Cyrano ist ein musikalisches Filmdrama aus dem Jahr 2021, das auf dem gleichnamigen Bühnenstück von Erica Schmidt basiert. Regie führte Joe Wright, der für Filme wie Abbitte und Die dunkelste Stunde bekannt ist. Der Film erzählt die berühmte Geschichte von Cyrano de Bergerac neu – allerdings mit einem wichtigen Unterschied zur klassischen Vorlage von Edmond Rostand aus dem Jahr 1897. Statt einer übergroßen Nase ist es hier die geringe Körpergröße des Protagonisten, die ihn daran hindert, seine Liebe zu gestehen. In der Hauptrolle glänzt Peter Dinklage, bekannt aus der Serie Game of Thrones. Der Film kam im Dezember 2021 in die US-amerikanischen Kinos und wurde bei den 94. Academy Awards in mehreren Kategorien nominiert.
Die Geschichte hinter dem Stoff – Woher kommt Cyrano?
Die Figur des Cyrano de Bergerac geht auf eine reale historische Person zurück. Der echte Cyrano lebte im 17. Jahrhundert in Frankreich und war Schriftsteller, Soldat und Freidenker. Berühmt wurde die Figur aber vor allem durch das Theaterstück des französischen Dramatikers Edmond Rostand, das 1897 in Paris uraufgeführt wurde. In Rostands Version ist Cyrano ein brillanter Dichter und Fechter, der sich wegen seiner auffallend großen Nase nicht traut, der schönen Roxane seine Liebe zu gestehen. Stattdessen hilft er dem gutaussehenden, aber unbeholfenen Christian, Roxane mit Briefen und Worten zu erobern – Worte, die in Wahrheit von Cyrano stammen.
Dieser Stoff wurde im Laufe der Jahrzehnte unzählige Male adaptiert – als Film, Oper, Musical und in anderen Medien. Die Version von Erica Schmidt entstand zunächst als Off-Broadway-Musical im Jahr 2018, mit Peter Dinklage in der Hauptrolle. Schmidt, die auch die Ehefrau von Dinklage ist, schrieb das Buch und die Liedtexte. Die Musik stammt von den Mitgliedern der Indie-Rock-Band The National, Aaron und Bryce Dessner. Das Stück wurde von Kritikern positiv aufgenommen, was schließlich zur Verfilmung unter Joe Wrights Regie führte.
Die Handlung im Detail
Die Handlung spielt auf der Mittelmeerinsel Sizilien im Jahr 1640, zur Zeit der französischen Kolonialherrschaft. Cyrano de Bergerac ist ein begnadeter Dichter, Schwertkämpfer und Soldat. Er ist intelligent, mutig und wortgewandt. Aber er leidet unter seiner Kleinwüchsigkeit und glaubt, dass ihn deswegen niemand lieben kann.
Cyrano ist seit langem heimlich in Roxane verliebt, eine junge Frau aus gutem Hause und seine Jugendfreundin. Er bringt es nicht über sich, ihr seine Gefühle zu offenbaren. Als der junge, attraktive Soldat Christian de Neuvillette neu in Cyranos Kompanie kommt, verliebt sich Roxane sofort in ihn. Christian erwidert die Gefühle, ist aber unbeholfen mit Worten. Er kann seine Zuneigung nicht ausdrücken.
Roxane bittet Cyrano, auf Christian aufzupassen. Cyrano, zerrissen zwischen seiner Liebe zu Roxane und seiner Freundschaft, schlägt Christian einen Pakt vor: Cyrano wird die Briefe und Gedichte für Christian verfassen, damit Roxane sich in ihn verliebt. Christian stimmt zu. Es beginnt ein kompliziertes Dreiecksverhältnis, in dem Roxane sich immer tiefer in die Worte verliebt – ohne zu wissen, dass sie von Cyrano stammen.
Die Situation wird durch den Duc de Guiche verschärft, einen mächtigen Adligen, gespielt von Ben Mendelsohn. De Guiche begehrt Roxane ebenfalls und nutzt seine Macht, um Christian und Cyrano in den Krieg zu schicken. Er will Christian loswerden, um Roxane für sich zu gewinnen. Roxane und Christian heiraten heimlich, bevor die Soldaten in den Kampf ziehen.
