Ganz große Oper – Vorhang auf für eine Liebeserklärung ist ein deutscher Dokumentarfilm aus dem Jahr 2017. Regie führte Toni Schmid, der auch das Konzept schrieb. Der Film porträtiert die Bayerische Staatsoper in München, eines der ältesten und bekanntesten Opernhäuser der Welt. Er zeigt den Alltag des Hauses am Max-Joseph-Platz, begleitet Sänger, Dirigenten, Tänzer und Handwerker bei der Arbeit und folgt der Entstehung von drei Opernproduktionen sowie einem Ballett. Der Film kam am 1. Juni 2017 in die deutschen Kinos, nachdem er am 7. Mai 2017 beim DOK.fest München seine Uraufführung gefeiert hatte. Mit einer Laufzeit von rund 88 Minuten richtet er sich sowohl an erfahrene Opernfans als auch an ein breites Publikum, das die Welt hinter dem Vorhang kennenlernen will.
Worum es in dem Film geht
Der Film nimmt die Zuschauer mit in die Räume und Werkstätten der Bayerischen Staatsoper. Er zeigt, wie drei große Opernproduktionen entstehen: Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“, Jean-Philippe Rameaus „Les Indes galantes“ und Giuseppe Verdis „Un ballo in maschera“. Dazu kommt ein Blick auf das Bayerische Staatsballett und seinen damals neuen Direktor Igor Zelensky, der die Proben zu „La Bayadère“ von Ludwig Minkus leitet.
Der Film folgt keiner klassischen Handlung. Stattdessen reiht er viele kurze Szenen aneinander. Mal sieht man Proben auf der Bühne, mal Gespräche mit Solisten, mal Blicke in die Kostümwerkstatt oder den Bühnenbau. Der Regisseur zeigt auch das Publikum, das oft Wochen im Voraus Karten kauft. Laut Film arbeiten rund 800 Festangestellte und 400 freie Mitarbeiter aus 47 Nationen für das Haus. Sie alle kommen im Film kurz zu Wort oder werden bei der Arbeit gezeigt.
Ein wichtiges Thema ist die Frage, wie Oper heute gemacht wird. Der Film will deutlich machen, dass Oper keine reine Kunstform für Reiche ist. Er zeigt die Leidenschaft der Menschen, die tagtäglich an neuen Produktionen arbeiten. Der Regisseur nennt das selbst eine „Liebeserklärung“ an die Gattung. Genau darauf spielt auch der Untertitel an.
Die Menschen vor der Kamera
Der Film bringt viele bekannte Stimmen und Gesichter der Opernwelt zusammen. Zu den wichtigsten Beteiligten zählen:
- Jonas Kaufmann, einer der weltweit bekanntesten Tenöre, der im Film über seine Rolle in den „Meistersingern“, über Wagners Texte („krude“, wie er sagt) und über seine Laufbahn spricht.
- Anja Harteros, eine gefeierte Sopranistin, die man bei Proben und Auftritten sieht.
- Kirill Petrenko, damals Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, der im Film kaum selbst zu Wort kommt. Kritiker haben das später bemerkt – er hielt sich bewusst zurück.
- Zubin Mehta, Petrenkos Vorgänger als Generalmusikdirektor, der im Film mehrfach auftritt.
- Ivor Bolton, Dirigent mit Schwerpunkt auf Barockmusik.
- Nikolaus Bachler, damals Intendant des Hauses, der im Film stolz erzählt, dass die Staatsoper rund 45 Opern pro Jahr zeigt.
- Sir Peter Jonas, sein Vorgänger als Intendant, der die Entwicklung des Hauses über Jahre hinweg geprägt hat.
- Igor Zelensky, damals neuer Direktor des Bayerischen Staatsballetts.
Neben den Stars sprechen auch Musiker aus dem Orchestergraben, Tänzer, Schneiderinnen, Maskenbildner und Bühnenarbeiter. Die Mischung soll zeigen, wie viele Menschen an einer Aufführung beteiligt sind, bevor der Vorhang aufgeht.
Entstehung und Produktion
Der Film entstand zwischen 1. Oktober 2015 und 15. Juni 2016. Produziert wurde er von der Münchner Kick Film GmbH, einer Firma der Brüder Jörg und Moritz Bundschuh. Koproduktionspartner waren der Bayerische Rundfunk (BR) und Arte Deutschland TV. Gedreht wurde an verschiedenen Orten im und um das Nationaltheater München.
