Happy Ending (2018)

Happy Ending ist eine dänische romantische Dramakomödie aus dem Jahr 2018. Regie führte Hella Joof. Das Drehbuch stammt von Mette Heeno, die sich von der Scheidungsgeschichte ihrer eigenen Eltern inspirieren ließ. Im Mittelpunkt steht das Ehepaar Helle und Peter, gespielt von Birthe Neumann und Kurt Ravn, das sich nach fast 50 gemeinsamen Jahren trennt. Der Film erzählt, was passiert, wenn ein ganzes Lebensmodell plötzlich zusammenbricht – und was danach kommen kann. In Deutschland kam der Film über den Verleih Camino Filmverleih ins Kino. Er verbindet Humor, Melancholie und eine überraschend offene Darstellung von Sexualität im Alter.

Was passiert, wenn Peter in Rente geht

Die Handlung beginnt mit einem scheinbar harmlosen Ereignis: Peter, über 70 Jahre alt, wird aus seiner Firma verabschiedet. Er ist nicht ganz freiwillig gegangen – man hat ihn hinauskomplimentiert. Auf dem Heimweg von der Abschiedsfeier fängt seine Frau Helle an, Pläne zu schmieden. Sie will reisen. Diesmal nicht mit dem Rucksack wie damals in jungen Jahren, sondern richtig – Luxusresorts, die Welt sehen, die gemeinsame Zeit genießen.

Aber Peter hat andere Ideen. Er hat die gesamten Ersparnisse des Paares in eine Beteiligung an einem österreichischen Weingut investiert. Ohne Helle zu fragen. Und das ist erst der Anfang. Peter spricht zuerst von einer „Pause“ in der Ehe. Dann will er die Scheidung. Helle, das gemeinsame Leben – ihm ist alles langweilig geworden.

Für Helle ist das ein Schock. Sie hat ihr ganzes Leben um Peter herum aufgebaut. Den Garten gepflegt, das Haus eingerichtet, die Tochter Nanna großgezogen. Peter wollte nie mehr Kinder. Er hat die Entscheidungen getroffen, sie hat mitgemacht. Jetzt steht sie da – ohne Mann, ohne Plan, ohne klares Bild von sich selbst.

Peter kauft sich einen alten Porsche. Er meldet sich bei einem Datingportal an und macht sich dort glatt zehn Jahre jünger. Er verhält sich wie ein Teenager, der die verlorene Jugend nachholt. Gleichzeitig wirkt er dabei nicht glücklich, sondern eher getrieben.

Helles Weg zu sich selbst

Der eigentliche Kern des Films ist Helles Entwicklung. Nach dem ersten Zusammenbruch beginnt sie langsam, ein eigenes Leben aufzubauen. Das geht nicht von heute auf morgen. Es gibt Rückschläge, Momente der Einsamkeit und der Unsicherheit. Aber Schritt für Schritt entdeckt Helle, dass es jenseits der Ehe noch etwas gibt.

Eine wichtige Rolle spielt dabei Trine, gespielt von Charlotte Sieling. Trine ist selbstbewusst, attraktiv und lebt nach ihren eigenen Regeln. Die Freundschaft – und schließlich mehr als das – zwischen Helle und Trine gibt dem Film eine unerwartete Wendung. Was als klassische Trennungsgeschichte beginnt, wird zu einem Coming-out-Drama. Helle entdeckt nicht nur ihre Unabhängigkeit, sondern auch eine Seite ihrer Sexualität, die sie sich nie eingestanden hat.

Wie epd-film.de in der Filmkritik schreibt, verbindet Regisseurin Hella Joof hier drei Genres: romantische Komödie, bitterböse Emanzipationsgeschichte und Coming-out-Drama. Das funktioniert nicht immer reibungslos, aber es macht den Film überraschend und vielschichtig – gerade für eine Komödie.

Natürlich kommt Peter irgendwann geläutert zurück. So läuft es ja oft. Aber zu diesem Zeitpunkt hat sich Helle bereits verändert. Die Frage ist dann nicht mehr, ob sie ihn zurücknimmt. Die Frage ist, ob sie es überhaupt will.

Die Geschichte hinter dem Drehbuch

Drehbuchautorin Mette Heeno hat die Geschichte nicht erfunden. Sie basiert auf dem, was ihre eigenen Eltern erlebt haben. Die beiden ließen sich nach fast 50 Jahren Ehe scheiden, als sie um die 70 waren. Heeno hat in Interviews erzählt, wie überraschend das für die ganze Familie war – und wie es alle zum Nachdenken gebracht hat.

