Der seltsame Fall des Benjamin Button (Originaltitel: The Curious Case of Benjamin Button) ist ein US-amerikanischer Fantasyfilm aus dem Jahr 2008. Regie führte David Fincher, bekannt durch Filme wie Sieben und Zodiac. In den Hauptrollen spielen Brad Pitt und Cate Blanchett. Der Film basiert lose auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald aus dem Jahr 1922. Die Geschichte dreht sich um einen Mann, der als Greis zur Welt kommt und im Laufe seines Lebens immer jünger wird. Das Drehbuch schrieb Eric Roth, der bereits für Forrest Gump verantwortlich war. Der Film hatte am 25. Dezember 2008 in den USA Premiere und startete am 29. Januar 2009 in den deutschen Kinos. Mit einem Budget von rund 150 Millionen US-Dollar spielte er weltweit über 333 Millionen US-Dollar ein. Bei der Oscar-Verleihung 2009 erhielt der Film 13 Nominierungen und gewann drei Auszeichnungen.
Worum es in dem Film geht
Die Rahmenhandlung spielt im August 2005 in New Orleans, kurz bevor Hurrikan Katrina die Stadt trifft. Die alte Daisy (gespielt von Cate Blanchett) liegt im Sterben. Ihre Tochter Caroline (Julia Ormond) ist an ihrer Seite. Daisy bittet Caroline, ihr aus dem Tagebuch eines Mannes namens Benjamin Button vorzulesen. Caroline weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass Benjamin ihr leiblicher Vater ist.
Daisy erzählt zunächst die Geschichte eines blinden Uhrmachers namens Monsieur Gateau. Dieser hatte gegen Ende des Ersten Weltkriegs den Auftrag bekommen, eine große Bahnhofsuhr zu bauen. Sein einziger Sohn war im Krieg gefallen. Bei der feierlichen Enthüllung der Uhr stellte sich heraus: Sie lief rückwärts. Der Uhrmacher erklärte, er habe das absichtlich so gemacht – in der Hoffnung, die Zeit zurückdrehen zu können und seinen Sohn wieder zum Leben zu erwecken.
Im selben Jahr, 1918, wird Benjamin Button in New Orleans geboren. Seine Mutter stirbt bei der Geburt. Sein Vater, der wohlhabende Knopffabrikant Thomas Button (Jason Flemyng), ist vom Anblick des Kindes entsetzt. Benjamin hat zwar die Größe eines Neugeborenen, aber den Körper eines uralten Mannes. Thomas Button legt das Kind auf die Stufen eines Altenpflegeheims und verschwindet.
Die Leiterin des Heims, Queenie (Taraji P. Henson), nimmt sich des Kindes an. Ein Arzt untersucht Benjamin und stellt fest: Das Kind hat Arthritis, ist fast blind und wird wohl nicht lange leben. Doch das Gegenteil passiert. Benjamins Körper wird mit jedem Jahr jünger. Er wächst zwischen alten Menschen auf und fühlt sich dort zunächst ganz wohl, weil er selbst wie ein alter Mann aussieht.
Benjamin wird erwachsen – und dabei immer jünger
Im Heim lernt Benjamin die siebenjährige Daisy kennen, die Enkelin einer Bewohnerin. Die beiden verstehen sich sofort. Es ist der Beginn einer Verbindung, die sein ganzes Leben bestimmen wird.
Mit 17 Jahren verlässt Benjamin das Altenpflegeheim. Er hat inzwischen den Körper eines Mannes in seinen Sechzigern und kann sich recht gut bewegen. Er heuert auf einem Schleppboot an, das von Captain Mike (Jared Harris) geführt wird. Benjamin fährt zur See und erlebt die Welt.
1941 ist Benjamin in Murmansk, Russland. Dort trifft er auf Elizabeth Abbott (Tilda Swinton), die Frau des britischen Handelsgesandten. Die beiden beginnen eine Affäre. Elizabeth erzählt ihm von ihrem gescheiterten Versuch, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Sie ist eine Frau, die von verpassten Chancen geprägt ist. Eines Tages verschwindet Elizabeth, ohne sich zu verabschieden. Benjamin bleibt allein zurück.
Während des Zweiten Weltkriegs wird Benjamins Schleppboot in den Dienst der US-Marine gestellt. Bei einem Gefecht mit einem deutschen U-Boot werden mehrere Besatzungsmitglieder getötet. Benjamin überlebt. Diese Erfahrung prägt ihn stark.
Die große Liebe zwischen Benjamin und Daisy
Nach dem Krieg kehrt Benjamin nach New Orleans zurück. Er trifft Daisy wieder, die inzwischen eine erfolgreiche Balletttänzerin in New York ist. Benjamin ist mittlerweile körperlich deutlich jünger – etwa in seinen Fünfzigern. Daisy ist eine junge Frau voller Energie. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen, aber der Zeitpunkt stimmt nicht. Daisy führt ein wildes Leben, Benjamin ist noch zu alt für sie.