An der Front schreibt Cyrano weiterhin Briefe im Namen Christians. Roxane ist so berührt von den Worten, dass sie den Soldaten an die Front folgt. In einer emotionalen Szene gesteht sie Christian, dass sie ihn nicht mehr wegen seines Aussehens liebt, sondern wegen seiner Seele – also wegen der Briefe. Christian erkennt, dass Roxane eigentlich Cyrano liebt, und will, dass Cyrano die Wahrheit enthüllt. Bevor es dazu kommen kann, fällt Christian im Kampf.
Cyrano, voller Trauer und Schuldgefühle, entscheidet sich, sein Geheimnis niemals zu verraten. Erst Jahre später, als Cyrano selbst tödlich verwundet ist, liest er Roxane den letzten Brief vor – und sie erkennt an seiner Stimme und seinen Worten, dass er es war, der all die Jahre geschrieben hat. Cyrano stirbt in Roxanes Armen.
Besetzung und Figuren
| Rolle | Schauspieler |
|---|---|
| Cyrano de Bergerac | Peter Dinklage |
| Roxane | Haley Bennett |
| Christian de Neuvillette | Kelvin Harrison Jr. |
| Duc de Guiche | Ben Mendelsohn |
| Le Bret | Bashir Salahuddin |
Peter Dinklage trägt den Film als Cyrano. Er bringt Verletzlichkeit, Stolz und Humor in die Rolle ein. Dinklage war bereits in der Bühnenversion des Stücks zu sehen und kennt die Figur daher sehr gut. Für den Film hat er auch selbst gesungen, was für ihn eine neue Erfahrung war.
Haley Bennett spielt Roxane mit einer Mischung aus Stärke und Romantik. Bennett hatte bereits mit Regisseur Joe Wright zusammengearbeitet und war ebenfalls Teil der Bühnenproduktion. Kelvin Harrison Jr. gibt Christian eine Tiefe, die über die übliche Darstellung als hübscher, aber dummer Soldat hinausgeht. Ben Mendelsohn verkörpert den Antagonisten De Guiche mit einer Mischung aus Bedrohung und Tragik – auch er ist ein Mann, der liebt und nicht geliebt wird.
Musik, die unter die Haut geht – Der Soundtrack
Ein zentrales Element des Films ist die Musik von Aaron und Bryce Dessner. Die beiden Brüder sind Mitglieder der Grammy-prämierten Band The National und haben einen Soundtrack geschrieben, der zwischen barocken Klängen, Indie-Folk und orchestraler Filmmusik pendelt. Die Liedtexte stammen von Matt Berninger und Carin Besser.
Die Songs sind keine typischen Musical-Nummern. Sie sind intimer, leiser und nachdenklicher als man es von einem Historienfilm erwarten würde. Stücke wie „Wherever I Fall“ und „Someone to Say“ drücken die inneren Konflikte der Figuren aus, ohne in Kitsch abzugleiten. Die Musik wurde von Kritikern weitgehend positiv aufgenommen, auch wenn einige bemängelten, dass die Songs nicht immer so eingängig seien wie bei anderen Musicals.
Die Schauspieler singen live am Set, was dem Film eine rohe, authentische Qualität verleiht. Joe Wright entschied sich bewusst gegen nachträglich aufgenommene Gesangseinlagen, um die Emotionalität der Szenen zu bewahren.
Wie der Film gedreht wurde – Produktion und Dreharbeiten
Die Dreharbeiten fanden hauptsächlich auf Sizilien statt, genauer gesagt in der Stadt Noto und Umgebung. Joe Wright nutzte die barocke Architektur der Stadt als natürliche Kulisse. Viele Szenen wurden in echten historischen Gebäuden, Kirchen und auf Plätzen gedreht. Die Landschaft Siziliens gibt dem Film eine warme, erdige Atmosphäre, die sich von den typisch französischen Kulissen anderer Cyrano-Verfilmungen unterscheidet.