Diese autobiografische Grundlage merkt man dem Film an. Die Figuren wirken echt. Ihre Reaktionen sind nicht übertrieben. Wenn Helle weint, fühlt es sich nicht nach Kino an, sondern nach dem, was tatsächlich passiert, wenn jemand nach einem halben Jahrhundert plötzlich allein dasteht.

Heeno hat die Geschichte ihrer Eltern natürlich verändert und fiktionalisiert. Aber der emotionale Kern bleibt: Was bedeutet es, wenn man sich so spät im Leben noch einmal komplett neu erfinden muss? Und kann man mit über 70 noch einmal von vorne anfangen?

Besetzung

DarstellerRolle
Birthe NeumannHelle
Kurt RavnPeter
Charlotte SielingTrine
Marianne HøgsbroLinda
Tammi ØstAlice
Rikke BildeNanna
Emilie Kroyer KoppelIda
Mette Munk PlumBirgitte
Kurt DreyerJess
Benjamin KitterCarsten
Claus FlygareClaus
Kenneth M. ChristensenLars

Birthe Neumann ist eine der bekanntesten dänischen Schauspielerinnen. Sie hat in über 100 Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt und war unter anderem in Lars von Triers „Breaking the Waves“ (1996) und der Serie „Borgen“ zu sehen. Für ihre Darstellung der Helle bringt sie genau die richtige Mischung aus Verletzlichkeit und stiller Stärke mit. Die Rolle verlangt viel: Helle muss zusammenbrechen und sich wieder aufrichten – und Neumann macht beides glaubhaft.

Kurt Ravn spielt Peter nicht als einfachen Bösewicht. Peter ist egoistisch, ja – aber er ist auch verloren. Er weiß, dass er etwas Dummes tut, aber er kann nicht anders. Ravn zeigt das mit einer gewissen Tragikomik, die den Film davor bewahrt, in Schwarz-Weiß-Denken zu verfallen.

Charlotte Sieling, bekannt als Schauspielerin und Regisseurin (sie hat Folgen von „The Killing“ inszeniert), spielt Trine als eine Frau, die genau weiß, was sie will. Trine ist kein bloßer Katalysator für Helles Entwicklung – sie ist eine eigenständige, interessante Figur.

Laut sv.wikipedia.org umfasst die Besetzung ein breites Ensemble an erfahrenen dänischen Darstellern, was dem Film eine durchgehend hohe schauspielerische Qualität verleiht.

Rollenbilder, die nach 50 Jahren zerplatzen

Ein zentrales Thema des Films sind traditionelle Geschlechterrollen und wie sie über Jahrzehnte gewachsen sind. Helle und Peter haben ihre Ehe nach einem klassischen Muster gelebt: Er verdient das Geld, trifft die großen Entscheidungen. Sie kümmert sich um Haus, Garten und Kind. Das war ihre Abmachung – oder besser gesagt: Es wurde nie darüber gesprochen. Es war einfach so.

Erst durch die Trennung wird sichtbar, wie ungleich dieses Arrangement war. Helle hat kein eigenes Geld angelegt. Sie hat keine eigene Karriere. Ihre Identität war die der Ehefrau und Mutter. Peter hingegen hatte immer die Firma, die Kollegen, ein Leben außerhalb der Ehe. Er hat Helle nie gefragt, ob sie das so wollte. Und Helle hat nie protestiert.

Der Film stellt das nüchtern dar, ohne zu moralisieren. Es gibt keine Szene, in der jemand sagt: „Das war falsch.“ Aber es wird deutlich. Und es wird deutlich, dass dieses Muster kein Einzelfall ist. Viele Paare dieser Generation haben so gelebt. Der Film spricht damit ein ganzes Publikumssegment an, das sich darin wiedererkennen kann.

Älterwerden und Sexualität – Kein Tabuthema mehr

„Happy Ending“ gehört zu einer Reihe von Filmen, die Sexualität im Alter offen zeigen. Wie epd-film.de anmerkt, ist das spätestens seit Andreas Dresens „Wolke 9″ von 2008 fast zu einem eigenen Genre geworden. Die Darstellung eines aktiven Sexlebens in „all seiner faltigen Realität“ ist in diesen Filmen kein Scherz, sondern wird ernst genommen.