Die Kamera führten Roland Wagner, Hans Peter Fischer, Ralf Richter und Anna Crotti. Den Schnitt übernahm Carmen Kirchweger. Für den Ton waren Daniel Bärschneider, Franz Eilers und Fred Bastos verantwortlich. Die Tonmischung machte Peter Riegel. Finanziell unterstützt wurde das Projekt vom FilmFernsehFonds Bayern (FFF Bayern) und dem Deutschen Filmförderfonds (DFFF).
Eine interessante Randnotiz: Regisseur Toni Schmid war lange Jahre Ministerialdirigent im Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. In dieser Funktion war er auch für die Bayerische Staatsoper mitverantwortlich. Er kannte das Haus und viele seiner Mitarbeiter also schon lange, bevor er den Film drehte. Das ist ein Vorteil – er hatte Zugang, den andere Filmemacher nicht bekommen hätten. Kritiker sehen darin aber auch einen Nachteil, weil der Film sehr wohlwollend mit seinen Figuren umgeht.
Start im Kino und im Fernsehen
Die Uraufführung fand am 7. Mai 2017 beim DOK.fest München statt, dem größten deutschen Dokumentarfilmfestival. Der reguläre Kinostart in Deutschland folgte am 1. Juni 2017 und wurde vom Berliner Verleih NFP Marketing & Distribution organisiert.
Die Fernseh-Erstausstrahlung lief am 25. September 2018 im Bayerischen Rundfunk. Später zeigten auch weitere Sender und Streamingdienste den Film. Heute ist er unter anderem über Apple TV, Amazon Video, MagentaTV und Videoload als Leih- oder Kauffilm erhältlich. Zusätzlich erschien eine Sammleredition auf DVD mit Zusatzmaterial.
Die FSK hat den Film ohne Altersbeschränkung freigegeben. Er lief auch als „feiertagsfrei“, darf also an stillen Feiertagen gezeigt werden.
Technische Daten im Überblick
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Originaltitel | Ganz große Oper |
| Untertitel | Vorhang auf für eine Liebeserklärung |
| Produktionsland | Deutschland |
| Produktionsjahr | 2015–2017 |
| Länge | 88 Minuten (Kinofassung), 92 Minuten (Langfassung) |
| Format | DCP, Farbe, Dolby |
| FSK | Ohne Altersbeschränkung |
| Regie | Toni Schmid |
| Produktion | Kick Film GmbH |
| Koproduktion | BR, Arte Deutschland |
| Verleih | NFP Marketing & Distribution |
| Uraufführung | 7. Mai 2017 (DOK.fest München) |
| Kinostart | 1. Juni 2017 |
| TV-Premiere | 25. September 2018 (BR) |
Filmkritik
Die Filmkritik bewertete „Ganz große Oper“ sehr unterschiedlich. Viele Zeitungen lobten die Bilder, die Musik und den Zugang zu den Stars. Andere Kritiker sahen den Film eher als freundliches Porträt denn als tiefgründige Dokumentation.
Besonders deutlich wurde Silvia Hallensleben in der Zeitschrift epd Film. Sie nannte den Film einen „Werbefilm über und für das Haus und seine Bewohner“. Kritisch merkte sie an, dass der Regisseur das Haus durch seine Arbeit als Ministerialdirigent zu gut kenne. Das führe zu einer „konventionellen Häppchendramaturgie“, bei der nichts wirklich überrasche. Sie vermisste den analytischen Blick, den zum Beispiel Frederick Wiseman in seinem Film „Das Ballett der Pariser Oper“ gezeigt habe. Auch die Rolle der Frauen im Film sah sie kritisch: Männer über fünfzig würden den Ton angeben, Frauen seien oft nur jung und dekorativ zu sehen.
Andere Medien bewerteten den Film positiver. Sie hoben vor allem die Qualität der Musikaufnahmen, die schönen Kamerafahrten durch das Nationaltheater und die Auftritte von Jonas Kaufmann und Anja Harteros hervor. Für Opernfans sei der Film eine angenehme Gelegenheit, einmal hinter die Kulissen eines Spitzenhauses zu blicken.
Ein oft genannter Punkt: Kirill Petrenko lässt sich im Film fast nicht interviewen. Er war dafür bekannt, dass er Medienauftritte meidet. Einige Kritiker lasen das als kluge Entscheidung – Petrenko wolle sich nicht für einen PR-nahen Film vereinnahmen lassen. Andere fanden es schade, dass der Generalmusikdirektor so wenig vorkommt.