Erst als Daisy nach einem schweren Unfall ihre Tanzkarriere aufgeben muss, finden die beiden zueinander. Es gibt einen Moment im Leben der beiden, in dem sich ihre Alterungsprozesse kreuzen. Benjamin sieht aus wie ein Mann um die 40, Daisy ist ungefähr im gleichen Alter. Es ist die Zeit, in der sie sich auf Augenhöhe begegnen – körperlich wie emotional.
Sie ziehen zusammen, heiraten und bekommen eine Tochter: Caroline. Doch Benjamin weiß, dass er weiter jünger werden wird. Er wird irgendwann aussehen wie ein Teenager, dann wie ein Kind, und schließlich wie ein Baby. Er kann kein normaler Vater sein. Aus Liebe zu seiner Familie trifft er eine schmerzhafte Entscheidung: Er verlässt Daisy und Caroline. Er verkauft seinen Besitz, hinterlässt ihnen Geld und zieht allein durch die Welt.
Daisy heiratet später einen anderen Mann, der Caroline als Stiefvater aufzieht. Benjamin schickt Postkarten aus aller Welt, aber er kommt nicht zurück.
Das Ende eines rückwärts gelebten Lebens
Jahre später wird Benjamin als verwirrter junger Mann aufgefunden. Er hat inzwischen den Körper eines Teenagers, aber sein Geist baut ab. Die Krankheit des Alterns – oder in seinem Fall: des Jüngerwerdens – betrifft auch sein Gehirn. Er verliert nach und nach seine Erinnerungen.
Daisy nimmt sich seiner an. Sie pflegt ihn, während er zum Kind wird, dann zum Kleinkind, dann zum Baby. Am Ende erkennt er niemanden mehr. Er stirbt im Jahr 2003 als Säugling in Daisys Armen. Seine Augen, so heißt es, schauen sie ein letztes Mal kurz an – und dann ist er weg.
Die Rahmenhandlung schließt sich: Hurrikan Katrina erreicht New Orleans. Das Wasser steigt. In einem Lagerraum des Bahnhofs steht noch immer die rückwärts laufende Uhr des blinden Uhrmachers. Sie wird vom Wasser überflutet. Die Uhr wird durch eine digitale Uhr ersetzt. Die alte Uhr verschwindet im Wasser – zusammen mit der Idee, dass sich die Zeit zurückdrehen lässt.
Wer vor und hinter der Kamera stand
| Funktion | Name |
|---|---|
| Regie | David Fincher |
| Drehbuch | Eric Roth |
| Produzenten | Kathleen Kennedy, Frank Marshall, Ceán Chaffin |
| Kamera | Claudio Miranda |
| Musik | Alexandre Desplat |
| Schnitt | Kirk Baxter, Angus Wall |
Brad Pitt übernahm die Rolle des Benjamin Button. Er musste für die verschiedenen Lebensphasen stundenlang in der Maske sitzen. Große Teile des Films setzen auf visuelle Effekte und CGI, besonders für die Darstellung des alten und des sehr jungen Benjamin. Das Unternehmen Digital Domain war für die Effekte verantwortlich und nutzte eine Technik, bei der Pitts Gesicht digital auf andere Körper gesetzt wurde.
Cate Blanchett spielte Daisy in verschiedenen Altersstufen. Auch bei ihr kamen Maskeneffekte und digitale Nachbearbeitung zum Einsatz. Taraji P. Henson erhielt für ihre Rolle als Queenie eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin. Tilda Swinton spielte Elizabeth Abbott, die mysteriöse Frau in Murmansk. In kleineren Rollen waren unter anderem Elle Fanning als junge Daisy und Mahershala Ali (damals noch als Mahershalalhashbaz Ali) als Tizzy zu sehen.
Die literarische Vorlage von F. Scott Fitzgerald
Die Kurzgeschichte The Curious Case of Benjamin Button wurde 1922 veröffentlicht. Fitzgerald ließ sich dabei von einem Zitat von Mark Twain inspirieren, der sagte: „Das Leben würde unendlich viel glücklicher verlaufen, wenn wir mit 80 geboren und uns langsam auf 18 zubewegen würden.“
In der Originalgeschichte wird Benjamin 1860 in Baltimore als alter Mann geboren. Die Geschichte ist deutlich kürzer und hat einen humorvolleren Ton als der Film. Fitzgerald beschreibt die sozialen Absurditäten, die entstehen, wenn jemand rückwärts altert: Ein alter Mann, der in die Schule geschickt wird. Ein junger Mann, der eine Frau heiratet, die älter aussieht als er. Ein Kind, das sich an nichts mehr erinnert.
