“ (1953) mit Niall MacGinnis in der Hauptrolle. Dieser Schwarz-Weiß-Film war ebenfalls eine internationale Produktion und erhielt sogar eine Oscar-Nominierung für die beste Kamera.
Im deutschen Fernsehen gab es zudem den Zweiteiler „Luther“ (1983) mit Lambert Hamel. Zum Reformationsjubiläum 2017 erschienen weitere Produktionen, darunter der bereits erwähnte Film „Katharina Luther“ mit Karoline Schuch und Devid Striesow sowie der Spielfilm „Zwischen Himmel und Hölle“ (2017).
Der Film von 2003 bleibt aber der bislang aufwendigste Kinofilm über Luther mit der größten internationalen Verbreitung.