In „Happy Ending“ geht es nicht nur darum, dass ältere Menschen noch Sex haben. Es geht darum, dass Helle mit über 70 entdeckt, dass sie Frauen attraktiv findet. Das ist eine doppelte Tabuüberschreitung: Erstens das Alter, zweitens die sexuelle Orientierung. Der Film behandelt beides mit einer angenehmen Selbstverständlichkeit. Er macht kein großes Drama daraus. Es passiert einfach. Und das ist vielleicht die stärkste Aussage: Es darf einfach passieren.

Das schließt sich an den Trend an, wie filmstarts.de bei verschiedenen skandinavischen Filmen beobachtet hat: Das dänische Kino traut sich seit Jahren, unbequeme Themen mit Leichtigkeit zu behandeln, ohne sie zu bagatellisieren.

Wie der Film aufgenommen wurde

Die Kritiken für „Happy Ending“ fielen überwiegend positiv aus, wenn auch mit Einschränkungen. Gelobt wurde vor allem das Ensemble, besonders die Leistung von Birthe Neumann. Die Geschichte wurde als warmherzig und unterhaltsam beschrieben.

Gleichzeitig wurde der Film von einigen Kritikern als zu oberflächlich empfunden. Wie epd-film.de bemerkt, bleibt der Film „mit Ausnahme weniger Details an der Oberfläche und eindimensional“. Es werde nicht wirklich gezeigt, wie es zu der Entfremdung zwischen Helle und Peter gekommen ist. Die Freunde des Paares scheinen es alle besser gemacht zu haben – das wirkt etwas vereinfacht.

Andere Kritiker sahen genau darin eine Stärke: Der Film wolle kein psychologisches Tiefendrama sein. Er wolle eine unterhaltsame Geschichte erzählen, die trotzdem etwas zu sagen hat. Und das gelingt ihm. Die überraschende Wendung gegen Ende hebe den Film über ähnliche Produktionen hinaus.

In Dänemark lief der Film solide im Kino. In Deutschland brachte der Camino Filmverleih den Film in die Kinos, wo er vor allem ein älteres Publikum ansprach. Auf Filmfestivals wurde er verschiedentlich gezeigt, und die Publikumsreaktionen waren durchweg warm.

Hella Joof – Die Regisseurin und ihre Handschrift

Hella Joof, geboren 1962 in Dänemark, ist Schauspielerin, Komikerin und Regisseurin. Sie wurde zunächst als Teil des dänischen Comedy-Duos bekannt, bevor sie sich dem Filmemachen zuwandte. Ihre Filme zeichnen sich durch einen liebevollen Blick auf ihre Figuren aus, gepaart mit einem scharfen Gespür für gesellschaftliche Themen.

Joof inszeniert „Happy Ending“ mit einem Stil, der zwischen Satire und Empathie pendelt. Sie lacht über ihre Figuren, aber sie lacht nie über sie herab. Das ist ein feiner Unterschied, und er macht den Film sympathisch. Wie kino.de beschreibt, versteht Joof es, ihre Generation der Eltern mit Humor und Respekt zu porträtieren.

Die Bilder im Film sind hell, sauber und fast zu perfekt komponiert – was zum bürgerlichen Setting passt. Die Ausstattung zeigt ein gepflegtes dänisches Zuhause, in dem alles seinen Platz hat. Genau wie im Leben von Helle und Peter. Bis es das nicht mehr hat.

Ein Film über neue Anfänge

„Happy Ending“ ist kein großer Autorenfilm. Er will keine Filmgeschichte schreiben. Aber er erzählt eine Geschichte, die viele Menschen betrifft – und er tut das mit Anstand, Humor und einer gewissen Ehrlichkeit. Der Film sagt: Es ist nie zu spät, sich selbst kennenzulernen. Auch mit 70 nicht. Auch wenn es wehtut.

Die Stärke liegt im Ensemble, in den kleinen Momenten und in der Bereitschaft, Tabuthemen ohne Aufregung zu zeigen. Birthe Neumann trägt den Film. Kurt Ravn gibt dem Ehemann genug Tiefe, dass man ihn nicht einfach hassen kann. Und Charlotte Sieling bringt als Trine frischen Wind in eine Geschichte, die sonst vielleicht zu vorhersehbar gewesen wäre.

Technische Daten

OriginaltitelHappy Ending
LandDänemark
Jahr2018
GenreRomantische Dramakomödie
RegieHella Joof
DrehbuchMette Heeno
SpracheDänisch
Deutscher VerleihCamino Filmverleih

Quellen