Der Film nimmt sich große Freiheiten gegenüber der Vorlage. Die Handlung wurde nach New Orleans verlegt, die Zeitebene ins 20. Jahrhundert verschoben. Die gesamte Liebesgeschichte mit Daisy, die Rahmenhandlung mit Hurrikan Katrina und die Figur des blinden Uhrmachers sind Erfindungen des Drehbuchs. Eric Roth hat die Grundidee genommen und daraus einen völlig neuen Film gebaut. Viele Kritiker verglichen die Erzählstruktur mit Forrest Gump – kein Zufall, denn Roth schrieb auch dieses Drehbuch.
Auszeichnungen und Kritiken
Der Film erhielt bei der 81. Oscar-Verleihung insgesamt 13 Nominierungen – damit war er der am häufigsten nominierte Film des Jahres. Gewonnen hat er in drei Kategorien:
- Beste visuelle Effekte
- Bestes Szenenbild
- Bestes Make-up
Nominiert war er außerdem unter anderem als Bester Film, für die Beste Regie (David Fincher), den Besten Hauptdarsteller (Brad Pitt) und die Beste Nebendarstellerin (Taraji P. Henson).
Die Kritiken fielen gemischt bis positiv aus. Viele Rezensenten lobten die visuelle Kraft des Films, die schauspielerischen Leistungen und die emotionale Wirkung. Andere fanden den Film mit 166 Minuten zu lang und bemängelten, dass die Handlung trotz der fantastischen Grundidee stellenweise vorhersehbar sei. Die Parallelen zu Forrest Gump wurden häufig erwähnt – sowohl als Lob als auch als Kritik.
In Deutschland schrieb die ZEIT, der Film handle „vom Geborenwerden, von der Liebe und vom Sterben“ und sei in seiner Grundanlage eine Geschichte über die Vergänglichkeit. Das Filmportal kino-zeit.de nannte den Film ein „dreistündiges Meisterwerk“. cinema.de bezeichnete ihn als „zutiefst bewegend“ und hob die groteske Komik hervor. cinema.de
Technik, die den Film möglich machte
Einer der bemerkenswertesten Aspekte des Films ist die technische Umsetzung. Das Problem war klar: Wie zeigt man einen Menschen, der in jeder Szene ein anderes biologisches Alter hat? Die Lösung war eine Kombination aus Schauspiel, Maskenbildnerei und digitalen Effekten.
Für die Szenen, in denen Benjamin als alter Mann erscheint, wurde Brad Pitts Gesicht mithilfe von Motion-Capture-Technologie aufgenommen und digital auf den Körper anderer Schauspieler gesetzt. Diese Technik war damals noch relativ neu und wurde hier auf einem Niveau eingesetzt, das es vorher so nicht gab. Die Firma Digital Domain entwickelte dafür eigene Software.
Für die mittleren Lebensjahre trug Pitt Prothesen und Make-up. In den Szenen als junger Mann kam ebenfalls digitale Verjüngung zum Einsatz. Insgesamt arbeiteten über 100 Spezialisten für visuelle Effekte an dem Projekt. Die Produktionszeit betrug mehrere Jahre.
Der Film wurde größtenteils in New Orleans gedreht, was nach Hurrikan Katrina auch ein wirtschaftlicher Beitrag für die Region war. Weitere Drehorte waren unter anderem Los Angeles und Montreal. Die Filmmusik von Alexandre Desplat unterstreicht die melancholische Stimmung der Geschichte mit zurückhaltenden, oft fast zerbrechlich klingenden Melodien.
Was bleibt – der Film im Rückblick
Der seltsame Fall des Benjamin Button ist ein Film über die Zeit und darüber, was sie mit Menschen macht. Er stellt die Frage: Würde das Leben anders verlaufen, wenn man es rückwärts leben könnte? Die Antwort des Films ist eher ernüchternd. Benjamin erlebt dieselben Dinge wie jeder andere Mensch – Liebe, Verlust, Einsamkeit. Der Unterschied ist nur die Reihenfolge.
Der Film hat eine treue Fangemeinde und wird regelmäßig in Listen der besten Fantasyfilme der 2000er Jahre aufgeführt. Gleichzeitig gibt es Stimmen, die ihn als zu sentimental oder zu glatt empfinden. So oder so: Die technischen Leistungen sind unbestritten, und die Frage, die der Film aufwirft, beschäftigt Menschen seit jeher.
Die rückwärts laufende Uhr am Bahnhof, die am Ende des Films im Wasser versinkt, ist vielleicht das stärkste Symbol des ganzen Films. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Nicht für den blinden Uhrmacher, nicht für Benjamin Button, nicht für uns.