Einordnung in die Filmlandschaft
Filme über Opernhäuser sind ein eigenes kleines Genre. International bekannt ist zum Beispiel Frederick Wisemans „La Danse – Le ballet de l’Opéra de Paris“ von 2009. In Deutschland gibt es ebenfalls Dokumentarfilme über einzelne Häuser oder Inszenierungen, etwa über die Salzburger Festspiele oder die Bayreuther Festspiele.
„Ganz große Oper“ reiht sich in diese Tradition ein, wählt aber einen eher leichten, zugänglichen Stil. Der Film will nicht analysieren, sondern zeigen und begeistern. Damit unterscheidet er sich von strenger gebauten Werken wie denen Wisemans, die lange Einstellungen und bewusst wenig Kommentar verwenden. Für Zuschauer, die zum ersten Mal einen Blick hinter die Bühne werfen, ist das ein praktischer Einstieg. Wer mehr über die wirtschaftliche, politische oder künstlerische Seite eines großen Opernbetriebs wissen will, muss anderswo suchen.
Die Bayerische Staatsoper als Hintergrund
Um den Film zu verstehen, hilft ein kurzer Blick auf das Haus selbst. Die Bayerische Staatsoper geht auf die kurfürstliche Hofoper des 17. Jahrhunderts zurück. Heute ist sie eines der größten Musiktheater Europas. Sie spielt rund 350 Vorstellungen pro Jahr, darunter etwa 45 verschiedene Opern. Das Haus gewann mehrfach den Titel „Opernhaus des Jahres“, vergeben von der Fachzeitschrift Opernwelt.
Die Staatsoper steht im Nationaltheater München am Max-Joseph-Platz, direkt neben der Residenz. Zum Ensemble gehören das Bayerische Staatsorchester, das Bayerische Staatsballett und der Staatsopernchor. Die Karten sind oft Wochen im Voraus ausverkauft. Das Publikum gilt, wie im Film erwähnt, schon seit dem 19. Jahrhundert als besonders treu und leidenschaftlich.
Zur Zeit der Dreharbeiten leitete Kirill Petrenko als Generalmusikdirektor die musikalischen Geschicke. Nikolaus Bachler war Intendant. Beide haben inzwischen neue Aufgaben übernommen: Petrenko wechselte 2019 als Chefdirigent zu den Berliner Philharmonikern, Bachler ging 2021 zu den Salzburger Osterfestspielen. Der Film hält also einen bestimmten Moment in der Geschichte des Hauses fest.
Warum der Film heute noch interessant ist
Auch Jahre nach dem Kinostart hat „Ganz große Oper“ einen praktischen Nutzen. Er ist ein Zeitdokument über die Bayerische Staatsoper in den Jahren 2015 und 2016. Viele der gezeigten Menschen sind inzwischen an anderen Häusern tätig. Die Inszenierungen sind teilweise aus dem Spielplan verschwunden. Wer die Ära Petrenko/Bachler nachvollziehen will, findet im Film viel Material.
Für Musikschulen, Opernfreunde und Einsteiger ist der Film außerdem eine gute Einführung. Er erklärt nicht alles, aber er zeigt, wie viele Berufe und Schritte nötig sind, bis eine Oper auf der Bühne steht. Der Zuschauer bekommt einen Eindruck von Kostümbau, Bühnenbau, Orchesterprobe, Soloprobe, Dirigat und Regie.
Gleichzeitig bleibt die Kritik gültig: Der Film zeigt eine Welt, die er gern zeigt, und lässt andere Seiten weg. Wer mehr über Arbeitsbedingungen, Tarifstreit oder die Finanzierung eines großen Staatsbetriebs wissen will, findet hier wenig. Das sollte man im Hinterkopf haben.
Verfügbarkeit und Veröffentlichungen
Der Film ist auf DVD in einer Exklusiven Sammleredition erschienen. Diese enthält das Hauptprogramm sowie Zusatzmaterial. Digital ist er über mehrere Anbieter als Video-on-Demand verfügbar, unter anderem bei Amazon Prime Video, Apple TV, MagentaTV und Videoload. Die Preise lagen zuletzt bei rund 3 bis 8 Euro je nach Anbieter und Nutzung (Leihen oder Kauf).
Im Fernsehen lief der Film mehrfach im Bayerischen Rundfunk. Dort wurde er zu späten Sendezeiten eingesetzt, meist nach 22 Uhr. Auch arte strahlte Teile oder die vollständige Fassung aus, da der Sender an der Koproduktion beteiligt war.