Die Kostüme entwarf Massimo Cantini Parrini, der sich von der Mode des 17. Jahrhunderts inspirieren ließ, aber moderne Elemente einarbeitete. Die Kostüme wurden für einen Oscar nominiert. Auch das Szenenbild von Sarah Greenwood und die Kameraarbeit von Seamus McGarvey tragen zur visuellen Wucht des Films bei.
Die Produktion war teilweise von der COVID-19-Pandemie betroffen. Die Dreharbeiten begannen im Herbst 2020 unter strengen Hygieneauflagen. Trotz der Einschränkungen gelang es dem Team, den Film rechtzeitig fertigzustellen.
Kritiken und Publikumsreaktionen – Wie kam der Film an?
Cyrano wurde gemischt bis positiv aufgenommen. Auf der Bewertungsplattform Rotten Tomatoes erreichte der Film eine Zustimmungsrate von rund 85 Prozent. Auf Metacritic liegt der Wert bei 64 von 100 Punkten, was auf „allgemein positive Kritiken“ hindeutet.
Besonders gelobt wurde Peter Dinklages Leistung in der Hauptrolle. Viele Kritiker bezeichneten seine Darstellung als bewegend und nuanciert. Auch die visuelle Gestaltung und die Kostüme erhielten viel Lob. Die Musik wurde als originell und stimmungsvoll beschrieben, auch wenn einige Rezensenten sie als zu zurückhaltend empfanden.
Kritisiert wurde teilweise das Erzähltempo. Manche Zuschauer empfanden den Film als zu langsam, besonders im zweiten Akt. Auch der Musical-Aspekt war nicht für alle überzeugend – einige Kritiker fanden, dass die Gesangsszenen den Erzählfluss unterbrachen, statt ihn zu verstärken.
An den Kinokassen war der Film kein großer Erfolg. Bei einem geschätzten Budget von rund 30 Millionen US-Dollar spielte er weltweit nur etwa 5,8 Millionen Dollar ein. Die Veröffentlichung während der Omikron-Welle der Pandemie und die begrenzte Zielgruppe für musikalische Dramen trugen zu diesem Ergebnis bei.
Nominierungen und Auszeichnungen
Bei den 94. Academy Awards (Oscars) 2022 erhielt Cyrano eine Nominierung in der Kategorie Bestes Kostümdesign für Massimo Cantini Parrini. Der Film wurde außerdem bei anderen Veranstaltungen gewürdigt:
- British Independent Film Awards – Nominierung
- Satellite Awards – Nominierung für Peter Dinklage als Bester Hauptdarsteller
- Critics Choice Awards – Nominierung für das Kostümdesign
Obwohl der Film keine der großen Preise gewann, wurde die handwerkliche Qualität der Produktion von der Branche anerkannt.
Warum dieser Film trotzdem relevant ist
Cyrano ist kein gewöhnliches Remake. Die Entscheidung, die große Nase durch Kleinwüchsigkeit zu ersetzen, gibt der Geschichte eine andere Dimension. Während eine Nase letztlich ein kosmetisches Merkmal ist, betrifft Dinklages körperliche Erscheinung seine gesamte Präsenz in der Welt. Das macht Cyranos Unsicherheit greifbarer und realer.
Der Film stellt Fragen, die auch heute relevant sind: Wer darf lieben? Wer wird als liebenswert betrachtet? Und was passiert, wenn man sich hinter den Worten eines anderen versteckt, statt die eigene Wahrheit zu sagen? Diese Themen machen den Stoff zeitlos – egal, ob er im 17. Jahrhundert oder in der Gegenwart spielt.
Peter Dinklage hat in Interviews betont, dass er die Rolle nicht als Repräsentation von Behinderung verstanden wissen will, sondern als universelle Geschichte über Liebe, Stolz und die Angst vor Ablehnung. Und genau das ist die Stärke dieser Verfilmung: Sie macht aus einem klassischen Stoff etwas Persönliches und Menschliches.






